Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Kameraüberwachung verboten: Kirche macht dicht
Hannover Meine Stadt Kameraüberwachung verboten: Kirche macht dicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 14.03.2015
Von Christian Bohnenkamp
ABGESCHALTET: Dieneuen Kameras, diePropst Martin Tengeim vergangenen Jahrder NP gezeigt hatte.Der Datenschutz siehtdurch sie die Intimsphäreder Gläubigen verletzt.Foto: Petrow Quelle: petrow
Hannover

Die Basilika St. Clemens in der Calenberger Neustadt ist die wichtigste katholische Kirche in Hannover. Und sie soll ein offenes Gotteshaus sein, in dem Gläubige auch außerhalb der Gottesdienste beten und Ruhe finden können - eigentlich. Doch seit Januar ist die Kirche meistens dicht. Hintergrund ist ein Streit um die Videoüberwachung in der Basilika.

2014 hatte diese neue Kameras bekommen. Das hatte den Datenschutzbeauftragten des Bistums Hildesheim auf den Plan gerufen. Der untersagte die Überwachung. Seit Anfang des Jahres sind die Kameras abgeschaltet, und seitdem bleiben die Türen der Basilika verschlossen. „Es geht einfach nicht anders. 2012 ist unser Tabernakel geschändet worden. Außerdem ist mehrfach Geld aus den Opferstöcken verschwunden“, erklärt Propst Martin Tenge die Schließung der Kirche. Er räumt ein, dass er eine „sehr unterschiedliche Auffassung“ habe als der Datenschützer. Es müsse aber „dringend ein Kompromiss gefunden werden“, damit die Kirche wieder tagsüber geöffnet werden könne.

Datenschützer Lutz Grammann begründet das Verbot damit, dass durch die Überwachung „die Intimsphäre der Gläubigen beim Gebet“ gestört würde. Das habe auch mit „individueller Glaubensfreiheit“ zu tun. Ohnehin glaubt Grammann nicht, dass durch die Videoüberwachung Straftaten verhindert würden. „London ist total videoüberwacht. Trotzdem haben dort die Straftaten zugenommen“, argumentiert er.

Eine Lösung könnte jedoch sein, dass nur der Altarbereich sowie der Ausgang der Basilika überwacht werden. So wären die Gläubigen beim Gebet nicht im Fokus der Kameras. „Darüber kann man nachdenken“, sagt Grammann.

Durch den Kamerastreit haben sich unterdessen eklatante rechtliche Lücken in der Anordnung für den kirchlichen Datenschutz offenbart. Darin fehlt die Möglichkeit eines Widerspruchs. „Das ist schlicht vergessen worden“, sagt Grammann. Auch für ihn steht fest, „dass der Betroffene die Möglichkeit haben muss, sich gegen eine Entscheidung zu wehren“.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!