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Meine Stadt Maikes Probestunde: Im Auge des Hurricanes
Hannover Meine Stadt Maikes Probestunde: Im Auge des Hurricanes
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15:46 25.06.2018
Volle Kraft voraus: Mit Schwung wird der Gewichtsschlitten hin und her geschoben. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Worum geht’s?
Hurricane – der Name ist Programm: Das Training ist ein intensiver Mix aus Sprint- und Kraftübungen, das den Sportler in kürzester Zeit an seine Leistungsgrenze bringt – und womöglich auch darüber hinaus. Seinen Ursprung hat Hurricane im Kampfsport und besteht aus Kraft- und Sprintübungen. Jede Übung dauert 30 Sekunden, drei Übungen werden zu einem Set von 90 Sekunden zusammengefasst und dreimal wiederholt. Nach einer kurzen Pause kommt das nächste Übungsset dran. Und nach drei Sätzen ist man buchstäblich am Ende.

Was braucht man?
Nicht viel, nur Sportsachen und eine Trinkflasche.

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Das Training
Ich gebe zu, der Name „Hurricane“ sorgt bei mir für Magengrummeln. Das klingt wirklich nicht gerade nach einem Spaziergang durch die Fitnesswelt ...Zum Glück starten wir aber erstmal mit einem ausführlichen Aufwärmtraining. Wie bei einem echten Hurricane gibt es eben auch hier die Ruhe vor dem Sturm. Wir stehen im Kreis und Claas Benk, unser Trainer und Inhaber vom „Gravity“-Fitnessstudio, leitet uns an. Er zeigt, wie wir unsere Bänder dehnen sollen, führt Übungen zum Stretchen vor, das ist alles ganz easy. Doch nach und nach steigert er die Aufgaben so, dass wir merken, wie sich langsam erste Schweißperlen bilden.

Wir stehen im Vierfüßlerstand, heben Beine oder Arme, strecken sie nach oben. Wir laufen durch den Raum, vorwärts und rückwärts, steigern dabei die Geschwindigkeit. Dann zieht Benk kleine enge Fitnessbänder heraus. Diese ziehen wir über den Knien um die Oberschenkel und um die Sprunggelenke und gehen in kleinen Schritten vorwärts und rückwärts, mal mit gestreckten Beinen, mal mit angewinkelten Knien. Das geht schon mal gut in die Oberschenkel. Aber noch lachen wir alle.

Dann kündigt Benk unseren persönlichen Sturm an: Jeweils zu zweit steigen wir in die kleinen „Wirbel“ mit jeweils drei Aufgaben ein. Mein Team startet mit einer Laufeinheit und Kraftübungen am TRX-Schlingentrainer. Konkret: 30 Sekunden in Höchstgeschwindigkeit hin und herrennen, anschließend an den Bändern zunächst 30 Sekunden die Bauchmuskulatur trainieren, dann hängen wir uns in die Seile und ziehen uns 30 Sekunden immer wieder hoch. Dreimal wiederholen wir diesen Wirbel, dann geht es nach kurzer Verschnaufpause ins nächste Dreierset an. Dieses Mal sprinten wir gegen den Zug von flexiblen Seilen, so genannten Gun-Ex-Ropes, machen Sit-ups für die Bauchmuskeln und Liegestütze für die Brustmuskulatur. Allmählich ahne ich, was uns noch bevorsteht – die Schnelligkeit und Intensität der Übungen dauerhaft halten zu können, scheint mir fast unmöglich.

Oberschenkel brennen wie Feuer

Der dritte Wirbel fordert alles: Wir sollen einen Prowler, das ist eine Art Gewichtsschlitten, möglichst schnell über die Längsseite des Raumes hin- und herschieben. Das erfordert einen dauerhaft starken Antritt, um das Gewicht in Bewegung zu halten. Mit aller Kraft legen wir uns in das Gerät und ignorieren, dass die Oberschenkel längst wie Feuer brennen.

Die beiden nächsten Übungen sind ebenfalls unsere persönlichen Feinde: Zuerst stehen 30 Sekunden Seitheben mit Gewichten auf dem Plan, da merkt man bei jeder Wiederholung mehr, wie die Schultermuskulatur beim seitlichen Heben der Gewichte ins Schmerzen kommt. Dann werden 30 Sekunden die Bizepse gefordert, indem ich die Arme mit den Gewichten immer wieder zur Schulter beuge. Und wieder geht’s zum Prowler in die zweite Runde des kleinen Wirbels. In der kurzen Verschnaufpause nach der dritten Wiederholung blicken meine Teampartnerin und ich uns an und denken wohl das Gleiche: Gerade mal ein Drittel haben wir erst geschafft, denn die große Zirkelrunde muss insgesamt dreimal bezwungen werden.

Nur nicht aufgeben!

Doch auch in den nächsten Minuten gibt es kein Erbarmen: Werden wir irgendwo langsamer oder nachlässiger in den Bewegungen, steht wie aus dem Nichts Claas Benk neben uns, korrigiert uns und feuert uns an. Vom Ruhepuls ist inzwischen nichts mehr zu merken. Die 160 Schläge habe ich längst auf meiner Pulsuhr erreicht, der Schweiß läuft, die Muskeln schmerzen, aber die größte Herausforderung ist inzwischen eine mentale: nur nicht aufgeben! Dabei ziehen sich bei den Übungen die Sekunden wie Kaugummi in die Länge. Doch dann haben wir es geschafft. Erleichtert klatschen wir uns alle ab – die Überlebenden des Hurricanes. Und lecken am nächsten Tag unsere Wunden: Was für ein Muskelkater!