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Meine Stadt Jeinsen: Ein Dorf kämpft um seine Schule
Hannover Meine Stadt Jeinsen: Ein Dorf kämpft um seine Schule
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19:44 25.09.2019
Lernt, um anderen zu helfen: Alexandro ist in der zweiten Klasse und übt mit Lehrer Timo Winkelmann Zahlenreihen. Quelle: Fotos: Behrens
Jeinsen

30 Minuten Autofahrt von Hannovers Innenstadt entfernt liegt das Dorf Jeinsen. Grüne Felder, Bauernhöfe, alte Häuser, ruhige Straßen – und mittendrin die Leinetalschule. Sie ist ein seltenes Exemplar: An ihr werden 37 Kinder in zwei Klassen unterrichtet, und damit gehört sie zu den Kleinstschulen – in ganz Niedersachsen gibt es davon gerade einmal 59 Stück. Doch offenbar steht das Ende dieser Schule kurz bevor. Pattensens Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD) will die Einrichtung schließen. Im fünf Kilometer entfernten Schulenburg soll ein Neubau entstehen, an dem Jeinsens Kinder künftig unterrichtet werden sollen.

In dem kleinen Dorf löst das völliges Unverständnis aus. Eltern, auch andere Bewohner üben Protest, und auch Ortsbürgermeister Günter Kleuker lehnt die Schließung ab: „Diese Schule ist das Zentrum unseres Dorfes. Viele Eltern von Kindern sind hier selbst schon zur Schule gegangen.“ Er gehört auch dazu. Doch es sind nicht nur die eigenen Erinnerungen, die bei ihm mitschwingen. Sondern auch die Sorge um die Kinder. „In diesem kleinen Rahmen können sie Sozialverhalten viel besser erlernen.“ In der Vergangenheit habe man gesehen, dass sich viele ehemalige Schüler politisch oder gesellschaftlich engagieren.

Die Leinetalschule in Jeinsen soll geschlossen werden: Schulleiterin Renate Beblo Quelle: Christian Behrens

Der Zusammenhalt ist stark. Die 1251 Einwohner stellen sich geschlossen gegen den Plan der Bürgermeisterin. Inzwischen hat sich sogar eine Elterninitiative gegründet. „Immer mehr Familien ziehen zurück aufs Land, bei dieser Entscheidung spielt es eine große Rolle, ob eine Grundschule in fußläufiger Nähe ist“, sagt Alexandra Stolle. Die zweifache Mutter ist aus Linden aufs Land gezogen. Ihre beiden Kindern gehen zwar noch in den Kindergarten, dennoch steht für sie fest: Sie will sie nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule schicken. „Wir wollen hier sicher keine heile Welt vorspielen. Aber die Erfahrungen zeigen, für viele Kinder ist der Weg nicht hinnehmbar.“ Schon jetzt kämen einige Kinder aus Nachbardörfern zu spät zum Unterricht, weil sie der Schulbus einfach übersehe.

In kleinen Klassen gehen die Kinder nicht unter

Nicht der einzige Punkt, der das Dorf umtreibt. Schulleiterin Renate Beblo sieht in dieser Entscheidung auch pädagogische Nachteile: „In so kleinen Klassenverbänden gehen die Kinder nicht unter.“ Beblo, die seit fast 40 Jahren Lehrerin ist, hat bereits an Grundschulen in der Stadt gearbeitet. „Gewalt und Ärger gibt es hier, anders als an anderen Schulen, nie.“ Aber auch Inklusion gelinge hier besser: „Viele Eltern entscheiden sich bewusst für die Leinetalschule, damit sie eine intensivere Förderung bekommen.“

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Der Anteil von Kindern mit Förderbedarf liege hier prozentual deutlich höher. Im ersten und zweiten Jahrgang gibt es 15 Kinder, für vier von ihnen wird ein Fördergutachten geschrieben, ein weiteres Kind ist hochbegabt. Jeder könne von jedem lernen. So sehen das auch Alexandro (7) und Joel (7). Die beiden Zweitklässler werden gemeinsam mit den Erstklässlern unterrichtet und sind mächtig stolz, dass sie ihnen weiterhelfen können. „Es ist toll, wenn wir mehr wissen und helfen können.“

Spielend Sozialverhalten lernen: Frieda (links) und Marike werden gemeinsam mit Zweitklässlern unterrichtet. Quelle: Christian Behrens

Bürgermeisterin Schumann kann die Emotionalität bei dem Thema verstehen. Sie habe zu lange mit der Entscheidung gerungen, dabei seien die Eltern aus dem Fokus geraten. Dennoch macht sie deutlich: „Wer meint, dass man so etwas entscheidet, weil es vermeintlich einfacher ist, der kennt sich in der Kommunalpolitik nicht aus.“

Keine Musterlösung für Kleinstschulen

Dabei verweist sie darauf, dass es in Pattensen einen hohen Bedarf an neuen Kitaplätzen gebe, aber gleichzeitig auch viele Gebäude – wie auch die Schulen – sanierungsfällig seien. „Die Planungen zur Schaffung neuer Kita-Plätze und gleichzeitig die bestehenden Schulgebäude fit für digitale Bildung und Inklusion machen, bedeutet zudem einen erheblichen Eingriff in die bestehenden baulichen Strukturen und damit verbunden hohe Investitionskosten.“ Die Schließung der Leinetalschule sei daher die wirtschaftlichste und sozialverträglichste Lösung. Auch die Landesschulbehörde stehe hinter dieser Entscheidung. Weil gerade einmal vier Lehrkräfte an der Schule unterrichten, seien Krankheitsfälle nur schwierig abzudecken. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sagte im Gespräch mit der NP: „Die Entscheidung liegt in der Hand der Schulträger. Es gibt nicht eine Musterlösung für Kleinstschulen. Allerdings kann ich nur dazu raten, eine möglichst nüchterne Debatte zu führen.“

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Im November soll der Rat voraussichtlich über die Schließung entscheiden. In Jeinsen hat man die Hoffnung aber noch nicht verloren. Am Donnerstag will das Dorf vor der Ratssitzung gegen die Schließung der Leinetalschule demonstrieren. „Wir wollen die Mitglieder überzeugen, gegen die Pläne zu stimmen.“

Von Mandy Sarti

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