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Meine Stadt Knapp bringt die Technik zum Fliegen
Hannover Meine Stadt Knapp bringt die Technik zum Fliegen
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19:30 23.09.2014
Schrauber Markus Knapp mit einer selbstgebauten Drohne. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Die Worte erklingen ohne Pause, ohne Rhythmus. „Können Sie mich bitte durchlassen? Danke“, sagt die monotone Stimme. Es ist nicht Markus Knapp (43), der da spricht - sondern ein Roboter, den er gebaut hat. Dank seiner Programmierung kann dieser Hindernisse erkennen. Wände, Türrahmen, Beine. Dann leuchtet das Gerät von unten rot - und sagt seinen netten Satz.

Der Anfang von Knapps Roboterleidenschaft liegt ein bisschen in Sparsamkeit begründet. 2004 entdeckte er einen Roboter-Bausatz. Ein Alu-Gestell, darauf sollte ein Laptop - fertig. Kostenpunkt: 600 Euro. „Das kannst du selber billiger, und es macht mehr Spaß“, dachte er sich. Der Spaß hat sich bewahrheitet. Billiger wurde es nicht. „Das ist wie bei einem Oldtimer, an dem man schraubt“, erklärt Knapp. Hunderte Bauteile, Kabel und Werkzeuge haben sich in den vergangenen zehn Jahren in seinem kleinen Arbeitszimmer in der Südstadt angesammelt.

Das Roboterbasteln ist für ihn ein „supertoller Ausgleich“ zum Job. Knapp arbeitet bei der TUI, er ist dort IT-Fachmann, immer zur Stelle, wenn die Systeme spinnen: „Da mache ich den ganzen Tag Service. Es kommt nichts zum Anfassen raus.“ Beim Basteln ist das anders: „Man kreiert etwas, das macht Riesenspaß“. Manchmal, wenn „ich etwas Tolles geschafft habe“, sagt Knapp, luge er vor dem Zubettgehen noch einmal kurz ins Arbeitszimmer. Zufrieden mit sich und seiner Arbeit. Der Stolz des Bastlers.

Inzwischen bleiben die Kreationen von Knapp nicht mehr nur am Boden. Seine neueste Leidenschaft: Microcopter, kleine Fluggeräte. „Fliegen ist auch schön“, findet der Bastler. Das Gerät - der Laie würde es wohl Drohne nennen - nutzt Knapp selbstredend nicht zur Überwachung. Obwohl mit einer Kamera schöne Luftaufnahmen entstehen. Ihm geht es darum, dass seine Kreation überhaupt in die Luft steigt. Für ihn ist es „ein Riesenerfolgserlebnis, wenn man etwas hinbekommt“. Seine Herangehensweise: „Einfach ausprobieren.“ Zwar bastelt Knapp allein an seinen Robotern, aber der Austausch über die Geräte ist ihm wichtig. Seit einigen Jahren betreibt er im Internet einen Podcast, quasi eine Radiosendung zu dem Thema. Mehrere Tausend Menschen schalten ein. Und er hat ein Buch geschrieben. Darin erklärt er, wie jeder einen Roboter bauen kann: „Das hat zuletzt 80 Prozent meiner Freizeit eingenommen.“

Jetzt hat er wieder mehr Zeit. Und bald mehr Platz. Seine Frau und er ziehen in ein Reihenhaus in Limmer. Ein großes Arbeitszimmer ist fest eingeplant.

www.robotiklabor.de