Köritzhof: So marode ist Hannovers ältester Bauernhof tatsächlich
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Köritzhof: So marode ist Hannovers ältester Bauernhof tatsächlich

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12:08 09.10.2020
Der Köritzhof in Groß-Buchholz ist nach Angaben seines neuen Eigentümers in einem sehr maroden Zustand.
Der Köritzhof in Groß-Buchholz ist nach Angaben seines neuen Eigentümers in einem sehr maroden Zustand. Quelle: Behrens
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Hannover

Sechs Wochen nach der Versteigerung des denkmalgeschützten Köritzhofs, Hannovers ältestem Bauernhof, hat sich am Donnerstag erneut der Bezirksrat Buchholz-Kleefeld mit der Zukunft des Ensembles beschäftigt. Der neue Eigentümer, Immobilienkaufmann Karsten Bader, war vom Gremium eingeladen worden, um über seine Pläne zu informieren.

Dass Bader es ernst meint mit der Zukunft des Köritzhofes, bewies er unmittelbar nach der Zwangsversteigerung Ende August – für 455.000 Euro hatte er den Zuschlag erhalten, der geschätzte Verkehrswert lag lediglich bei 203.000 Euro. Es gehe ihm nicht nur um „ein reines Investment“, sagte er damals zur NP: „Wir wollen den historischen Geist erhalten, die Historie des Hofes wieder sichtbar machen, so viel alte Substanz wie möglich erhalten.“

100 Kubikmeter Müll aus dem Köritzhof entsorgt

Seinen Worten ließ er kaum 24 Stunden später erste Taten folgen: Ein Entrümpelungsunternehmen rückte an, Mitarbeiter holten wochenlang unzähligen Unrat aus den Gebäudeteilen. Alte Möbelstücke, Kleidung, Haushaltsgeräte, Lebensmittel, Einkaufswagen, Fernseher, Plattenspieler, Paletten mit Dachziegeln. Und sogar eine Urne sowie der Grabstein von Hans Köritz lagerten in einem der Räume.

Auch auf dem zugewucherten Grundstück fällten die Arbeiter Bäume, schnitten Büsche zurück. Damit wurde der Köritzhof nach vielen Jahrzehnten erstmals wieder von allen Seiten gut sichtbar. Bader sagte zu Wochenbeginn: „Wir haben bereits 100 Kubikmeter Müll entsorgt. Die Entrümpelung ist abgeschlossen, nun entkernen wir das Objekt. Als wir zum ersten Mal den Hof betraten, sah es einfach nur ekelig aus, es stank erbärmlich.“

So sieht der Köritzhof in Hannover derzeit noch aus von Innen und Außen

„Das Schlimmste ist das viele marode Holz“

Es ist eine Mammutaufgabe. Baders Bilanz nach den ersten Wochen als neuer Besitzer von Hannovers ältestem Bauernhof: „Der Köritzhof ist wirklich extrem marode, die letzten 40 Jahre haben ihm nicht gut getan. Man muss einfach sagen, dass die Vorbesitzer nicht gut mit diesem historischen Juwel umgegangen sind.“ Zahlreiche Balken sind vergammelt, Feuchtigkeit ist in fast alle Bereiche eingedrungen, Holzwürmer in den Dielen, ein Baum ins Haus gewachsen. „Das Schlimmste ist das viele marode Holz. Im Grunde steht das ganze Haus auf vergammelten Balken“, so Karsten Bader. Ist die Stabilität der Immobilie dadurch in Gefahr? „Das steht, würde ich als Laie sagen und droht nicht akut einzustürzen.“ Oberste Priorität sei nun, die Feuchtigkeit aus dem Haus zu bekommen, betont Bader: „Der Staub muss raus, die Luft rein. Der Hof muss wieder atmen können.“

Der Köritzhof in Groß-Buchholz

Der Köritzhof ist eine mehrteilige frühere Hofstelle im historischen Dorfkern von Groß-Buchholz. Zentrum der Immobilie ist ein im Jahr 1619 als Wohnwirtschaftsgebäude errichtetes Hallenhaus, das als das älteste datierte Bauernhaus in Hannover gilt. Zum Gebäudebestand des Köritzhofes gehört neben dem allein stehenden Hallenhaus ein Atelierhaus in Fachwerkbauweise mit einem verputzten Anbau. Die beiden Nebengebäude stammen vermutlich aus dem 19. Jahrhundert.

Das Ensemble steht unter Denkmalschutz. Immer wieder hatte die Denkmalpflege in der Vergangenheit die ehemaligen Eigentümer, eine Erbengemeinschaft mit einem Nachfahren des Erbauers, aufgefordert, dass sie der Erhaltungspflicht für das Baudenkmal nachkommen. Doch finanziell sahen diese sich dazu nicht in der Lage, zudem betrachteten sie die Forderung als wirtschaftlich unzumutbar.

Dennoch wollte Dieter Köritz stets die Hofstelle in Familienbesitz behalten. Vor drei Jahren verurteilte das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht die Erben wegen der Verweigerung eines Schadensgutachtens zur Zahlung eines Zwangsgeldes. Ende August dieses Jahres wurde der historische Köritzhof schließlich zwangsversteigert.

Wie viele historische Elemente gibt es noch im Köritzhof?

Mit jedem weiteren Tag lerne er das Gebäude besser kennen. In Kürze werde das bauhistorische Gutachten erstellt, die alten Baupläne seien digitalisiert worden. Bader: „Der Hof wurde seit seiner Erstehung sehr oft umgebaut, leider nicht immer fachmännisch. Mit dem Gutachten bekommen wir eine solide Grundlage, welche Gebäudeteile wirklich historisch sind, welche später dazukamen.“ Am Dienstag gab es bereits eine Begehung mit dem Denkmalschutz. Bader ist zuversichtlich: „Der Behörde ist sehr daran gelegen, den Köritzhof zu erhalten. Sie unterstützen uns in vielerlei Hinsicht.“

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Und wie soll der Hof in Zukunft genutzt werden? Bader sei gespannt und offen für die Vorschläge, die aus dem Bezirksrat kommen. „Ich persönlich kann mir gut vorstellen, dass wir hier eine Art Wohngemeinschaftsprojekt für ältere Menschen aus dem Stadtteil etablieren. Kein Altenheim, sondern Menschen, die noch alleine leben können und vielleicht den Hof aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Sie könnten die Geschichte hier wieder zum Leben erwecken.“

Von Britta Lüers