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Meine Stadt Hannover: Rabatt bringt keine Kunden für Kaufhof
Hannover Meine Stadt Hannover: Rabatt bringt keine Kunden für Kaufhof
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09:23 28.03.2019
ÜBERHOLT:  Galeria Kaufhof an der Marktkirche bekommt bald einen neuen Schriftzug – mit Karstadt im Namen.
ÜBERHOLT: Galeria Kaufhof an der Marktkirche bekommt bald einen neuen Schriftzug – mit Karstadt im Namen. Quelle: Foto: Behrens
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Hanover

Die Filialen von Karstadt und Kaufhof in der City werden bald einen neuen Namen tragen. Groß in dem Schriftzug steht Galeria, klein darunter Karstadt Kaufhof. Zwei Tage, nachdem dieses Branding bekannt wurde, hat es einen ersten gemeinsamen Werbeprospekt gegeben. Doch trotz gewaltiger Rabatte herrscht im Kaufhof an der Marktkirche Leere.

Die Zukunft gerade dieses Hauses ist ungewiss. Der Kaufhof am Ernst-August-Platz gehört zu den umsatzstärksten der jetzt 174 gemeinsamen Filialen. Auch Karstadt an der Georgstraße wird sich nach Einschätzung von Branchenkennern behaupten.

Viel Platz, wenig Menschen

Für Kaufhof an der Marktkirche bedeutet die Fusion Umbruch. Am Sonnabend wird im Erdgeschoss das neue Outlet Dress for less eröffnen. Noch halten rote Flatterbänder Interessierte von der reduzierten Designerware fern. In der Kosmetikabteilung finden sich wieder Marken, die es bis dahin nur in der Filiale am Hauptbahnhof gab. Sehr eingeschränkt allerdings das Sortiment.

Die Filiale wirkt sehr aufgeräumt – und das ist die positivste Darstellung von viel Platz und wenig Menschen. Neben den fast menschenleeren Rolltreppen hängen in zartgelb und rosa riesige Werbebanner mit dem Aufdruck „Happy“. Doch glücklich können wohl nur Käufer über Preisnachlässe sein. Das Verkaufspersonal sorgt sich wahrscheinlich um Stellenabbau und das Gehalt.

Fusion gefährdet Arbeitsplätze

Die Fusion mit Karstadt gefährdet 2800 Vollzeitstellen bei Kaufhof. Weil sehr viele Mitarbeiter Teilzeit arbeiten, sind deutschlandweit 5000 oder mehr betroffen. Laut Gesamtbetriebsrat sind die ersten Kündigungen. 70 Millionen Euro pro Jahr sollen die Kaufhof-Beschäftigten zur Sanierung beitragen.

Während ihre Kollegen bei Karstadt weiter nach den Konditionen des Sanierungstarifvertrags bezahlt werden, ist ein solcher bei Kaufhof nicht in Sicht. Das Management ist aus der Tarifbindung ausgestiegen – sehr zum Missfallen der Gewerkschaft Verdi. Sie fordert, „dass die Arbeitgeber endlich ein Sanierungskonzept vorlegen, das eine Vorwärtsstrategie beinhaltet und nicht nur Kostensenkung, damit wir wieder schwarze Zahlen und dauerhaft sichere Arbeitsplätze haben“.

Verdi will mit den Arbeitgebern in der Woche nach Ostern, also Ende April, über einen Anerkennungstarifvertrag verhandeln. Auch nach dem Ausstieg aus der Tarifbindung gelten für die Mitarbeiter die bisherigen Konditionen. Mit Lohnzuwachs können sie jedoch nicht mehr rechnen, und weiterer Stellenabbau ist auch in Hannover zu befürchten.

Die Ungewissheit über die eigene Zukunft und die des Standorts lähmt. Das können noch so gewaltige Rabattschlachten nicht ändern. Und Vergnügen macht es nicht zu shoppen in einem so verwaisten Haus.

In jedem guten Verkaufstraining heißt es, der Kunde wolle Freude beim Einkaufen erleben. Seine Wünsche müssten gehört und verstanden werden. Viel Service und immer neue Einkaufserlebnisse seien angesagt. Ob diese Botschaft im Management noch ankommt?

Von Vera König