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Meine Stadt „Mädchenfarbe“: Mitarbeiter verweigert Dienstweste
Hannover Meine Stadt „Mädchenfarbe“: Mitarbeiter verweigert Dienstweste
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14:35 20.02.2019
BLIND: Justitia hat keinen Blick für Farben. Foto:
BLIND: Justitia hat keinen Blick für Farben. Foto: Quelle: dpa
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HANNOVER

Der jüngst verstorbene Modezar Karl Lagerfeld hätte seine Freude an diesem Rechtsstreit gehabt. Einem Mitarbeiter wurde gekündigt, weil er sich weigerte, eine magentafarbene Weste zu tragen. Im Arbeitsgericht begründete der Anwalt des Klägers: „Magenta ist eine Mädchenfarbe.“ Bei Richterin Kristin Kloy konnte der Arbeitnehmer mit diesem Argument nicht durchdringen. Sie stellte die Frage in den Raum, ob das nicht frauendiskriminierend sei.

Seit 2014 arbeitet der Kläger als Logistiker in der Firma, die Naturkosmetik herstellt. Im vergangenen Jahr stellte das Unternehmen ein Farbkonzept auf. Mitarbeiter der Technik sollten blaue Oberbekleidung tragen, Besucher rote und Logistiker eben magentafarbene. Doch der Kläger weigerte sich. Er trug mal gelbe oder orangene Westen. „Es geht mir um die Farbe. Ich kaufe mir privat ja auch keinen pinkfarbenen Anzug“, sagte der Arbeitnehmer am Mittwoch im Arbeitsgericht.

Eine Versetzung zu den weißen Westen wurde abgelehnt

Für seinen Anwalt ist der Fall klar. Mit der Farbauswahl werden die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten beschränkt. Der Arbeitgeber verwies auf sein Direktionsrecht.

Mit dem kleinkarierten Rechtsstreit hatte sich bereits das Landesarbeitsgericht beschäftigt. Denn die Firma hat vor der fristgerechten Kündigung zum 30. November 2018 den Mitarbeiter in zwei Fällen abgemahnt. Die erste Instanz hatte geurteilt, dass die Abmahnungen rechtens seien.

So war auch klar, dass Richterin Kloy auch die Kündigung durchwinken würde. Also verglichen sich die Parteien. Der Arbeitgeber zahlt die Regelabfindung von knapp 6000 Euro und ist damit den farbsensiblen Mitarbeiter los. Eine Versetzung des Klägers in die Produktion hatte der Arbeitgeber abgelehnt. In dieser Abteilung werden weiße Westen getragen. Der Kläger erklärte, dass er damit kein Problem hätte.

Von Thomas Nagel