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Meine Stadt Hannover: Ladendieb muss ins Gefängnis
Hannover Meine Stadt Hannover: Ladendieb muss ins Gefängnis
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13:16 28.12.2018
VERURTEILT: Ulikson N. wurde wegen Diebstahls zu einer Haftstrafe verurteilt (li. Anwalt Christian Neumann).
VERURTEILT: Ulikson N. wurde wegen Diebstahls zu einer Haftstrafe verurteilt (li. Anwalt Christian Neumann). Quelle: Thomas Nagel
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HANNOVER

Für die nächsten sechs Monate hat Ulikson N. (25) ein Dach über dem Kopf und täglich eine warme Mahlzeit. Für den obdachlosen Mann aus Albanien war das bislang keine Selbstverständlichkeit. Und er hat ein paar Schuhe, die er auch behalten darf. Der Angeklagte wurde am Freitag im letzten Strafverfahren des Jahres 2018 im Amtsgerichts Hannover zu sechs Monaten Haft verurteilt. Er hatte sich des gewerbsmäßigen Diebstahls schuldig gemacht.

Im sogenannten beschleunigten Verfahren hatte Richterin Gudrun Gundelach es zum dritten Mal mit Ulikson N. zu tun. Am 22. Dezember 2017 wurde er wegen Diebstahls von Pistazien und einer Dose Red Bull zu einer Geldstrafe verurteilt. Sechs Tage später gab es eine Bewährungsstrafe von drei Monaten. Der junge Mann hatte bei C&A zwei Jacken gestohlen.

Nun wurde er am Donnerstag bei Karstadt erwischt, wie er zwei Paar Nike-Sportschuhe und eine Mütze mitgehen ließ (Gesamtwert: 234,99 Euro). „Ich wollte die Sachen verkaufen. Ich brauchte Geld, weil ich nichts mehr zu essen hatte“, gestand er die Taten. Zwei Ladendetektive stellten den Dieb und nahmen ihm die Beute weg. Ulikson N. hatte dummerweise seine alten Schuhe in einen Karton gelegt. Wegen der Vielzahl der Kartons konnten die alten Treter nicht wiedergefunden werden. Erst in der Haftabteilung bekam er blaue Halbschuhe, die jetzt die seinen sind.

Im Mai 2016 reiste der Angeklagte nach Deutschland ein. Er beantragte Asyl, bekommt aber keine Leistungen mehr. Richterin Gundelach geht davon aus, dass das Asylverfahren längst beendet ist. Ulikson N. konsumiert nach eigenen Angaben Kokain. Auf der Anklagebank wirkt er unkonzentriert und fahrig. Richterin Gundelach glaubt, dass er seine Existenz als Kleindealer finanziert. „Der hannoversche Drogenmarkt floriert – auch dank albanischer Dealer.“ Da der Angeklagte keinerlei Sozialkontakte habe und einschlägig vorbestraft sei, bliebe als letzte Konsequenz nur das Gefängnis. Gundelach: „Wenn ich Sie freilasse, machen sie genauso weiter.“

Von Thomas Nagel