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Meine Stadt Hannover: Wirft Rat Ehepaar aus ihrem Eigenheim?
Hannover Meine Stadt Hannover: Wirft Rat Ehepaar aus ihrem Eigenheim?
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17:18 26.06.2019
Hannover, Inge und Peter Hutschenreiter vor ihrem Haus. Am Donnerstag entscheidet der Rat, ob sie es räumen müssen. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Für Peter und Inge Hutschenreiter war es ein Schock. Vergangene Woche stimmte die Ampel im Bauausschuss für das Ende der Kleingartenkolonie Friedenau – nicht nur gegen die Stimmen der Opposition, sondern auch gegen die einhellige Empfehlung des Bezirksrates Nord. „Diese Härte hat uns schon entsetzt“, sagt Peter Hutschenreiter. Sollte der Rat am Donnerstag der Empfehlung des Ausschusses folge leisten, ist es nämlich amtlich: Das Ehepaar (beide 71) muss ihr Wohnhaus räumen – damit eine neue Gewerbefläche entstehen kann. Dagegen wollen beide mit aller Macht kämpfen. „Sollte es soweit kommen, nehmen wir uns einen Anwalt“, kündigt Peter Hutschenreiter jetzt an.

„Wenn wir unser Haus verlieren, verlieren wir unsere Altersvorsorge“ – schon oft hatte der 71-Jährige mit diesen Worten an die Einsicht der Verwaltung und der rot-grün-gelben Stadtpolitik appelliert. Bislang vergeblich. Die Stadt will die Kleingartenkolonie an der Schulenburger Landstraße in Hainholz dem sogenannten Kleingartenkonzept opfern.

Peter Hutschenreiter zeigt sein Grundstück in der Kolonie Friedenau an der Schulenburger Landstraße. Die Kolonie soll einer Gewerbefläche und einem Radweg weichen. Quelle: Christian Behrens

Das Konzept sieht vor, dass in den nächsten Jahren stadtweit 813 Kleingärten neuen Wohnhäusern und Gewerbegebieten weichen. Doch während die anderen betroffenen Gärten eine Fristverlängerung erhalten haben, drückt man in Friedenau auf die Tube.

Haus stand 1947 schon

Ausgerechnet dort, wo zwei Häuser bewohnt sind. Etwa das der Hutschenreiters. Es stammt aus dem Jahr 1947 – lange bevor die insgesamt 12.000 Quadratmeter große Fläche in den 1960ern von der Kirche an die Stadt verkauft und zur Kleingartenkolonie gemacht wurde.

„Wir haben das Haus 1999 für 30.000 D-Mark von dem Vorbesitzer erworben“, sagt Peter Hutschenreiter. „Und es später nochmal für rund 50.000 Euro innen saniert.“ Immer mit dem Ziel, dort zu wohnen. Denn bei dem Haus handle es sich gerade nicht um die typische, maximal 24 Quadratmeter große Laube. „Es hatte beim Bau 1947 schon eine Grundfläche von etwa 100 Quadratmetern“, sagt der Eigentümer.

„Stadt treibt uns in Altersarmut“

Sollte es zur Kündigung kommen, erhält das Ehepaar zwar eine Entschädigung. Die Höhe wird erst nach der Kündigung festgesetzt, teilte die Stadt mit. Sie liegt aber mit Sicherheit deutlich unter den Investitionen. „Uns wurden mündlich maximal 15.000 Euro angeboten“, sagt der Hauseigentümer. „Die Stadt treibt uns in die Altersarmut.“

Bezirksbürgermeisterin steht hinter Friedenau

Das bisherige Vorgehen der SPD-Genossen in der Stadtpolitik kann auch Edeltraut-Inge Geschke nicht wirklich nachvollziehen. „Es besteht hier in Hainholz keine Not an Gewerbeflächen“, sagt die Bezirksbürgermeisterin (SPD) der NP. Die Eile sei ihr schleierhaft. „Für die Leute in Friedenau tut es mir leid, da trifft es sicherlich die Schwächsten.“ Sie wolle noch einmal mit den Politiker-Kollegen sprechen, sagte sie. „Große Hoffnung kann ich den Menschen in Friedenau aber nicht machen.“

Stadt kassierte Grundsteuer

Vermutlich auch deshalb, weil sich die Stadtverwaltung in ihrem Vorhaben im Recht sieht. Sie hält die Wohnsituation in der Kleingartenkolonie für illegal. Im Pachtvertrag sei eine Nutzung zu Wohnzwecken ausgeschlossen, hieß es aus der Verwaltung. „Aber warum hat die Stadt dann jährlich Grundsteuer abkassiert?“, fragt Hutschenreiter zurück. „Warum streicht man für eine illegale Wohnsituation jahrelang Geld ein?“

Stadt sieht sich im Recht

Darin sieht die Stadt jedoch kein Problem. Die Grundsteuer sei fällig, wenn die Laubengröße die üblichen 24 Quadratmeter überschreite, erklärte ein Sprecher. Der Rechtsauffassung der Stadt nach lasse sich aus der Erhebung der Steuer jedoch keine Wonnutzungserlaubnis ableiten.

Hutschenreiter hofft dennoch auf ein Einsehen der Politik im Rat – zumal er aus dem Bauausschuss sehr viel falsche Vorwürfe gehört habe. „Es hieß etwa von den Grünen, wir würden Abwasser ins Grundwasser leiten. Dabei haben wir eine Klärgrube, die regelmäßig von Fachfirmen entsorgt wird. Der Nachweis liegt der sogar Stadt vor.“

Kampf geht weiter

Sollte die Ampel bei ihrer harten Linie bleiben, werde man sich einen Anwalt nehmen, kündigte Hutschenreiter an. „Wir haben es uns zur Lebensaufgabe gemacht, für unser Haus zu kämpfen“, sagt der 71-Jährige und lächelt bitter. „Es ist ja auch alles, was wir haben.“

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