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Meine Stadt Kontrolle in Hannover: Fast jeder zweite Fernbus mit Mängeln
Hannover Meine Stadt Kontrolle in Hannover: Fast jeder zweite Fernbus mit Mängeln
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14:00 02.08.2019
Polizeiautos stehen am Zentralen Omnibus Bahnhof Hannover neben einem Reisebus des Anbieters Flixbus. Quelle: Christophe Gateau/dpa
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Hannover

Gewusel auf dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Hannover. Mitten im Sommerreiseverkehr drängen sich dort viele Menschen oft mit schwerem Gepäck. Aus allen Himmelsrichtungen kreuzen sich deutsche Fernbuslinien und Verbindungen, die ihr Ziel in entfernten Teilen Europas erst spät am nächsten Tag erreichen. Mehrere Polizeiwagen parken auf einer Freifläche am hinteren Ende dieses Drehkreuzes. Die Kontrolle der Beamten am Donnerstagnachmittag gilt den Bussen, ihren Fahrern und auch den Reisenden.

Technischer Zustand überprüft

„Die Lenkzeiten sind unser Hauptaugenmerk“, sagt Polizeioberkommissar Christian Berthold, der den Einsatz leitet. Ihre Fahrzeiten der vergangenen 28 Tage müssen die Busfahrer nachweisen können. Auch den technischen Zustand der Busse nehmen die Beamten in Augenschein, stichprobenartig werden auch die Papiere der Reisenden überprüft.

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Ein Polizist kontrolliert die Reifen an einem Fernreisebus. Quelle: Christophe Gateau/dpa

Kontrolle über das Laptop

Schon eine lange Fahrt hinter sich hat der rumänische Bus, der aus Konstanza am Schwarzen Meer kommend samt Gepäckanhänger in den Omnibusbahnhof einbiegt. Für die Überprüfung teilen die Polizisten sich auf. Ein Beamter nimmt auf dem Fahrersitz Platz, um den digitalen Fahrtenschreiber auszulesen, ein anderer geht durch den Mittelgang und sammelt die Ausweise der Reisenden ein. Am Laptop im Polizeibus kontrolliert er die Echtheit und schaut, ob alle zur Einreise berechtigt sind. Interessiert guckt ein kleines Mädchen aus dem Bus; für dieses geht es noch weiter bis zur Endstation Hamburg.

Stimmt das Profil noch an diesem Reisebus? Quelle: Christophe Gateau/dpa

180 Euro Bußgeld sind fällig

Oberkommissar Berthold inspiziert unterdessen die Frontscheibe auf Risse und grobe Schäden. Dann schaut er nach Zustand und Profil der Reifen und leuchtet mit einer kleinen Taschenlampe so gut es geht Richtung Bremsen. Alles ist in Ordnung - zumindest was die Technik angeht. Dass einer der Fahrer kurz darauf seine Visa-Karte hervorkramt, hat einen anderen Grund. Er hat schon bei einer der vorangegangenen Touren die Ruhezeiten nicht eingehalten. 180 Euro Bußgeld sind fällig. Je angefangener 30 Minuten, die ein Fahrer zu lange fährt, kostet es 60 Euro, wobei die Polizei anhand der ausgelesenen Daten auch berücksichtigen kann, ob der Bus zwischendurch lange Zeit in einem Stau feststand.

Auch Konzessionen werden gecheckt

Zu den Beamten hat sich eine Frau in Zivil gesellt. Für die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), einer der Konzessionsbehörden für den Fernbusverkehr, kontrolliert Anne Gottwald-Müller die entsprechenden Genehmigungen. „In einem der EU-Länder, durch die die Linie führt, muss die Genehmigung beantragt werden“, erklärt sie. In diesem Fall sichtet sie ein rumänisches Dokument. Der Schriftzug auf dem Bus deckt sich mit den Namen der genehmigten Subunternehmen für die Verbindung. Alles ist ok.

Ein Busfahrer zahlt in Bar eine Strafe wegen der Überschreitung der Lenkzeiten. Quelle: Christophe Gateau/dpa

1500 Euro Sicherheitsleistung nötig

Probleme beim Auslesen des Fahrtenschreibers haben die Polizisten währenddessen bei einem kroatischen Bus. Die auf einen Stick gezogenen Daten laden sich nicht auf den Polizeirechner herunter. Soll der Bus trotz der Unstimmigkeit nach Hamburg weiterfahren?, beraten die Polizisten. Dann klappt es doch mit der digitalen Technik - und für die beiden Fahrer wird es richtig teuer. Denn mit den Ruhezeiten haben sie es überhaupt nicht genau genommen. 1500 Euro Sicherheitsleistung für ein nun bevorstehendes Verfahren verlangen die Polizisten.

Busfahrer bleiben entspannt

Vordrucke werden ausgefüllt, und auf der Motorhaube des Polizeiwagens blättert einer der Busfahrer 1000 Euro in bar hin. „Der Fahrer hatte nicht mehr, da haben wir das genommen“, sagt Berthold. Die Busfahrer nehmen es gelassen. Mit offenen Schnürsenkeln steht einer der Männer neben den Beamten, der andere macht ein Selfie von sich und den großen Geldscheinen auf dem Polizeiwagen.

Ein Polizist kontrolliert am Zentralen Omnibus Bahnhof Hannover den Führerschein eines Busfahrers. Quelle: Christophe Gateau/dpa

Nach einer Übersetzungshilfe auf seinem Smartphone muss Berthold kurz darauf bei der Kontrolle eines Busses suchen, der von Köln nach Kiew unterwegs ist. Der Fahrer blickt auf das Handy und versteht, welches Dokument dem Beamten noch fehlt. Während Reisende große Koffer, einen neuen Flachbildfernseher und Taschen in den Bauch des Busses wuchten, hat Berthold eine Reihe Fahrtenscheiben - das ist noch die alte Technik - nebeneinander auf das Armaturenbrett des Busses gelegt. „Da muss man sich konzentrieren“, meint er und analysiert die Angaben auf den Papierscheiben. „Gut?“, fragt der Fahrer. „Gut“, antwortet Berthold, und die Fahrt Richtung Ukraine kann weitergehen.

Auch Reisende werden überprüft

Gar nicht gut endet eine Weile später die Fahrt für drei Reisende in einem Bus aus Prag. Zwei von ihnen sind mit gefälschten Papieren nach Deutschland eingereist, ergibt die Überprüfung der Ausweise, die anders als früher nicht mehr automatisch an der Grenze, nun aber hunderte Kilometer weiter in Hannover geschieht. Per Haftbefehl gesucht wird gar ein dritter Reisender. Verurteilt zu einer Geldstrafe hatte er die Summe nicht beglichen und muss nun ersatzweise in Haft.

Insgesamt stellt die Polizei bis zum Abend bei der Überprüfung bei 9 von 21 Bussen Mängel fest. Bei der Technik geht es meist um Kleinigkeiten, die meisten Ruhezeitverstöße der Fahrer sind nicht gravierend. Auch bei den 648 Fahrgästen werden stichprobenartig die Papiere geprüft. Außer den drei Aufgriffen im Bus aus Prag aber gibt es dieses Mal nichts Auffälliges.

Von dpa