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Meine Stadt Hannover: Maikäfer-Treffen lockt 15.000 Fans aufs Messegelände
Hannover Meine Stadt Hannover: Maikäfer-Treffen lockt 15.000 Fans aufs Messegelände
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18:27 01.05.2019
KÄFERFREUNde: Rund 3000 alte und neuere luftgekühlte Volkswagen sind auf dem Messegelände ausgestellt.
KÄFERFREUNde: Rund 3000 alte und neuere luftgekühlte Volkswagen sind auf dem Messegelände ausgestellt.
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HANNOVER

Alle paar Minuten schallt ein lauter, durchdringender Hupton über den Messe-Parkplatz Ost. Dann hat mal wieder jemand den „Gefällt-mir“-Button an Uwe Engelhardts knallgelbem Käfer mit Käfer-Anhänger gedrückt. Es ist ein „modernes“ Modell, Baujahr 1995, „ein neuer Mexikaner“, sagt der 52-Jährige, der mit seinem Gefährt aus Mecklenburg-Strelitz zum 36. Mai-Käfer-Treffen in Hannover gekommen ist.

Ein Anhänger aus einem halben Käfer

Seit mehr als 18 Jahren ist der in Mexiko gebaute Wagen schon in seinem Besitz, davor fuhr er drei andere Käfer. Jahrelang hat er am aktuellen Modell rumgebastelt, aufgemotzt und mit Accessoires versehen, wie dem Totenkopf auf dem Armaturenbrett. Am meisten Aufsehen erregt allerdings der Anhänger, ein aus Ersatzteilen zusammengeschusterter halber Käfer. Fünf Jahre lang hat der Lkw-Fahrer allein am Hänger gewerkelt. Es ist sein Hobby, in das er viel Zeit und Geld investiert. Warum ein Käfer? Engelhardt zuckt mit den Schultern. „Ich habe einen gesehen und war sofort verliebt.“ Und so gehe es nicht nur ihm allein: „Egal, wo ich mit dem Auto hinkomme: Alle freuen sich und müssen lächeln. Ich habe noch nie negative Reaktionen bekommen.“

Sie sind mit Leidenschaft dabei: Die Fans von VW-Käfer und VW-Bulli, die sich am 1. Mai regelmäßig auf dem Messegelände in Hannover treffen und ihre Schmuckstücke zeigen.

Nicht weit entfernt steht der Käfer von Ingrid (69) und Peter Matthäus (72), ebenfalls in einer Knallfarbe, „L 20 leuchtorange“. Eine „Jugendsünde“ nennt das Rentnerpaar aus Buchholz (Nordheide) die Farbwahl scherzhaft. Matthäus hat sich den Käfer 1971 neu angeschafft, elf Jahre lang war ihr Auto (34 PS, vier Zylinder) im täglichen Einsatz, quer durch Europa ist das junge Paar damit gegurkt „Wir haben unsere Jugend darin verbraucht. Ich habe darin Fahren gelernt – und die erste Beule reingemacht“, erzählt Ingrid Matthäus lachend.

Es kamen andere Autos, der Käfer stand still herum – bis das Paar Ende der 90er Jahre den Wagen wieder flottmachte. „Wenn ich in den Käfer einsteige, ist das wie eine Zeitmaschine – ich fühle mich wie Mitte 20 und habe die ganze Zeit ein breites Grinsen im Gesicht“, berichtet Peter Matthäus. Bei der Totalrestaurierung dachte das Paar kurz über eine neue Farbe nach. „Aber dann wäre es nicht mehr unser schönes Auto gewesen“, sagt Ingrid Matthäus. Es immer noch was zu basteln, neue Fußmatten, ein Radio. „Fertig wird man ja nie.“

„Viele Experten unterwegs“

Das weiß auch Henry Hackerott, Organisator des Mai-Käfer-Treffens, das schon lange nicht nur Käfer-Fahrer, sondern auch viele Bulli- und andere Oldtimer-Fans anzieht. Mehr als 3000 luftgekühlte Volkswagen sind an diesem 1. Mai auf dem Messeparkplatz Ost ausgestellt, sehr alte Modelle und jüngere, glänzender Lack, so weit das Auge reicht.

Rund 15 000 Besucher aus Deutschland und ganz Europa sind zum Saisonauftakt der Käfer- und Bulli-Szene gekommen. „Man hat immer was zu basteln“, sagt der 58-Jährige. Auch dafür ist Vorsorge getroffen, rund 150 gewerbliche Händler und Privatleute verkaufen hier Ersatzteile, Zubehör und sonstige Devotionalien. Ein Bekannter kommt vorbei, mit einem Stoffmuster für neue Sitzbezüge in Hackerotts 75er Superbeetle. „Porsche Pepita“, raunt der Bekannte. „Viele Experten hier unterwegs“, lacht Hackerott, „Uns alle verbindet die Liebe zu alten Autos.“

Von Inken Hägermann