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Meine Stadt Mahnwache für „Chico“
Hannover Meine Stadt Mahnwache für „Chico“
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00:23 25.04.2018
TRAUER UND ZORN: Vor dem Veterinäramt trafen sich am Sonntag etwa 80 Menschen, um an den Fall um den eingeschläferten Hund Chico zu erinnern. Quelle: Fotos: Hübner
HANNoVER

 Eine Mahnwache für den eingeschläferten Hund Chico, der vor knapp drei Wochen sein Herrschen und dessen Mutter totgebissen hat – dazu trafen sich Sonntagnachmittag gut 80 Menschen vor dem Veterinäramt der Stadt Hannover. Sie zündeten am Eingang in der Leinstraße Kerzen an, verkündeten ihre Botschaften auf Plakaten oder legten sie auf einfachem Papier nieder. Auch Plüschtiere waren darunter, sogar ein Engel mit umgehängtem Herz sollte die Trauer der Tierfreunde bezeugen.

 Es rollten Tränen, man sah gerötete Augen und vor allem wurde Unverständnis geäußert für die Entscheidung vergangenen Montag, den Hund wegen seines Gesundheitszustandes umgehend einzuschläfern. Und am Rande beobachtet die Polizei das Geschehen.

Diskutiert wurde auch, was denn jetzt die Wahrheit sei über den Hergang der Geschichte und was man besser nicht glauben sollte. Mit dem Bedauern für die von Chico getöteten Menschen war es nicht so weit her, eher überwog die Auffassung: Der eingeschläferte Staffordshire-Terrier-Mischling sei letztlich ein Opfer gewesen.

Katja Reinecke (46) etwa hat den Hund im Tierheim gesehen: „Da ist eine ungerechte Sache passiert – was ich gesehen habe, war nicht aggressiv. Und ich habe selber einige Jahre im Tierschutz gearbeitet. Chico war ruhig, total verstört und schaute tief traurig aus seinen Augen.“ Der Hund hätte Chancen gehabt, zu zeigen, dass er nicht aggressiv ist – doch das Ende sei vorherbestimmt gewesen.

 Ute Soltau (63), „Verwaltungsfachwirtin und Tierschutzaktivistin“, war dort „wegen zwei Menschen und einem Tier – das war glattes Behördenversagen!“ Den Fehler, nicht längst eingeschritten zu sein, hatte die Stadt bald zugegeben. Mit Chicos Tötung, glaubt Soltau, „will man ablenken vom Versagen“.

Rolf Albrecht (68) zürnt, weil das Veterinäramt Chico „vor Abschluss der Untersuchungen hat einschläfern lassen – bevor die Staatsanwaltschaft ein Ergebnis hat und ohne Wesenstest für den Hund. Die wollten einfach schnell ein Problem aus der Welt schaffen.“

Von RALPH HÜBNER