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Meine Stadt Jugend gibt Stephan Weil Kontra bei Debatte
Hannover Meine Stadt Jugend gibt Stephan Weil Kontra bei Debatte
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15:32 05.02.2019
DISKUSSION: Stephan Weil, an seiner Seite Fabian und Vivian. Quelle: Droese
Hannover

Irgendwann standen sie Schlange – es waren nur noch ein paar Minuten bis zum Ende der Veranstaltung und mindestens vier Jugendliche wollten noch etwas sagen. Moritz Hagelstein (24) aus Wesen (Lüneburger Heide), der die Diskussionsrunde schon zwei Mal bereichert hatte, ließ einer Jugendlichen aus der Wilhelm-Raabe-Schule den Vortritt. Der einzige Diskutant, der am Montagabend fest auf dem heißen Stuhl saß, war Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Der durchaus auf Augenhöhe („Siezen oder duzen? Ich bin der Stephan“) mit den jungen Leute hier im alten Transformatorenwerk an der Vahrenwalder Straße redete. Eingeladen zum Auftakt der neuen Reihe „Gib mir Kontra“ hatte die Demokratie-Initiative „Offene Gesellschaft“ und das Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK). Gekommen waren etwa 100 meist junge Leute des IJK, Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule sowie einzelne interessierte Bürger, die Lust auf politische Auseinandersetzung haben. Die Methode Fishbowl, bei der sich Debattenteilnehmer auf einen freien Platz im Kreis setzen können, funktionierte.

Zum Dienst verpflichten?

Wundersamerweise war es das Thema Dienstpflicht, das am stärksten die Gemüter bewegte. Eine 17-jährige Schülerin meinte, jeder sollte mal die Erfahrung machen, seinen Mitmenschen zu helfen. Da war sie ganz bei Stephan Weil, der bekannte, dass seine eineinhalb Jahre Zivildienst „die lehrreichsten Jahre meines Lebens gewesen sind“. Ein 17-Jähriger wies darauf hin, dass man ja schon „eine kostenlose Schulbildung“ habe und der Gesellschaft ruhig etwas zurückgeben könne. Allerdings sollten junge Leute keine Lückenbüßer für eine verfehlte Sozialpolitik sein – worüber sich alle einig waren. Aber es gab auch viele Stimmen gegen eine Verpflichtung. „Ich schulde dem Staat nichts außer Gesetzestreue und Steuern zu zahlen“, sagte ein Dreißigjähriger. Er sei freiwillig bei der Bundeswehr gewesen und würde sich aber nicht zu einem solchen oder einem sozialen Dienst zwingen lassen wollen. Auch Moritz Hagelstein, der sich sowohl für ein Naturschutzprojekt in seinem Heimatort engagiert als auch bei den jungen Liberalen, meinte: „Ich bin ein freier Mensch, der ein selbstbestimmtes Leben führt und entscheide selbst, ob und wo ich mich engagiere.“ Eine kurze Umfrage im Raum per Internetabstimmung ergab eine leichte Zustimmung zur Dienstverpflichtung.

Angst vor grauer Masse ohne Meinung

Etwas kontrovers auch das Thema Social Media. Auf die Frage, ob ihn ein Unterschriftenaktion im Internet oder eine Demonstration auf der Straße mehr bewege, erklärte Weil, dass es die Demo sei. Ein wenig lästerliche Worte seinerseits gab es über Grünen-Chef Robert Habeck, der sich neuerdings „nach einem Erweckungserlebnis“ (Weil) der Facebook- und Twitter-Askese unterzieht. „Jeder weiß, worauf man sich einlässt. Ich denke nach, bevor ich etwas poste.“ Wobei Weil zugeben musste, das er das Posten seinen Mitarbeitern überlässt. Studentin Vivian Wysocki (23) meinte, dass die Meinungsbildung über Social Media immer mehr Raum einnehme und gerade jüngere Leute betreffe – „vieles findet in der Tagesschau ja auch gar nicht statt“. Ein Teilnehmer mutmaßte, dass Nachrichten wie „aus dem Kino rausgeschmissene AfD-Mitglieder“ gar nicht erst veröffentlicht werden würden. Was Weil dazu veranlasste, die gern genommene Opferhaltung der AfD zu geißeln – „jeder darf seine Meinung sagen, dann muss man eben auch mit Kritik rechnen“. Ein prima Schlusswort kam von Jantje Altenfelder (17), Schülerin der Wilhelm-Raabe-Schule, der weder die ganz rechten noch die ganz linken Wortmeldungen Angst machten. „Sondern die große graue Masse ohne Meinung.“

Am 30. März ( 10 - 17 Uhr) gibt es die Folgeveranstaltung „Machen, Verändern, Handeln“ im Neuen Rathaus.

Von Petra Rückerl

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