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Meine Stadt Laatzen: Section Control ist gestartet
Hannover Meine Stadt Laatzen: Section Control ist gestartet
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06:00 20.12.2018
Radarkontrolle: Ab sofort wird auf der Bundesstraße 6 in Laatzen mit einer „Section Control“-Anlage geblitzt. Innenminister Boris Pistorius (kleines Bild) eröffnete sie gestern. Quelle: Foto: Treblin, dpa
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LAATZEN

Auf der Bundesstraße 6 zwischen Laatzen und Gleidingen blitzt es ab sofort: Am Mittwoch wurde bundesweit die erste Sec­tion-Control-Anlage als Pilotprojekt in Betrieb genommen. Auf einem Streckenabschnitt von rund 2,2 Kilometern wird ab sofort die Geschwindigkeit gemessen (siehe Info). Erlaubt sind dort 100 Kilometer pro Stunde.

Eigentlich sollte die Anlage bereits vor drei Jahren in Betrieb gehen: Bedenken beim Datenschutz und eine lange Sicherheitsprüfung sorgten für die Verzögerung. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sprach beim Start von einem „neuen, vielversprechenden An­satz für mehr Verkehrssicherheit“. Die punktuelle Messung sei bei einer Häufung von Unfällen wegen zu hoher Geschwindigkeit nicht optimal geeignet: „Da der Fahrer jedes Mal abbremst und jedes Mal wieder be­schleunigt, wenn er die Ka­mera sieht, entstehen zu­sätzliche Gefährdungen.“ Section Control sorge dage­gen für eine Einhaltung der Geschwindigkeit auf dem Abschnitt, wodurch die Verkehrssicherheit nachweislich erhöht werde.

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Der betroffene Streckenabschnitt zählt zu den Unfallschwerpunkten in der Re­gion. Regelmäßig gebe es dort viele Unfälle wegen zu hoher Geschwindigkeit, so der Minister. Heiner Bartling, Präsident der Landesverkehrswacht, verspricht sich von der Abschnittsmessung „eine generelle Verhaltensänderung bei den Verkehrsteilnehmern, indem sie gleichmäßiger und gelassener unter Beachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit fahren“.

Doch es gibt auch Kritik: Die Piraten kündigten bereits an, eine Unterlassungsklage beim Verwaltungsgericht einzureichen. Eine verdachtslose Massenerfassung unbescholtener Autofahrer sei inakzeptabel, heißt es in einer Mitteilung. Zudem würden selbst erhebliche Ge­schwindigkeitsüberschreitungen folgenlos bleiben, wenn an anderer Stelle langsamer gefahren werde. Pistorius dazu: „Jeder kann sicher sein, dass alles getan wurde, um Datenschutz und Verkehrssicherheit zu gewährleisten.“ Beim Ein- und Ausfahren in die Zone werde ein verpixeltes Foto vom Kennzeichen gemacht. Nur, wenn die Geschwindigkeit zu hoch war, wird das Foto entpixelt und ein Verstoßfoto vom Fahrer ge­macht: „Alle anderen Fotos werden sofort gelöscht.“

Ab dem 14. Januar werden die Verstöße zur Anzeige gebracht – bis dahin werden lediglich technische Abläufe geprüft. Das Pilotprojekt endet am 30. Juni 2020. Für einen anschließenden Regelbetrieb ist noch eine Gesetzesänderung nötig. Diese ist nach Angaben vom Innenministerium bereits im Niedersächsischen Polizeigesetz vorgesehen. Patrick Breyer (Piraten) kritisiert: „Ich sehe keine Zuständigkeit des Landtages für die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten.“

In anderen europäischen Ländern gibt es bereits solche Abschnittskontrollen. In Niedersachsen ist bislang keine weitere Anlage geplant, da zunächst das Pilotprojekt abgewartet werden soll. „Wenn sich das bewährt, kann ich mir vorstellen, dass es auf anderen Abschnitten so etwas Ähnliches auch geben wird“, sagt Pistorius. Aus anderen Bundesländern gebe es bereits Anfragen, so Uwe Urban, Projektleiter bei der Jenoptik Robot GmbH, die die Anlage gebaut hat. Die Kosten für das Projekt – etwa 450 000 Euro – trägt die Polizei Niedersachsen.

So wird gemessen

Bei einer Section-Control-Anlage wird beim Ein- und beim Ausfahren das Kennzeichen des Fahrzeugs verpixelt fotografiert und die Geschwindigkeit in dem jeweiligen Streckenabschnitt gemessen. Ein Spurwechsel ist dabei unerheblich.

Aus der zurückgelegten Zeit und der geeichten Strecke von 2183 Metern wird eine Durchschnittsgeschwindigkeit berechnet. Ist diese zu hoch, wird, wie bei punktuellen Radarfallen, an­schließend ein Foto vom Fahrer gemacht und der Verstoß geahndet. Hat der Fahrer die vorgeschriebene Geschwindigkeit eingehalten, werden die verpixelten Fotos der Kennzeichen umgehend gelöscht. Die Grenzen sowie die Toleranz zur Überschreitung der Geschwindigkeit liegen im gleichen Bereich wie bei gewöhnlichen Blitzern.

Bei dem Pilotprojekt zwischen Laatzen und Gleidingen ist die Anlage in Fahrtrichtung Hannover aufgestellt. Anders als bei ge­wöhnlichen Blitzern ist es nicht möglich, die Geräte umzudrehen und bei Bedarf in die andere Richtung zu messen.

Von Cecelia Spohn