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Meine Stadt Ist Pädophiler rückfällig geworden?
Hannover Meine Stadt Ist Pädophiler rückfällig geworden?
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20:00 18.02.2019
PROZESSBEGINN: Jörg S. steht wieder wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht (rechts: Anwalt Claus Pinkerneil).
PROZESSBEGINN: Jörg S. steht wieder wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht (rechts: Anwalt Claus Pinkerneil). Quelle: Foto: Nagel
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HANNOVER

„Willst Du mit in die Geisterbahn?“, soll Jörg S. (40) einen Jungen gefragt haben – tatsächlich erwartete den Achtjährigen der pure Horror. Der Mann soll sich an mehreren Kindern im Alter von fünf bis acht Jahren vergangen haben. Am Montag begann der Prozess im Landgericht. Der Vorwurf: Schwerer sexueller Missbrauch.

Und die Verhandlung wirft gleich mehrere Fragen auf. Was bringt eine elektronische Fußfessel, wenn der Verbrecher sich trotzdem ungehindert an kleine Jungs heranmachen kann? Und wie schützt man die Gesellschaft vor notorischen Straftätern?

Kinder mit Spielsachen gelockt

Denn Jörg S. ist einschlägig vorbestraft. Im Landgericht Hildesheim war er zu einer mehr als fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Deshalb stand er seit Ende 2015 unter Führungsaufsicht. Die Auflage: Jeden Kontakt zu Kindern vermeiden und das Tragen einer Fußfessel. Doch glaubt man der Anklage, dann hat Jörg S. von Mai bis August 2018 in Hannover systematisch Kinder angelockt und sich an ihnen vergangen. Spielsachen und Süßigkeiten seien die Köder gewesen, heißt es in der Anklage.

Am 26. August 2018 kam der Mann in U-Haft. Bei zwei Wohnungsdurchsuchungen fanden die Ermittler ungeheuerliche Dinge. Auf einem Datenträger befanden sich 244 Bilder von spärlich bekleideten Jungen in aufreizender Pose; hinter einem Holzverschlag waren zwei Festplatten und zwei USB-Sticks versteckt; im Badezimmer (dem Tatort) war eine versteckte Kamera angebracht. USB-Sticks waren als Feuerzeuge getarnt. Aber: „Die meisten Datenträger konnten nicht ausgewertet werden“, sagte Richter Stefan Lücke.

Jörg S. droht Sicherungsverwahrung

Äußerlich unbewegt verfolgt der bullige Jörg S. die Verhandlung. Der Angeklagte verweigerte zu Prozessbeginn die Aussage. Das bedeutet, dass die mutmaßlichen Opfer aussagen müssen. Die Eltern der kleinen Jungen sind ohnehin schon verzweifelt. Ein Vater meinte vor dem Gerichtssaal: „Ich kann nur hoffen, dass dieser Typ verurteilt wird.“ Die Kinder zeigten psychische Auffälligkeiten. „Und der Angeklagte sitzt da und kaut Kaugummi.“

Nach NP-Informationen geht es für Jörg S. um sehr viel – kommt es zu einer Verurteilung, droht ihm die Sicherungsverwahrung.

Von Thomas Nagel