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Meine Stadt Kritik an Hanebuth-Einladung zum Filmfest in die Eisfabrik
Hannover Meine Stadt Kritik an Hanebuth-Einladung zum Filmfest in die Eisfabrik
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18:04 16.08.2018
SORGT FÜR DISKUSSIONEN: Rockerchef Frank Hanebuth ist als „Motorradenthusiast“ zur Vorführung des Filmklassikers „Easy Rider“ eingeladen worden. Quelle: Foto: Schaarschmidt
Hannover

Ein paar heiße Öfen hat er sicherlich, aber ist Rockerchef Frank Hahnebuth auch ein „cooler Junge“? Die Einladung der hannoverschen Milieugröße als „Motorradenthusiast“ zur Vorführung des Filmklassikers „Easy Rider“ in der Eisfabrik schlägt kommunalpolitisch hohe Wellen.

Hanebuth wird vom Veranstalter, dem Programmkino Lodderbast als „eines der berühmtesten Kinder Hannovers“ angekündigt und soll die Diskussion vor der Filmvorführung ganz offensichtlich beleben. Überraschenderweise sind es ausgerechnet die Grünen, die sich als erste aus der politischen Ecke über diese Einladung aufregen.

Der kulturpolitische Sprecher der Grünen Ratsfraktion, Daniel Gardemin, vermisst Fingerspitzengefühl bei der Gästeauswahl, insbesondere in der derzeitigen sensiblen Phase der Bewerbung zur Kulturhauptstadt. Denn da stehe „das kulturpolitische Profil der Stadt Hannover unter besonderer Beobachtung.“

Das bestehe aber offenbar vor allem im Opernbesuch mit Sekt trinken in der Pause, vermutet Lodderbast-Betreiber Johannes Thomsen. Er wolle gar nicht die Person Hanebuth verteidigen. Aber die Einladung habe genau das bewirken sollen, was sie auch erreicht hat: Eine Diskussion anregen. „Wir wollen den Kulturbetrieb aufrütteln. Der ist zu behäbig, zu wenig kritisch, zu wenig böse.“

Eine Haltung, die nicht jeder teilt. Während Gardemin schon eine Überprüfung der Förderrichtlinien ins Gespräch bringt, hat sein Parteifreund, der stellvertretende Bezirksbürgermeister Südstadt-Bult, Ekkehard Meese, gleich seine Mitgliedschaft im Förderverein der Eisfabrik gekündigt. Das Kulturzentrum indes verwehrt sich in einer Stellungnahme gegen derartige Angriffe: „Die Kunst ist frei – nicht vereinnehmbar und schon gar nicht erpressbar“, heißt es dort. „Kunst darf unbequem, subversiv, verstörend und konfrontierend sein. Sie darf sich positionieren und auch Tabus brechen, um die Wachheit jedes einzelnen im Zusammenleben zu schärfen.“

Von Andreas Krasselt