MHH-Bahn: Wer muss zahlen?
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Meine Stadt MHH-Bahn: Wer muss zahlen?
Hannover Meine Stadt MHH-Bahn: Wer muss zahlen?
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19:52 02.04.2019
Direkt an der Bahn: Die MHH heute. Der Neubau wäre jedoch zu weit von der aktuellen Haltestelle entfernt. Quelle: Wallmüller
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Hannover

Der Neubau der MHH soll am Stadtfelddamm entstehen – das haben Land und die Führung der Hochschule beschlossen. Offenbar ohne, dass man sich konkrete Gedanken gemacht hat, wie dieser mit den Bahnen der Üstra erreicht werden soll. Wie ein Stadtbahnanschluss verlaufen könnte und vor allem wer dafür zahlen soll, ist völlig unklar.

Laut Wissenschaftsministerium handelt es sich bei den 1,5 Milliarden Euro, die für den Neubau vorgesehen sind, ausschließlich „um Mittel für die Krankenversorgung“. Man führe mit Stadt und Region Gespräche über den Anschluss der neuen MHH mit dem öffentlichen Nahverkehr. Es sei aber „nicht Aufgabe des Landes, den Anschluss von Hochschulen oder Hochschulkliniken an den ÖPNV zu finanzieren“, teilt das Ministerium mit.

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Region: Land muss für MHH-Stadtbahn zahlen

Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region, sieht das völlig anders. Wenn sich Land und MHH schon für einen Standort entschieden, der weit von der bisherigen Haltestelle entfernt sei, dann müssten sie auch für dessen Stadtbahnanschluss zahlen, argumentiert er. Schließlich habe es auch eine Alternative an der Karl-Wiechert-Allee gegeben, die direkt an der bisherigen Stadtbahntrasse liegt.

In dem Streit geht es um viel Geld. Experten schätzen die Kosten für einen neuen MHH-Anschluss mit der Üstra auf 50 bis 100 Millionen Euro.

„Es kann nicht sein, dass man sich auf einen Standort festlegt und dann überhaupt keine Ideen und Lösungen präsentiert, wie dieser mit dem ÖPNV erreicht werden kann“, kritisiert Elisabeth Clausen-Muradian, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen. Sie warnt: „Die Qualität der Erreichbarkeit wird sich verschlechtern“.

FDP: Region soll sofort mit den Planungen starten

Auch Lars Kelich (SPD) stellt klar: „Ein Bus wird nicht reichen“. Er fordert das Land auf, „dafür zu sorgen, dass unsere Verkehrsziele nicht konterkariert werden“. Die MHH müsse gut mit dem ÖPNV erreichbar sein, sonst werde es zu mehr Verkehr auf den Straßen kommen. „Wenn man mit 1,5 Milliarden Euro Kosten kalkuliert, muss das mit eingeplant sein“, sagt Kelich.

FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke hingegen sieht vor allem die Region und die Üstra in der Pflicht. „Die Üstra ist Dienstleister. Sie muss dahin fahren, wo die Menschen hinwollen“, sagt Engelke. Von der Region erwartet er, „dass sie sofort die Ärmel hochkrempelt und in die Planungen einsteigt“.

CDU will autonome Elektrobusse einsetzen

MHH-Präsident Michael Manns hatte eine Stadtbahn-Anbindung des Neubaus aus Richtung Norden, von der Podbielskistraße aus ins Spiel gebracht. Für „völlig abenteuerlich“ hält das CDU-Verkehrsexperte Felix Semper, weil die Bahn dann unter dem Messeschnellweg durch müsste. Er schlägt stattdessen vor, zwischen dem Neubau und der bisherigen Stadtbahnhaltestelle der MHH autonom und in engmaschigem Takt fahrende kleine E-Busse einzusetzen. Auch eine „geländeinterne Rundbahn“ sei eine Option. über die man nachdenken sollte, schlägt Semper vor.

Die Skizzen, die Land und MHH-Führung am Montag der Öffentlichkeit präsentierten, sehen nur eine Busschleife im Bereich des Neubaus vor. „Keine gute Lösung“ sei das, sagt Henning Hofmann (SPD), Bezirksbürgermeister von Buchholz-Kleefeld. Die MHH brauche einen Stadtbahnanschluss. Der Parkdruck sei „jetzt schon zu groß“.

Von C. Bohnenkamp Und M. Sarti