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Meine Stadt Lehrerin aus Hannover zurück aus der Arktis
Hannover Meine Stadt Lehrerin aus Hannover zurück aus der Arktis
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09:46 19.11.2019
Auf der Eisscholle: Friederike Krüger im roten Schneeanzug – im Hintergrund ist das Begleitschiff „Akademik Fedorov“ zu sehen. Quelle: Mario Hoppmann
Hannover

Fünf Wochen lang hat Friederike Krüger (28), Lehrerin der IGS Bothfeld, die „Mosaic“-Expedition des Forschungsschiffs „Polarstern“ begleitet. Es ist die größte Arktis-Expedition der Geschichte, die erst im Sommer 2020 enden wird. Die Erdkundelehrerin reiste an Bord des russischen Begleitschiffs „Akademik Fedorov“ mit. Inzwischen ist sie zurück von der Expedition, mitgenommen hat sie unvergessliche Erfahrungen.

Zwei Sorgen hatten die 28-Jährige vor Antritt ihrer Reise am 20. September im norwegischen Tromsø am meisten beschäftigt: „Werde ich seekrank? Und verliere ich mein Gepäck? Und beides ist passiert“, erzählt Krüger. Rückblickend kann sie darüber lachen. „In dem Moment war das aber ziemlich ätzend. Erst in allerletzter Sekunde ist mein Gepäck, das am Frankfurter Flughafen hängen geblieben ist, doch noch angekommen.“ Nachdem sie sechs Tage später die ersten Mini-Eisberge erreichten – „es war kein krasses ins-Eis-brechen, sondern ein sanftes Reinrauschen“ –, seien die Wellen schlagartig ruhiger geworden. „Damit war zum Glück auch meine Seekrankheit vorbei“, so Krüger.

230 verschiedene Eisschichten

Auch davon hat Krüger jede Menge gesehen: Eisbären. Quelle: privat

Das Eis, um dessen Erforschung sich bei der „Mosaic“-Mission nahezu alles dreht, übte auf Friederike Krüger während der Reise die größte Faszination aus. „Es gibt 230 verschiedene Eisschichten, abhängig von Alter und Dicke. Mal ist es eher matschig wie ein Slush-Eis, dann wiederum meterdick“, schildert sie. Auch sei Eis nicht einfach weiß – „es hat viele verschiedene Farben. Es ist beeindruckend, wenn man daran vorbeifährt und sich das Eis ständig verändert.“

Doch beunruhigend sei die Erkenntnis gewesen, dass das Eis inzwischen „sehr dünn, porös und brüchig und insgesamt in einem sehr schlechten Zustand“ sei, so die Lehrerin: „Das hat die Suche nach einer geeigneten Scholle, an der die ’Polarstern’ sich festfrieren lassen konnte, um ein Jahr durch die Zentralarktis zu driften, erschwert.“ So habe es mehrere Tage gedauert, bis man endlich auf Eisschollen gestoßen sei, die dick genug gewesen seien, um Menschen und schwere Messstationen zu tragen. Erfahrene Polarforscher im Team hätten sogar von einem „ganz starken Wandel“ in der Arktis gesprochen. „Jedes Jahr friert um ein Viertel weniger zu als noch vor vielen Jahren“, hat die Hannoveranerin erfahren.

Die zunehmende Dunkelheit ist anstrengend

Sehr beeindruckend sei der Moment gewesen, als sie zum ersten Mal eine Eisscholle betreten durfte. Gleich dreimal hatte sie dazu während ihrer Reise die Gelegenheit. Zwischen einer knappen und drei Stunden hätten diese Ausflüge jeweils gedauert. Als Schutz vor den eisigen Minusgraden trug Krüger, so wie alle Teilnehmer der Expedition, einen dicken roten Schneeanzug. „Man spürt die Kälte vor allem im Gesicht und an den Händen. Aber es war tatsächlich nicht so kalt, wie ich es erwartet hatte.“ Deutlich anstrengender sei die zunehmende Dunkelheit gewesen. Krüger: „Das raubt einem echt die Energie und macht schnell müde.“ Den Eisbärenmüttern und ihren Kinder, die Friederike Krüger vom Schiff aus gleich mehrfach beobachten konnte, fühlen sich in dieser unwirtliche Region hingegen sichtlich wohl. „Obwohl man kein Kind mehr ist, ist es toll, diese starken Tiere einmal in freier Wildbahn zu sehen. Wir Menschen sind für ein Leben in der Arktis eigentlich nicht gemacht, aber diese Tiere sind dort glücklich und finden scheinbar spielend leicht unter den Schollen eine Robbe zum Fressen.“

Ihre Schüler stellen kritische Fragen

Bei allen Schritten, ob an Bord des Schiffes oder auf dem Eis, hatte die IGS-Lehrerin zwei Dinge immer bei sich: „Meine Kamera und ein Mikrofon. Ich habe Tausende Bilder gemacht und viele Videoclips aufgenommen, wollte das Brechen des Eises genau festhalten, mir die Arbeit der Forscher kindgerecht erklären lassen.“ Seitdem die 28-Jährige von ihrer Reise zurückgekehrt ist, muss sie nicht nur viele Fragen ihrer Schüler beantworten. „Die Kinder interessiert natürlich, ob ich wirklich Eisbären gesehen habe, sie fragen aber auch kritisch, ob mit einer solchen Expedition der Klimawandel nicht zusätzlich angekurbelt wird“, so Krüger. Aus dem, was sie in der Arktis gesehen und erfahren hat, erstellt sie nun Unterrichtsmaterial. Ihren Fokus legt sie dabei auf die Arbeit der Forscher. Den Unterrichtsstoff will sie anderen Pädagogen – in verschiedenen Sprachen – kostenlos zur Verfügung stellen. Dazu wird es bald auf der Internetseite des „Mosaic“-Expedition eine eigene Rubrik geben.

Und auch wenn die Arktis-Expedition „viel zu schnell vergangen“ ist, steht eines für Friederike Krüger schon jetzt fest: „Es ist sicher nicht das letzte Mal gewesen, dass ich mal etwas völlig anderes entdecken werde. Das ist nicht nur für mich, sondern auch für meine Schüler sehr bereichernd, wenn man als Lehrer mal über den Tellerrand schaut.“

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Von Britta Lüers

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