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Meine Stadt Dokumentationsstelle Antisemitismus wird eingerichtet
Hannover Meine Stadt Dokumentationsstelle Antisemitismus wird eingerichtet
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00:22 01.02.2019
OFFENSIVE GEGEN ANTISEMITISMUS: Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung (links), und OB Stefan Schostok während der Pressekonferenz anlässlich der Tagung im Rathaus. Neben ihnen: Rebecca Seidler (ganz links) und Alina Fejgin, Vertreterinnen jüdischer Gemeinden in Hannover. Quelle: Foto: Behrens
Hannover

Vor gut einem Jahr hatte der Rat beschlossen, die Verwaltung soll eine „Offensive gegen Antisemitismus in Hannover“ starten – derzeit findet die Auftakttagung dazu statt. Bereits im Herbst hatte der Expertenkreis der Offensive gefordert, eine Dokumentationsstelle einzurichten, wo antisemitische Beleidigungen und Angriffe gemeldet werden können. Dafür wären pro Jahr etwa 40.000 Euro nötig. Die „Doku“ soll noch im Sommer ihre Arbeit aufnehmen. Es seien sogar 30.000 Euro für das Folgejahr bereitgestellt, hieß es gestern anlässlich einer Pressekonferenz zum Thema.

Anlass für die „Offensive“ war laut der dazu von SPD, Grünen und FDP eingebrachten Ratsbeschlussvorlage die Wahrnehmung, das „die jüdischen Gemeinden in Hannover übereinstimmend von einer steigenden antisemitischen Stimmung berichten, aber vor allem von einer großen Unsicherheit im Umgang mit dem jüdischen Leben“ hier. Das sei besonders „augenfällig im Umgang mit Schulgruppen und deren Lehrern“, wo „vieles tabuisiert wird, anstatt offen zu fragen und zu reden,“ und „womit eine unnötige Distanz hergestellt wird“.

Die Expertentagung soll deutlich machen, in welchen Formen Antisemitismus auftritt und wie diese zu erkennen sind. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und Tagungsteilnehmer, sagte, dass er es begrüße, dass der Kampf gegen den Antisemitismus als gesamtgesellschaftliche und – wie von Oberbürgermeister Stefan Schostok just zuvor erklärt - von Hannover als stadtgesellschaftliche Aufgabe aufgefasst wird „und wir diesen Kampf nicht den Juden überlassen!“

Die Expertentagung soll kein einmaliges Ereignis sein, die Dokumentationsstelle nicht das einzig „Fassbare“: Durch die Arbeit der „Offensive“ sollen auch Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, die helfen sollen, „Antisemitismus vor Ort kompetent und entschieden entgegenzutreten“.

Rebecca Seidler, für die Liberale Jüdische Gemeinde in der „Offensive“, nannte es ein „ganz wichtiges Zeichen der Stadt, zu sagen: Wir nehmen diese Entwicklung nicht hin! Das gibt uns das Gefühl, nicht alleingelassen zu werden.“

Alina Fejgin, für die Jüdische Gemeinde Hannover in der „Offensive“, sagte, sie finde es „bedauerlich“, dass fast 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs Jahre „wir wieder dieses Thema aufgreifen müssen“. Der Antisemitismus wirke sich spürbar aus: „Die Leute kriegen allmählich Angst, dass ihre Kinder wegen ihres Jüdischseins in der Schule angegriffen werden“, berichtete sie.

Der Bundesbeauftragte Klein mahnte, nicht zu diskutieren „welche Art Antisemitismus die gefährlichste ist – wir müssen uns gegen alle Formen des Antisemitismus wenden, ihn in all seinen Formen bekämpfen!“ Und man müsse „klar machen: Jüdisches Leben ist und gehört zum Alltag in Deutschland!“

OB Schostok erklärte, dass es „weder in Hannover noch anderswo in Deutschland Platz für Antisemitismus geben darf!“ Und mit der gestarteten Offensive „unterstreicht die Stadt, wie wichtig diese Aufgabe für uns ist.“

Die Dokumentationsstelle soll baldmöglichst ausgeschrieben werden – denn sie soll laut Schostok nicht Teil der Stadtverwaltung sein, sondern von einem „gemeinnützigen freien Träger“ eingerichtet und am Laufen gehalten werden – möglichst ein Träger „mit Hannoverbezug“, heißt es. Startziel sei das erste Halbjahr, der OB sagte dazu: „Wenn sie am 1. August startet, dann sind wir richtig gut“.

Von Ralph Hübner

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