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Meine Stadt Ist besetztes Haus am Klagesmarkt doch kein Spekulationsobjekt?
Hannover Meine Stadt Ist besetztes Haus am Klagesmarkt doch kein Spekulationsobjekt?
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13:00 12.06.2019
Linke Aktivisten drohen mit weiteren Hausbesetzungen. Quelle: Christian Elsner
Hannover

Am Abend vor Himmelfahrt ging alles ganz schnell. Einige hundert linke Aktivisten verschafften sich Zugang zu einem Haus am Klagesmarkt und erklärten es für besetzt. Der Grund: Sie kritisierten, dass das Gebäude trotz Wohnungsnot bereits seit einigen Jahren leer steht und vermuteten daher, dass es sich um ein „Spekulationsobjekt“ handelt. Das Haus ist inzwischen geräumt, die Fragen aber bleiben. Hat sich die Gruppe das richtige Objekt für ihren Protest ausgesucht?

Linke Aktivisten haben am Mittwochabend am Klagesmarkt in Hannover ein seit mehr als einem Jahr leerstehendes Gebäude besetzt. Sie protestieren damit gegen steigende Mieten und Wohnungsnot. Die Polizei ist mit zahlreichen Kräften vor Ort.

Wie die NP erfuhr, soll das Haus viele Jahre einer älteren Frau gehört haben. Sie hat das Gebäude, das angeblich im Jahr 1897 errichtet wurde, kürzlich an einen ihrer beiden Söhne vermacht. Nun soll es Erbstreitigkeiten über die weitere Nutzung des Hauses geben, das schon viele Jahre in Familienbesitz ist. Fakt ist aber: Eine große Immobilienfirma steckt nicht hinter dem Gebäude.

Gespräche scheiterten

 Iyabo Kaczmarek, die als Parteilose für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiert, wollte für ihren Kulturverein „Unter einem Dach“ im April des vergangenen Jahres eine der Geschäftsflächen anmieten – erfolglos. „Die Eigentümerin wirkte überfordert. Sie konnte es sich offenbar nicht leisten, die Wohnungen und Geschäftsräume instand zu setzen“, berichtet Kaczmarek. Noch heute hängt die Werbung früherer Mieter, eines Übersetzungsbüros, eines Reisebüros und eines Friseurs an der Fassade.

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Nachdem die Seniorin von der Besetzung erfuhr, traf sie gegen Mitternacht zusammen mit einem ihrer Söhne am Klagesmarkt an. Bei dem Mann soll es sich allerdings nicht um den Sohn gehandelt haben, dem die Frau das Gebäude übertragen hat. Die beiden verhandelten vor Ort mit den Besetzern. Die Gespräche scheiterten allerdings. Denn nach Angaben der Aktivisten bestanden die frühere Eigentümerin und ihr Sohn darauf, dass die Besetzer das Gebäude verlassen und wollten auch nicht ihre Anzeige zurückziehen. Die Polizei räumte einige Stunden später das Haus und ermittelt nun gegen neun Personen wegen Hausfriedensbruch.

Ärger über Schäden nach Besetzung

Wie Kaczmarek berichtet, könne die Frau allerdings den Ärger der Besetzer nachvollziehen. Sie würde sich auch wünschen, dass das Gebäude in bester City-Lage nicht länger leersteht. Allerdings liege dies nicht mehr alleine in ihrer Hand. Zudem sei die Seniorin verärgert darüber, dass das Haus bei der Besetzung zusätzlichen Schaden genommen hat. Die Aktivisten beschmierten Wände mit politischen Parolen, wie auch auf Bildern in sozialen Netzwerken zu sehen ist. Außerdem seien Türen beschädigt worden. Dem widerspricht eine Aktivistin: „Wir wollten ja erreichen, dass das Gebäude wieder bewohnt wird. Deshalb hatten wir kein Interesse, Mobiliar zu beschädigen.“

Für Kaczmarek offenbart die Besetzung ein generelles Problem: „Die Generation, die kurz nach dem Krieg Eigentum erworben hat, wird nun alt. Für sie ist es schwer, die Gebäude instand zu halten und Wohnraum zu schaffen.“ Es brauche öffentliche Programme, die diese Menschen unterstützten.

Stadt: Keine Instrumentarien gegen Leerstand

Nach Angaben der Stadt hatte die Bauverwaltung bislang keinen Kontakt zur Eigentümer-Familien. „Instrumentarien, den andauernden Leerstand von Wohnungen zu unterbinden, gibt es derzeit nicht“, sagt Stadt-Sprecher Dennis Dix. Eigentümer müssten auf freiwilliger Basis selbst aktiv werden. Wenn die Wohnung bewohnbar sei, biete sich eine Mietersuche über die städtische Wohnungsvermittlung an. Sofern das Haus allerdings modernisiert werden müsse, käme ein zinsloses Landesdarlehen über die NBank oder ein kapitalisierter städtischer Aufwendungszuschuss in Frage. Bei Letzterem wird der Stadt aber zugleich auch ein Belegrecht eingeräumt.

Dem besetzten Haus am Klagesmarkt konnten bald noch weitere folgen. Die Gruppe kündigte auf einem ihrer Transparente an: „Räumt ihr uns aus diesem Haus, suchten wir das nächste aus.“

Von Sascha Priesemann

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