MHH-Ärzte transplantieren Leber bei 28 Tage altem Baby
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MHH-Ärzte transplantieren Leber bei 28 Tage altem Baby

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13:16 10.10.2021
Der medizinische Erfolg hat viele Väter und Mütter: 28 Tage nach seiner Geburt wurde Adam(auf dem Arm seiner Mutter) in der MHH eine Leber transplantiert. Das Baby war mit einem akuten Leberversagen auf die Welt gekommen.
Der medizinische Erfolg hat viele Väter und Mütter: 28 Tage nach seiner Geburt wurde Adam(auf dem Arm seiner Mutter) in der MHH eine Leber transplantiert. Das Baby war mit einem akuten Leberversagen auf die Welt gekommen. Quelle: Kaiser (MHH)
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Es fehlten nur zehn Tage, und Adam aus Gronau (Kreis Hildesheim) hätte einen traurigen Rekord gebrochen. Das Baby hat im Alter von 28 Tagen eine neue Leber in der MHH erhalten. „Fünf Monate nach der Operation geht es Adam hervorragend. Die Leber hat komplett ihre Funktion aufgenommen. Der Junge entwickelt sich vergleichbar zu anderen Kindern in dem Alter“, sagt Professor Dr. Ulrich Baumann, Leberspezialist für Kinder.

Adam kam mit einem akuten Leberversagen zur Welt. „Adam hätte ohne die Transplantation nur wenige Wochen überlebt. Denn bei Leberausfall gibt es keine vergleichbar effektiven Unterstützungssysteme zur Überbrückung wie die Dialyse bei Nierenversagen“, sagt Dr. Eva-Doreen Pfister, Leberspezialistin in der MHH-Kinderklinik. Bei der Operation wog der Junge gerade mal vier Kilo.

Ersatzorgan war nach zwei Wochen da

Das Kind wurde mit hoher Dringlichkeit für ein Spenderorgan gelistet. Nach zwei Wochen war die rettende Leber da – von einem Kind. Und den Ärzten und Pflegerinnen auf der Station 69 gelang es, Adam bis zur Operation zu stabilisieren.

Dass der Eingriff gelingen konnte, lässt sich auf den Transplantionspionier Professor Rudolf Pichlmayr zurückführen. Er hatte 1983 das Verfahren für eine Teillebertransplantation (Split-Leber) entwickelt. Das gespendete Organ war für Adam trotz des jungen Spenders noch zu groß.

Split-Leber-Verfahren ermöglicht Transplantation bei Babys

Die Leber ist aus Segmenten aufgebaut und kann geteilt werden. Und: Wenn man einen Teil der Leber entfernt, wächst die Leber wieder nach. „Ein Großteil der Kinder-Transplantationen wären ohne dieses Verfahren gar nicht möglich. Auch hat diese Technik die Lebendspende erst ermöglicht, bei der einem Elternteil ein Teil der Leber entnommen und anschließend dem Kind transplantiert wird“, erklärt Dr. Nicolas Richter, Leiter des Transplantationsprogramms in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Um das Organ für den kleinen Adam passend zu machen, musste es auf ein Lebersegment verkleinert werden.

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Bei allem Erfolg dieser außergewöhnlichen medizinischen Maßnahme: Für das Neugeborene war es eine riesige Strapaze und auch nach der OP war Pflege und medizinische Betreuung auf höchstem Niveau nötig. Adam lag vier Wochen auf der Intensivstation und drei Wochen auf Normalstation. Nahrung und Medikamente mussten zunächst intravenös verabreicht werden. Nach einer Woche begann das Baby zu trinken. Aber die Alternative wäre nur der Tod des kleinen Jungen gewesen.

Bislang wurden nur sieben Säuglinge im Alter von Adam transplantiert. Nur ein Baby war mit 18 Tagen jünger als der Junge aus Gronau. Seit 1983 erhielten 865 Kinder in der MHH eine neue Leber, 132 davon durch eine Lebendspende.

Von Thomas Nagel