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Meine Stadt Marienburg-Deal mit dem Land steht vor dem Aus
Hannover Meine Stadt Marienburg-Deal mit dem Land steht vor dem Aus
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14:20 15.02.2019
Klosterkammer zieht sich aus Marienburg-Deal zurück: Die Landesregierung sucht offenbar nach einem Alternativplan. Quelle: picture alliance/dpa
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Hannover

Der Deal sollte die Rettung der maroden Marienburg bedeuten: Die Tochtergesellschaft der landeseigenen Klosterkammer Limak kauft für einen symbolischen Euro das Schloss in Pattensen und Ernst August junior ist auf einen Schlag seine finanziellen Sorgen los. Doch bei der Rechnung hatte das Land den Familienzwist zwischen dem Erbprinz und seinem Vater Ernst August senior außer Acht gelassen. Offenbar ein Fehler, denn der Klosterkammer wird der Deal nun zu heikel.

Wie das Politikjournal „Rundblick“ berichtet, zieht sich die Kammer aus dem Deal zurück. Nach Informationen aus Regierungskreisen ist der Grund dafür die von der Klosterkammer geforderte Garantieerklärung der Landesregierung, die aber verweigert wurde. Dies stieß der Klosterkammer bitter auf, den im Fall von möglichen Komplikationen stünde sie ohne finanziellen Rückhalt durch die Landesregierung da. Ein Insider merkte gegenüber der NP überdies an, dass die Kosten die ursprüngliche Kalkulation von 27 Millionen weit übersteigen würden. „Das Land beruft sich auf ein Gutachten der Welfen.“ Dies sei fatal, es müsste mindestens ein eigenes Gutachten erstellt werden. Kultuminister Björn Thümler (CDU) sei völlig ahnungslos, was den tatsächlichen Zustand der Burg anbelangt, heißt es. Darüber hinaus zweifele man auch die tatsächliche kulturelle Bedeutung des Schlosses an.

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SPD lobt Entwicklung

Ein Kritikpunkt, der auch von den parlamentarischen Fraktionen vertreten wurde. Vor allem die Grünen und die FDP zeigten sich entrüstet über den Deal. Aber auch die Regierungsfraktionen SPD und CDU waren nur mäßig begeistert von dem Abkommen. Gegenüber der NP sagte Thela Wernstedt (SPD) nach Bekanntwerden des Ausscheidens der Klosterkammer: „Die Entwicklung stimmt mich einigermaßen erleichtert. Der Kauf birgt für den zukünftigen Besitzer erhebliche Risiken.“ Sie empfiehlt bei künftigen Verhandlungen ein neues Gutachten abzuwarten. Andernfalls sei der Deal einfach zu risikoreich.

Im Gespräch: Ernst August junior (links) und Kulturminister Björn Thümler. Quelle: Rainer-Droese

Das Ausscheiden der Klosterkammer aus den Verhandlungen wollte das Ministerium für Wissenschaft und Kultur gestern nicht bestätigen. Eine Sprecherin verwies lediglich darauf, dass der bisherige Sachstand unverändert sei. „Das Schreiben von Fürst Ernst August senior wird im Moment geprüft.“

Denn der Vater des Erbprinzen äußerte in einem Brief an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Minister Thümler, dass er mit dem Verkauf der Marienburg nicht einverstanden sei. Er forderte die als Schenkung übertragene Marienburg sogar zurück. Sein Sohn hingegen verwies auf den Grundbucheintrag beim Amtsgericht Springe. Der Senior schmetterte dies allerdings ab – und berief sich dabei auf die Rückauflassungsvormerkung. Demnach ist es nämlich nicht möglich, dass der Eigentümer die Immobilie gegen den Willen des Vorbesitzers veräußert. Dabei geht es nicht bloß um eine Zustimmung. Verhält sich der neue Besitzer – in diesem Fall Ernst August junior – entgegen voriger Vereinbarungen, kann der Vorbesitzer – Ernst August senior – das Erbe sogar zurückfordern.

Landesregierung ohne Alternativplan

Aus Regierungskreisen heißt es nun, dass man nach einer neuen Lösung suche. Offiziell wollte man dies nicht bestätigen. Die Sprecherin des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur teilte allerdings mit, dass es derzeit keinen Alternativplan gebe.

Im November 2018 hatte Thümler (CDU) bekanntgegeben, dass die Marienburg durch die Tochtergesellschaft Limak der landeseigenen Klosterkammer übernommen werde. Er war zu Beginn des Jahres von Ministerpräsident Stepahn Weil (SPD) mit der Verhandlung betraut worden. Die Debatte über die Marienburg reicht allerdings schon in die Zeit von Ministerpräsident David McAllister (CDU, 2010 bis 2013) zurück.

Im Dezember war die Marienburg auch in den Schlagzeilen, weil Einbrecher große Beute gemacht hatten.

Von Mandy Sarti