Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Das Geheimnis im Wald: Hier ist ein alter Weltkriegs-Bunker versteckt
Hannover Meine Stadt Das Geheimnis im Wald: Hier ist ein alter Weltkriegs-Bunker versteckt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:32 03.02.2020
Versteckt: Tom Mayer zeigt die alten Geschützstände im Wald bei Bemerode. Quelle: Dröse
Hannover

Man sieht es nur, wenn man es weiß – und kaum jemand weiß es noch: Dass im beschaulichen Wäldchen Bemerodes einst Bunker und Baracken standen. Hier ist die Kleine Seelhorst, die alten Bemeroder sagen aber „der Lagerwald“. Denn unter den Baumwurzeln und dem mit Laub bedeckten Boden liegen Bunker verborgen, auf denen die Briten nach dem Zweiten Weltkrieg ein Kriegsgefangenenlager errichteten. Mit 4000 gefangenen Handwerkern.

„Sie haben im Wesentlichen dazu beigetragen, Hannover nach dem Krieg aufzuräumen“, sagt Tom Mayer (69). Er ist ein Kind des größten Gefangenenlagers Hannovers. Mayers Vater war Chefkoch im Lager, als Feuerwehrmann der Armee wurde er gefangen genommen. Mayers Mutter war eine Bemeroderin, die die wöchentlichen Tanztees des Lagers besuchte. Dort lernte sie Mayer senior kennen, Tom Mayer entstand aus der Lager-Liebe und wuchs in Bemerode auf. Er gehört zu den wenigen lebenden Zeitzeugen – und hat viel zu erzählen.

Man muss ganz genau hinsehen: Der alte Bemeroder Bunker ist im Wald versteckt. Quelle: Dröse

Doch erstmal zeigt er, welche Überbleibsel der Bunker und Baracken noch zu finden sind, wenn man genau hinschaut. Gleich nach Betreten des Waldes hinter dem Jugendzentrum der erste Hinweis auf den verloren gegangenen Ort. Ein bewachsener Hügel, rechteckig und ungefähr 20 Meter lang. Oben bahnt sich eine Betonkante ihren Weg aus dem Erdhügel. Das Dach eines Bunkers.

Während des Krieges eine Stellung der Wehrmacht

„Auf der Rückseite ist der Eingang“, sagt Mayer und klettert über das Dach, hält sich an den Wurzeln und Ästen fest. „Hier war zumindest der Eingang, als ich noch ein Kind war“, fügt er hinzu, als er die Stelle erreicht hat. Jetzt ist sie verschüttet, nur noch mit Fantasie zu erahnen. „Wir sind da reingeklettert und haben drinnen gespielt. Aber nunja, das ist jetzt auch schon wieder 60 Jahre her ...“

Etwa einen Kilometer tiefer im Wald ist noch mehr zu erkennen. Wieder eine Erhöhung, darauf die steinernen Sockel eines alten Geschützstands. „Hier drunter ist auch ein Bunker, das Munitionslager“, erzählt Mayer. Denn während des Kriegs war hier eine Stellung der Wehrmacht, die die Briten erst nach Kriegsende in ein Handwerkerlager umwandelten.

Mayer steht auf der Anhöhe und schaut in den Wald, er ist mittendrin. „Das muss man sich mal vorstellen. Hier waren Baracken, eine neben der anderen!“ Er zeigt nach links, noch ein bewachsener Erdhügel zwischen den Bäumen. Heute ein Rodelberg, damals das eigene Klärwerk des Gefangenenlagers. „Das war quasi ein eigenes Dorf. Immerhin 4000 Menschen lebten hier, so viele wie bald auf dem Kronsberg.“

Mayers Vater kochte im Lager

Es gab Baracken, Bunker, Werkstätten, Garagen. Morgens mussten die Gefangenen vor ihren Baracken antreten, dann ging es im Marschbefehl zu den Lastwagen. Hier wurden die Handwerker verladen und in die Innenstadt gebracht – zum Aufräumen. Abends sammelten die Briten sie wieder ein. Dann gab es Abendessen in der Kantine – in der Mayers Vater kochte.

„Eigentlich war es ein Handwerkerlager, mein Vater war gelernter Maurer und Metzger“, erklärt Mayer. „Weil er Maurer und somit Handwerker war, kam er in das Lager. Weil er Metzger war, kam er in die Küche.“ Jede Hand sei gebraucht worden. Doch schlecht behandelt seien die Gefangenen von den Briten nicht worden, so Mayer.

Vom früheren Bemeroder Bunker sind nur noch Reste zu sehen. Quelle: Dröse

Nach dem Abendessen hatten sie Freigang, es gab einen Fußballplatz – und am Wochenende die Tanztees. Wohin junge Damen wie Mayers Mutter kamen. Ungefähr dort, wo heute das Café Parthier ist – bis dorthin erstreckte sich das Gelände. „Mein Mutter war Chefsekretärin, eine angesehene Frau. Ein Maurer und Metzger wäre eigentlich nicht ihr Kaliber gewesen“, sagt Mayer und lacht. „Aber er trug immer so schicke weiße Handschuhe beim Tanzen und fiel ihr auf.“ Außerdem habe er in der Nachkriegszeit, als er kein Gefangener war, als Metzger immer für Nahrung sorgen und als Maurer kaputte Wände schnell wieder hochziehen können.

Die Chronik des Lagerwalds

1938: Die Wehrmacht richtet in der kleinen Seelhorst ein Lager ein.

1945: Die britischen Besatzer machen aus dem Wehrmachts- ein Gefangenenlager mit 4000 deutschen Handwerkern, die Teile Hannovers nach dem Krieg wieder aufbauen.

1947: Die Briten lassen die Gefangenen nach und nach frei und beherbergen auf dem Gelände bis 1955 eine Kraftfahrzeug-Einheit.

1955: Bundeswehr und Gewerbebetriebe übernehmen das Areal. Zeitweise hat die Gemeindeverwaltung Bemerode und ein Theater ihren Sitz hier.

1988: Die Stadt kauft den nördlichen Teil der Lagerfläche.

1990: Hannover lässt die Baracken, Bunker und Garagen abreißen und renaturiert das Lagergelände in einen Erholungswald.

Als die Gefangenen Ende der 40er Jahre wieder freigelassen waren, war es das Aus für das Lager – und der Anfang für den Wald. Einige Gebäude wurden abgerissen, andere brannten ab. Die Stadt sammelte Schuttreste ein, entsiegelte die Teer- und Betonstraßen, die heute Waldwege sind, und forstete auf. Wo heute Kinder spielen, Erwachsene joggen, Rentner spazieren gehen – und kaum einer von ihnen weiß, auf welchem Pfad der Geschichte sie gerade wandeln.

Der Plan der Stadt ist aufgegangen: „Die Kleine Seelhorst ist das Beispiel für eine sinnvolle und erfolgreich vollzogene Umwandlung eines ehemaligen Lagers in einen Erholungswald“, heißt es in einer Broschüre. Begraben liegt aber auch die Vergangenheit. Mayer sagt: „Für all das, was hier war, müsste zumindest eine Gedenktafel aufgestellt werden.“

Mehr über Lost Places in Hannover

Von Josina Kelz

Seit 20.18 Uhr an diesem Freitagabend ist der Landwehrkreisel für eine Bombensondierung in die meisten Fahrtrichtungen gesperrt – schon am frühen Morgen hatte es einen langen Stau gegeben. Der Grund: Wegen Vorarbeiten ist der Kreisel in Richtung Südschnellweg nur einspurig befahrbar.

31.01.2020

Nachhilfe – ja oder nein? Vor dieser Frage stehen nach der Ausgabe der Halbjahreszeugnisse am Freitag wieder viele Eltern. Die NP sprach mit Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbands Niedersachsen darüber, was jetzt noch sinnvoll ist und was nicht.

31.01.2020

Die finale Abstimmung fehlt noch, doch im Frühjahr soll die neue StVO gelten. Dann dürfen Autofahrer Radfahrer nur noch in einem Abstand von 1,50 Metern überholen. Dies käme an einigen Stellen in Hannover einem Überholverbot gleich.

31.01.2020