Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Adelsfamilien wollen Schloss ins 21. Jahrhundert bringen
Hannover Meine Stadt Adelsfamilien wollen Schloss ins 21. Jahrhundert bringen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:47 30.11.2018
Übernehmen: Nicolaus von Schöning und seine Frau Tania, Tochter Charlotte Gräfin von Hardenberg, Marie Sabine von Hardenberg und Carl Graf von Hardenberg (von links).
Übernehmen: Nicolaus von Schöning und seine Frau Tania, Tochter Charlotte Gräfin von Hardenberg, Marie Sabine von Hardenberg und Carl Graf von Hardenberg (von links). Quelle: Dröse
Anzeige
Pattensen

Die Marienburg wird bürgerlich. Das Land übernimmt das Schloss von Ernst August Erbprinz von Hannover. Dessen Betrieb jedoch bliebt in der Hand des Adels. Die Familien von Schöning und von Hardenberg steigen als Pächter ein. Sie sind Profis im Betrieb von Burganlagen. Aber können sie die Marienburg wirtschaftlich machen?

Nicolaus von Schöning ist davon überzeugt, dass das geht. Er sieht ein „Riesenpotenzial“. Es gebe schon „viele Ideen und Konzepte“. Weil diese allerdings „noch im Werden“ seien, will er sich zu Details wohl erst im Frühjahr äußern. Lediglich eine schwarze Null zu erreichen, wäre für von Schöning jedenfalls „kein Fortschritt“.

Neue Marienburg-Betreiber bringen viel Erfahrung mit

Denn das war Ernst August junior auch schon in einigen Jahren gelungen. In anderen fuhr er aber mit dem Betrieb ein Minus ein. Von Schöning fordert deshalb „andere Lösungen“. Er hält für die Zukunft auch größere Veranstaltungen als bisher für „nicht unmöglich“. Die Marienburg will er mit „modernen Ideen so ins 21. Jahrhundert bringen, dass sie sich rechnet“. Neben den Veranstaltungen sind für ihn Gastronomie und Museumsbetrieb weitere Standbeine, die ausgebaut werden können.

Wie man eine solche alte Anlage erfolgreich betreiben kann, zeigen die von Schönings auf ihrem Rittergut Remeringhausen bei Stadthagen. Mit Veranstaltungen wie dem beliebten „British Weekend“ oder dem „Parkfestival“ setzen sie eigene Akzente. Zudem richten sie zahlreiche private Veranstaltungen wie Hochzeiten, Firmenfeiern und Tagungen aus.

Beliebt: Das „British Weekend“, das die Familie von Schöning auf ihrem Rittergut in Remeringhausen ausrichtet. Quelle: Archiv

Viel Erfahrung bringen auch die von Hardenbergs in die neue Gesellschaft ein, die zum 1. Januar 2019 als Schloss Marienburg GmbH den Betrieb übernehmen soll. Die Familie betreibt neben ihrer bekannten Kornbrennerei das Fünfsterne-Haus „Burghotel Hardenberg“ in Nörten-Hardenberg bei Göttingen.

Carl Graf von Hardenberg will jetzt erst einmal „in Ruhe abarbeiten“, was „man optimieren und verbessern kann“. Ein Problem hat er aber schon ausgemacht. Es gebe „zu wenig Parkplätze bei Großveranstaltungen“, sagte er der NP.

Alle Marienburg-Mitarbeiter sollen bleiben

Für viel Aufregung im Rathaus in Pattensen hat die Ankündigung von Erbprinz Ernst August gesorgt, die Marienburg in die Hände des Landes zu geben. Die Stadt betreibt eine Standesamt-Außenstelle auf der Marienburg. Für 2019 seien schon 30 Hochzeiten angemeldet. „Die Telefone laufen heiß“, berichtete Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD), die gleich am Donnerstag Kontakt zu den neuen Betreibern suchte.

Die gaben Entwarnung. Geplant ist ein fließender Übergang. Auch sämtliche 60 Mitarbeiter, die bisher auf der Marienburg beschäftigt waren, sollen von der neuen Gesellschaft übernommen werden. Auch für Erbprinz Ernst August „eine große Erleichterung“. Kulturminister Björn Thümler (CDU) betonte, dass die Zusammenarbeit mit den von Schönings und von Hardenbergs langfristig angelegt sei. Der Pachtvertrag laufe zunächst zehn Jahre, „mit der Option zu verlängern“.

Allerdings bedeutet ein wirtschaftlicher Betrieb von Veranstaltungen, Museum und Festen noch nicht, dass dieser genügend Geld abwirft, um auch den Erhalt der Marienburg dauerhaft sicherzustellen. Insider gehen davon aus, dass das Land über die nun geplante Sanierung in Höhe von 27 Millionen Euro hinaus immer wieder Millionen in das Objekt wird investieren müssen.

Von Christian Bohnenkamp