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Meine Stadt Kosten für Lernort explodieren; Investor droht mit Baustopp
Hannover Meine Stadt Kosten für Lernort explodieren; Investor droht mit Baustopp
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20:09 26.04.2018
WIRD TEUER: Ins Rathauskontor, ehemals VHS, soll der Lernort einziehen.
WIRD TEUER: Ins Rathauskontor, ehemals VHS, soll der Lernort einziehen. Quelle: Foto: Heusel
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Hannover

 Begeisterung sieht anders aus. Zähneknirschen hat die Ampel (SPD, grüne und FDP) im Verwaltungsausschuss Mehrausgaben in Höhe von 867 000 Euro zugestimmt. Das Geld fließt in die Einrichtung eines Lernorts zur Geschichte des Nationalsozialismus. Ohne Zahlung bis Ende April hatte Investor Gregor Baum als Vermieter des Rathauskontors mit Baustopp gedroht.

 Ursprünglich waren nur 330 000 Euro für den Ausbau eingeplant und nur Büros und Lagerfläche vorgesehen. Jetzt aber explodieren die Kosten. Die Ausstellungsräume setzen den Einbau einer Lüftungsanlage und Heizung voraus, die allein mit 550 000 Euro beziffert ist.

Der Lernort soll vor allem Schülern die Geschichte des Nationalsozialismus in Hannover nahebringen. Auf 600 Quadratmetern werden in der ehemaligen VHS Zeitdokumente ausgestellt. Den Bau hatte Baum der Stadt abgekauft und aufwendig sanieren lassen. Die Stadt mietet die Büroräume und gibt Geld für den Ausbau des Lernorts. dass der dort einziehen soll, ist bekannt seit der Beschlussfassung des Rates im vergangenen Jahr.

In der vertraulichen Sitzung fragte die CDU nach, wer für den neuesten Missstand verantwortlich ist. Erst kürzlich ist bekannt geworden, dass die geplante Brandschutzsanierung des Sprengel Museums um das Dreifache steigt. Auch diesmal gerät offenbar Kulturdezernent Harald Härke in die Kritik. Es hätte ihm doch klar sein müssen, dass Ausstellungsräume besondere Voraussetzungen zu erfüllen haben, hieß es. Er habe offenbar gar nicht oder viel zu spät reagiert.

 Auf die hartnäckigen Fragen musste Sabine Tegtmeyer-Dette als für den Gebäudemanagement zuständige Dezernentin antworten. Härke war auf Dienstreise, nahm weder an der Sitzung des Verwaltungsausschusses noch an der des Rates (mit 86 Tagesordnungspunkten) teil. Auch das sorgte angesichts der Kostenexplosion für erheblichen Unmut.

Die CDU lehnte die Verteuerung ab. Warum Rot-Grün-Gelb zustimmte, erklärte einer der Beteiligten im Gespräch mit der NP als pragmatische Entscheidung. „Ein Baustopp wäre noch teurer geworden.“ Der Eigentümer hätte vielleicht Schadenersatz von der Stadt gefordert.

Von Vera König