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Meine Stadt So viel Polen steckt in Hannover
Hannover Meine Stadt So viel Polen steckt in Hannover
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07:00 14.06.2019
Sport verbindet: Der SC Polonia wurde von polnischstämmigen Sportlern gegründet – inzwischen kicken in der Mannschaft aber auch Fußballer aus anderen Nationen mit. Quelle: Florian Petrow
Hannover

„Wszystkiego Najlepszego“ – alles Gute zum Geburtstag! Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hannover feiert am Freitag mit einem Festakt im Freizeitheim Vahrenwald ihr 40-jähriges Bestehen. Eine Feier, die auch dafür steht, dass die polnischstämmigen Bürger und ihre Kultur aus der Landeshauptstadt nicht mehr wegzudenken sind. Vom Sportverein bis zur Folkloregruppe, vom Feinkostladen bis zum Kirchenchor – die NP ging der Frage nach: Wie viel Polen steckt eigentlich in Hannover?

Laut der aktuellen Erhebung (Stand 31. Dezember 2018) leben in Hannover 8192 Polen. Damit bilden sie hinter den türkischen Einwohnern die zweitgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe der Stadt. Hinzu kommen aber noch mal 11 565 Deutsche mit zusätzlicher polnischer Staatsangehörigkeit. Gemeinsam bringen sie sich seit Jahrzehnten auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Zusammenlebens ein.

Beim SC Polonia verbindet Sport Kulturen

„Sport verbindet“ ist etwa das Motto beim SC Polonia. Im Jahr 2000 von zehn Sportlern mit polnischem Migrationshintergrund gegründet, zählt der Verein mittlerweile rund 140 Mitglieder. Die Fußballer gehen in der 2. Kreisklasse sowie in den Senioren-Kreisligen (Ü40 und Ü50) auf Torejagd. Neben polnischstämmigen Kickern spielen hier mittlerweile auch Deutsche, Iraner und Russen. „Bei uns ist jeder willkommen“, sagt Patrycja Boeheim, stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Das gilt auch für die übrigen Sparten: Leichtathletik Tischtennis, Tennis, Volleyball und Radsport. Auch in Sachen Kultur und Traditionspflege ist der SC Polonia aktiv. Regelmäßig finden im Vereinsheim Sportlerbälle statt. Auch Veranstaltungen zu polnischen Nationalfeiertagen wie dem „Andrzejki-Tag“ oder das traditionelle Oblatenfest sind immer gut besucht. Zudem kümmern sich die Mitglieder um die Integration von neu zugezogenen Landsleuten. „Wir helfen beispielsweise als Übersetzer bei Behördengängen“, so Boeheim.

Austauschprogramme an vielen Schulen

Auch Schulen pflegen den kulturellen Austausch. Seit 25 Jahren besteht etwa an der Albert-Einstein-Schule in Laatzen ein Programm mit dem 15. Liceum in Breslau. Erst im Mai waren 14 Schüler des polnischen Gymnasiums zu Gast in Laatzen. Am Geschwister-Scholl-Gymnasium läuft seit 2020 eine Partnerschaft mit einer Schule in Garbsens Partnerstadt Wrzesnia. Die Leibnizschule besucht regelmäßig Partnerschulen in Warschau, und die IGS Roderbruch betreibt seit 2017 ebenfalls ein Austauschprogramm mit einem Gymnasium in Breslau.

Austauschprogramm: Schüler der Albert-Einstein-Schule in Laatzen und eines Gymnasiums in Breslau beim gemeinsamen Grillen. Quelle: privat

Krakauer, Pyrogen und Bigos sind ein Renner

Kultur geht auch durch den Magen. Wer die Spezialitäten der polnischen Küche kennenlernen möchte, wird unter anderem im Delikatessen-Geschäft „Mak“ in der Nordstadt fündig. Am Engelbosteler Damm bieten Teresa und Roman Bemowski mehr als 1000 ausschließlich polnische Lebensmittel an. „Wir haben das Geschäft 2015 übernommen, polnische Lebensmittel werden hier schon seit 2004 verkauft“, sagt Roman Bemowski. Doch längst kaufen hier nicht nur Polen gerne ein. „Unsere Kundschaft ist kunterbunt gemischt“, sagt der gebürtige Danziger, der vor 37 Jahren als Vierjähriger nach Hannover kam. An der Wursttheke gibt es ausschließlich heimische Spezialitäten, direkt aus Polen importiert – von der echten Krakauer, die wie eine Salami mit Brot gegessen wird, bis hin zu schlesischer Weißwurst. Die Pyrogen, Maultaschen mit verschiedenen fleischlosen Füllungen, stehen besonders bei Vegetariern hoch im Kurs. Und wenn der Chef einmal in der Woche einen großen Topf Bigos (Eintopf mit Weißkohl, Sauerkraut und Fleisch) kocht, ist alles ruck, zuck ausverkauft. Typisch polnisch geht es auch im Getränkeregal zu. Der Renner ist aktuell ein Wodkalikör mit Haselnussaroma. „Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass der lecker ist“, vermutet Roman Bemowski.

So isst man polnisch: Im Feinkost-Geschäft Mak von Teresa Bemowski gibt es ausschließlich polnische Delikatessen. Quelle: Florian Petrow

Kirche, Chor und Folklore

Was die meisten Polen eint, ist der katholische Glaube. In Hannover treffen sie sich in der Polnischen Katholischen Mission zum Gebet. Von Mitgliederschwund und leeren Kirchenbänken ist hier keine Rede. „Zu den Gottesdiensten kommen bis zu 3000 Menschen“, sagt Pfarrer Tadeusz Kluba nicht ohne Stolz. 50 500 Gemeindemitglieder verteilen sich auf ein Einzugsgebiet, das bis nach Hildesheim, Hameln und Bückeburg reicht. In Hannover ist das Gemeindezentrum gleichzeitig Heimat von Vereinen und Gruppen. Der Trachtenverein Polonia ist hier ebenso zu Hause wie die Kinderfolkloregruppe Lajkonik und der Kirchenchor Cantate Domino. Polnischkurse für Kinder und Erwachsene sind gut besucht. Dazu bietet die Mission Polnischkurse für Kinder und Erwachsene an, die gut besucht sind. „Wir sehen uns als Brücke zwischen der polnischen und der deutschen Kultur“, sagt Pfarrer Kluba. „Wobei unsere Kulturen gar nicht so weit auseinander liegen.“ Hannover ist dafür zweifellos ein gutes Beispiel.

Religiöser Mittelpunkt: Zu den Gottesdiensten von Pfarrer Tadeusz Kluba kommen bis zu 3000 Menschen in die Polnische Katholische Mission. Quelle: Frank Wilde

Von André Pichiri

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