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Meine Stadt Kleingärtner wehren sich mit Petition gegen Rausschmiss
Hannover Meine Stadt Kleingärtner wehren sich mit Petition gegen Rausschmiss
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14:20 18.07.2019
Widerstand: Die Pächter der Kleingartenkolonie Friedenau. In der Mitte der Gruppe: Peter und Inge Hutschenreiter. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Weiterhin in der Schwebe ist das Schicksal von Ehepaar Hutschenreiter und weiteren Hauseigentümern, die in der Kleingartenkolonie Friedenau wohnen. Der Rat der Stadt hatte eigentlich in der letzten Sitzung vor der Sommerpause beschließen sollen, dass die Häuser und Gärten in Hainholz zugunsten eines Gewerbegebiets abgerissen werden. Doch die Fraktion Linke/Piraten meldete erneut Redebedarf an. Die Entscheidung wurde vertagt. Und während die Politik ruht, formiert sich in Friedenau der Widerstand.

Wer morgens oder nachmittags auf der Schulenburger Landstraße durch Hainholz pendelt, hat es vermutlich schon gesehen: das weiße Plakat vor der unscheinbaren Grünfläche, gegenüber dem großen Baumarkt. „Die Stadt Hannover will unsere grüne Oase zerstören!“, steht auf dem weißen Banner. Angebracht haben es die Kleingärtner der Kolonie Friedenau. Einige von ihnen leben in der unscheinbaren Grünfläche. Noch.

„Alle sollen sehen, was die Stadt im Schilde führt“

„Alle Anwohner und alle Bürger, die vorbeifahren, sollen informiert sein, was die Stadt im Schilde führt“, erklärt Peter Hutschenreiter die Aktion. Er bewohnt seit 1999 mit seiner Frau Inge ein Einfamilienhaus auf dem Grundstück in Friedenau. Wenn die Stadt aus der Kolonie ein Gewerbegebiet macht, wäre er sein Haus los – und damit seine gesamte Altersvorsorge. Deshalb hat sich der 71-jährige den Kampf um sein Eigenheim zur Lebensaufgabe gemacht, sagt er.

Doch die Stadt will die Kleingartenkolonie an der Schulenburger Landstraße in Hainholz dem sogenannten Kleingartenkonzept opfern. Dieses sieht vor, dass in den nächsten Jahren stadtweit 813 Kleingärten neuen Wohnhäusern und Gewerbegebieten weichen. Widerstand gab es bereits flächendeckend. Doch während die anderen betroffenen Gärten eine Fristverlängerung erhalten haben, drängt die Stadt in Friedenau zur Eile.

Wohnhäuser sind älter als die Kolonie

Ausgerechnet dort, wo mehrere Häuser dauerhaft bewohnt sind. Etwa das der Hutschenreiters. Es stammt aus dem Jahr 1947 – lange bevor die insgesamt 12.000 Quadratmeter große Fläche von Friedenau in den 1960ern von der Kirche an die Stadt verkauft und zur Kleingartenkolonie gemacht wurde. „Wir haben das Haus 1999 für 30.000 D-Mark von dem Vorbesitzer erworben“, sagt Peter Hutschenreiter. „Und es später nochmal für rund 50.000 Euro innen saniert.“

Sollte es zur Kündigung kommen, erhält das Ehepaar eine Entschädigung. Die Höhe wird erst nach der Kündigung festgesetzt. „Uns wurden mündlich maximal 15.000 Euro angeboten“, sagt der Hauseigentümer. „So treibt die Stadt uns in die Altersarmut!“

Linke/Piraten gegen Kündigung

Zuletzt schien die Aufkündigung der Kolonie bereits in trockenen Tüchern: Im Bauausschuss der Stadt hatte sich die Ampelmehrheit geschlossen gegen Friedenau ausgesprochen. Es galt als reine Formalie, dass Rot/Grün/Gelb auch im Rat dieser Empfehlung folgen werde und die Sache damit amtlich wird. Doch die Linke/Piraten-Gruppe zog den Tagesordnungspunkt kurz vor der Sitzung zur Beratung in die Fraktion zurück.

Dirk Machentanz von den Linken erklärt: „Wir halten es grundsätzlich für einen Fehler, aus Friedenau ein Gewerbegebiet zu machen. Die von FDP, SPD und Grünen vorgebrachten Argumente, etwa dass dort jährlich 30 Kubikmeter Abwasser ins Grundwasser geleitet werden, erscheinen uns vorgeschoben.“

 Dagegen sei die Wohnungsnot in Hannover das viel größere Problem, findet der Linken-Politiker. „Die Stadt sollte lieber ausreichend Wohnungen bauen, bevor sie Menschen aus einem Eigenheim vertreibt.“

Rechtliche Situation ist kompliziert

Es gibt jedoch rechtliche Probleme für die Anwohner: Eine Wohnbebauung ist auf Kleingartengrundstücken nicht vorgesehen. Nur Lauben von bis zu 24 Quadratmetern sind dort erlaubt. Streng genommen wohnen die Hauseigentümer also zu unrecht auf den Parzellen. Andererseits stehen die zehn bis zu 100 Quadratmeter großen Einfamilienhäuser schon länger, als es die Kolonie gibt. Und: Die Stadt kassiert seit Jahren Grundsteuer von den Eigentümern. Die Situation ist also kompliziert.

Und auch deshalb innerhalb der Ampel umstritten: Der Bezirksrat-Nord etwa hatte sich gegen das Aus von Friedenau ausgesprochen – mit Politikern aus allen Lagern. Es besteht also doch noch Hoffnung für Hutschenreiters und die anderen Hauseigentümer, dass die Politik umschwenkt.

Friedenauer haben Online-Petition gestartet

Darauf warten will man in Friedenau jedoch nicht. Die Bewohner sind jetzt selbst aktiv geworden: „Wir haben eine Online-Petition gestartet, um Druck auf die Politik auszuüben“, sagt Hutschenreiter. Stand Mittwoch haben rund 440 Menschen die Petition bereits unterzeichnet, etwa 3300 wollen die Friedenauer zusammenbekommen und damit vor den Rat der Stadt treten. „Vielleicht sieht die Politik ja ein, dass es noch eine lehr stehende Gewerbefläche in Hainholz nicht braucht“, hofft Peter Hutschenreiter. „Wir brauchen unsere grüne Oase aber schon!“

Hier ist die Online-Petition zu finden.

Von Simon Polreich

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