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Meine Stadt Immer mehr Fälle von Krätze in Hannover
Hannover Meine Stadt Immer mehr Fälle von Krätze in Hannover
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08:14 18.04.2019
Krätze kann bei Kindern und Säuglingen Gesicht, Hand- und Fußsohlen befallen. Quelle: Shutterstock/Donya
Hannover

Schon der Name dieser Krankheit lässt wenig Gutes vermuten: Krätze. Jahrelang war es eher still um diese Erkrankung, die im Medizin-Jargon auch Skabies heißt. Doch die Gesundheitsämter registrieren immer mehr Fälle von Krätze. Auch in der Region Hannover sind die Zahlen der Erkrankten rapide gestiegen, aktuell gibt es Krätze-Fälle in einer Burgdorfer Kindertagesstätte.

„Die Zahl der gemeldeten Krätzefälle hat regionsweit wie auch in ganz Deutschland zugenommen. Im Jahr 2018 gab es in 371 Einrichtungen in der Region Hannover insgesamt 542 Fälle von Krätze“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann auf NP-Anfrage. Ein Jahr zuvor trat die Krankheit noch 400-Mal in 216 Einrichtungen, im Jahr 2016 148-Mal in 69 Einrichtungen. Und im Jahr 2015 wurden dem regionalen Gesundheitsamt lediglich 32 Fälle von Krätze in 22 Einrichtungen gemeldet.

Die Skabies-Milbe (kl. Bild links) ist der Parasit, der die Hautkrankheit verursachen. Quelle: dpa

Zum Hintergrund: Erst seit der Anpassung des Infektionsschutzgesetzes im Juli 2017 besteht eine Melde-Pflicht für Krätze-Fälle auch in Alten- und Pflegeheimen, Obdachlosenunterkünften, Gefängnissen und Flüchtlingsunterkünften. Zuvor galt die Meldepflicht lediglich für Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche betreut werden – von Krippen über Schulen bis zu Kinderheimen. Krätze kommt vor allem an Orten vor, an denen sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten, wie etwa in Kliniken, Kindergärten oder Altersheimen. Mit mangelnder Hygiene hat Skabies nichts zu tun. Allerdings müssen niedergelassene Ärzte Fälle von Krätze nicht melden. Die Dunkelziffer dürfte also heute wie auch in der Vergangenheit noch viel höher ausfallen.

Zahlen für das Land gibt es nach Angaben von Holger Scharlach, Sprecher des Landesgesundheitsamtes, nicht, da keine allgemeine Meldepflicht bestehe. „Wir beraten aber die kommunalen Gesundheitsämter zum Vorgehen bei Ausbrüchen und Einzelfällen. Und daraus ergeben sich für uns deutliche Hinweise darauf, dass die Krätze-Erkrankungen in den letzten Jahren stark zugenommen haben“, erläutert der Behördensprecher.

Das sind die Krätze-Symptome

Die Krätze, medizinisch als Skabies bezeichnet, ist eine ansteckende Hauterkrankung, die durch Parasiten verursacht wird. Die Milben sind mit bloßem Auge kaum sichtbar. Die winzigen Krätzmilben graben sich in die obere Hornschicht der Haut ein, wo sie sich vermehren. Danach graben die befruchteten Weibchen kleine Gänge unter der Haut – die Männchen sterben. Die Weibchen bleiben bis zu 60 Tage lebens­fähig. Aus ihren Eiern schlüpfen nach drei Tagen Larven, die an die Haut­ober­fläche aus­schwärmen, dort ge­schlechts­reif werden.

Typische Symptome der Krätze sind starker Juckreiz. Die Haut ist gerötet und schuppig. Krätzmilben bevorzugen warme Hautregionen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt Krätze auch auf dem Kopf und den Hand- und Fußflächen vor. Skabies wird durch Hautkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Um sich anzustecken, muss der Kontakt über einen ausreichend langen Zeitraum stattfinden – ein kurzer Händedruck reicht nicht. Erkrankungen häufen sich in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas oder Pflegeheimen. Mit Cremes lässt sich Skabies bekämpfen. Zudem sollten Betroffene auf Hygiene achten: Nägel schneiden und Bettwäsche und Handtücher bei 60 Grad waschen.

Mehrere Verdachtsfälle in der Region

Gleich mehrere Verdachtsfälle auf Krätze gab es in der vergangenen Woche in einer Burgdorfer Kindertagesstätte. Abelmann sagt dazu: „Ich kann das derzeit nicht bestätigen.“ Auf Nachfrage erfuhr die NP in der Betreuungseinrichtung: „Ja, es stimmt, dass es mehrere Kinder in unserer Einrichtung gibt, die möglicherweise an Krätze erkrankt sind.“ Die Eltern aller anderen Kinder seien informiert worden, man habe den Kindergarten intensiv desinfiziert. „Wir haben alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um eine Ausbreitung zu verhindern“, heißt es weiter. Inzwischen sollen die betroffenen Kinder wieder in der Kita sein. Eltern aus der Burgdorfer Kita berichten unterdessen, dass der behandelnde Kinderarzt die Krätze offenbar zunächst nicht erkannt habe. Die Kinder seien daraufhin trotz Symptomen zunächst weiter in die Kita gegangen.

Doch genau das ist immer häufiger der Grund, sagen Dermatologen, warum die Krätze in Deutschland deutlich auf dem Vormarsch ist. Die Skabies-Milbe arbeite immer unauffälliger, die Symptome ähneln einem Hautekzem. So dauert es oft länger bis die richtige Diagnose gestellt wird und die Behandlung der Krankheit beginnen kann. Wertvolle Zeit, in der die Erkrankten bei längerem Hautkontakt andere infizieren können.

Über 200 Prozent mehr Masernfälle als im Vorjahr

Nicht nur Krätze ist in Hannover und Niedersachsen auf dem Vormarsch. Besonders alarmierend waren im März dieses Jahres zahlreiche Masern-Ausbrüche im Land sowie in Hannover. Die Debatte darüber, ob eine Impfpflicht eingeführt werden soll, dauert weiter an.

„Bislang gab es seit Jahresbeginn 58 Fälle von Masern in Niedersachsen, allein 33 Fälle davon im Landkreis Hildesheim“, sagt Holger Scharlach, Sprecher des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes. Besonders betroffen war dabei die Hildesheimer Oskar-Schindler-Gesamtschule sowie andere weiterführende Schulen in der Bistumsstadt. Mehr als 100 Schüler, Lehrer und andere Mitarbeiter durften die betroffenen Schulen nach Kontrollen wegen des fehlenden Impfschutzes zeitweise nicht betreten. Auch an der Döhrener Grundschule Suthwiesenstraße hatte sich ein Kind mit Masern infiziert, die Gesundheitsbehörde kontrollierte daraufhin den Impfstatus der Schüler. Das Ergebnis: Sechs Kinder waren gar nicht, vier nur unzureichend gegen Masern immunisiert.

Während es in diesem Jahr allein im ersten Quartal 58 Masernfälle in Niedersachsen gegeben hat, habe es im gesamten Vorjahr nur 18 Masern-erkrankungen gegeben, so Scharlach. Das ist ein Anstieg von weit über 200 Prozent.

Bei anderen Krankheiten beobachte das Niedersächsische Landesgesundheitsamt derzeit keinen Anstieg, so Scharlach. Aktuell gehe die Influenza-Welle dieses Jahres allmählich zu Ende. „Bei der Grippe handelt es sich jedes Jahr um ein saisonales Geschehen, weil die Erkrankung immer im Zusammenhang mit dem Winterwetter steht“, erklärt der Sprecher. Im Jahr 2019 habe es weniger Grippe-Erkrankungen in Niedersachsen gegeben als im Vorjahr. Es sei dennoch eine „kräftige Influenza-Saison“ gewesen. 

Von Britta Lüers

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