Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Droht dem Opernball das Aus?
Hannover Meine Stadt Droht dem Opernball das Aus?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 10.01.2019
„Fluch der Karibik“ ließ grüßen: Der Opernball im vergangenen Jahr versprach „Heiße Nächte“. Oder ist schon bald die Luft raus? Quelle: Foto: Philipp Von Ditfurth
Anzeige
Hannover

Die Vorbereitungen für den Opernball laufen auf Hochtouren, in knapp zwei Monaten steigt das große, zweitägige Fest. Ob es aber auch im kommenden Jahr noch einen Ball geben wird, darüber schweigt die Oper – und die Sponsoren sind höchst irritiert.

„Es läuft das Gerücht, dass dies der letzte Opernball sein soll“, sagt Uwe Klingenberg, der Möbelfachmann für Designklassiker ist neben Audi einer der Hauptsponsoren. Er spricht das aus, was viele fürchten: „Das wäre für die Stadt eine Ka­tastrophe! Der Opernball ist das gesellschaftliche Highlight des Jahres. Wenn die neue Intendantin das wirklich auch nur überlegt, ist sie schlecht beraten.“

Anzeige

„Das muss die neue Intendantin sagen“

Der jetzige Intendant Michael Klügl ist ein großer Fan des Opernballes. Er aber geht zum Ende der Saison. Für ihn ist der kommende Opernball somit auch der letzte in seiner Amtszeit. Auf der Pressekonferenz zu den Vorbereitungen schwieg er sich zu der Frage, ob es auch 2020 wieder einen Ball geben würde, aus: „Das muss die neue Intendantin sagen.“

Klügls Nachfolgerin ist die Amerikanerin Laura Berman, die derzeit noch in Basel ist. Offiziell hat sie sich bisher nicht geäußert. Bermans Pressesprecherin Christiane Hein betont auf Nachfrage der NP: „Der Opernball ist eine ganz tolle Veranstaltung. Auch Frau Berman will, dass der Opernball erhalten bleibt. Wie das aber jetzt genau im nächsten Jahr sein wird, wird sie auf der Pressekonferenz Ende April be­kannt geben, wo sie auch ihre erste Spielzeit vorstellt.“

Immense Kosten

Ein Grund, warum die neue Intendantin noch zö­gert, dem Ball in seiner jetzigen Aufmachung so zuzustimmen, könnte sein, dass das Fest nach NP-Informationen ein großes Zuschussgeschäft ist. Die lange, einjährige Vorbereitungszeit, die immensen Kosten für die Kulissen, die Deko, der Schmuck, die Künstler und die zweiwöchige komplette Schließung des Hauses für den Auf- und Abbau sorgten für rote Zahlen.

Auch für Nicola Albrecht ist der diesjährige Opernball der letzte, bei dem sie die Produktionsleitung innehaben wird. Sie wirbt für Verständnis: „Da sich aber das alte Team auflöst, muss Laura Berman auch erst mal schauen, was sich bewährt hat und wie die Zeit reicht, einen neuen Ball zu organisieren.“ Es könne tatsächlich sein, dass man theoretisch auch mal ein Jahr aussetze.

„Wenn die Sponsoren erst einmal raus sind, dann sind sie weg“

Über Pausen mag Yorck-Oliver Bothe, Chef der Tanzschule Bothe, nicht nachdenken: „Der Opernball ist das kulturelle Highlight für Niedersachsen. Auch für die Jugend. Unsere Debütantinnen freuen sich jedes Jahr darauf. Das Konzept ist so stimmig, ich weiß nicht, warum man es umkrempeln sollte.“ Der Opernball habe auch nichts mit der künstlerischen Freiheit der Intendanz zu tun, so Bothe weiter. Auch aus persönlichen Gründen mag er nicht an eine Auszeit denken: „Mein Vater hat vor 30 Jahren zusammen mit Dietmar Althof und dem damaligen Intendanten Hans-Peter Lehmann den Opernball gegründet. Für ihn wäre das ein Schock.“ Uwe Klingenberg hält ebenfalls nichts von einem Aussetzen: „Man kann den hannoverschen Opernball nicht einfach pausieren lassen. Das wäre das Aus! Wenn die Sponsoren erst einmal raus sind, dann sind sie weg.“

Eine Tradition steht vermutlich schon beim jetzigen Opernball auf der Kippe: Noch in der Opernballnacht von Sonnabend auf Sonntag hatte sich bisher immer das Organisationsteam zusammengesetzt und das Motto für den nächsten Opernball beschlossen. Wenn aber bis zum Opernball nicht klar ist, ob und wann es wieder einen Ball geben wird und wer den dann organisiert, wird dieses Jahr vermutlich auch kein neues Thema gesucht.

Von Maike Jacobs