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Meine Stadt Mafia-Prozess: Kronzeuge widerruft frühere Aussagen
Hannover Meine Stadt Mafia-Prozess: Kronzeuge widerruft frühere Aussagen
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16:50 13.06.2019
WEGEN SCHWEREN RAUBES ANGEKLAGT: Ewaldas S. (mit Anwalt Mindaugas Jacinevicius) soll den Raubüberfall auf Juwelier Bielert organisert haben. Quelle: Nagel
HANNOVER

Remigijus T. (22) wurde bereits in Litauen zu Haftstrafen verurteilt. Er hat in Finnland einen Juwelier überfallen. Auch am 23. Januar 2017 war er Mitglied einer Bande. Sie überfiel den Juwelier Bielert (Beute: Uhren im Wert von mehr als 30 000 Euro) in Neustadt. Alle Räuber wurden gefasst und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Nun soll T. seine belastenden Aussagen gegen Ewaldas S. (26) im Landgericht Hannover wiederholen. S. gilt als Mitglied der mittleren Führungsebene der litauischen Mafia. Eine verbrecherische Vereinigung, die in ganz Westeuropa brutale Raubüberfälle auf Juweliere organisiert.

Erinnerung soll auf einmal weg sein

Doch Remigijus T. will sich auf einmal an nichts mehr erinnern. So sagte er aus, dass er sich das Bein brechen lassen wollte, um in Deutschland keine Raubüberfälle begehen zu müssen. „Habe ich mir ausgedacht“, sagte er am Donnerstag im Landgericht aus. So sei ihm gedroht worden, dass seine Frau ihr Kind nicht lebendig zur Welt bringen werde. „Habe ich gelogen“, lautet die Antwort.

Flankiert wird die zähe Befragung des verurteilten Verbrechers von Wortgefechten zwischen Anwalt Siegfried Schäfer und Richterin Renata Bürgel. Als die Richterin die Frageweise des Anwalt moniert, haut der Verteidiger wütend auf den Tisch und schreit: „Ich möchte mein Fragerecht ungestört ausüben dürfen.“ Bürgel antwortet ruhig: „Auch wenn Männer schreien, wird es nicht besser.“

Zeuge sagt, er sei nie bedroht worden

Der Zeuge sitzt derweil mit gekrümmten Rücken und flüstert eher als er spricht. Er sei nie vom Angeklagten bedroht worden, sagt er. In einer früheren Aussage bezeichnete er Ewaldas S. noch als „Chef, der alles organisiert habe“. Nun sagt er: „Wir waren alle gleich.“ Er habe ihn „aus Angst“ als „Chef“ bezeichnet. Eine Aussage, die keinen Sinn macht.

Genauso ist es mit der Skizze eines Aachener Juweliergeschäfts. Weil in Neustadt die „falschen“ Uhren (sprich nicht wertvoll genug) geraubt wurden, sollte die Bande in Aachen einen weiteren Coup landen. Zeuge T. fertigte den Plan an. Doch zu dem geplanten Überfall meint er: „Das habe ich mir ausgedacht.“ In Aachen sei er auch nie gewesen. Das überraschte die Richterin. Sie meinte: „Dann haben Sie eine erstaunliche Gabe. Die Skizze passt exakt zu dem Aachener Juwelier und den umliegenden Straßen.“

Nur einmal wirkt der Zeuge richtig beeindruckt. Oberstaatsanwältin Maren Stolper drohte ihm damit, seine Mutter und Freundin aus Litauen holen zu lassen. Remigijus T. hatte sie selbst in seinen Aussagen als Zeugen für die Bedrohungen der litauischen Mafia benannt.

Von Thomas Nagel

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