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Meine Stadt Kaufsucht: „Belohnungssystem im Gehirn wird aktiviert“
Hannover Meine Stadt Kaufsucht: „Belohnungssystem im Gehirn wird aktiviert“
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09:52 10.07.2019
Volle Einkaufstüten. Quelle: dpa
Hannover

Die Kaufsucht ist ein wachsendes Problem. Wie groß weiß keiner genau, denn noch ist nur wenig über sie bekannt. Die NP sprach mit Psychologin Dr. Astrid Müller von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der MHH.

Shoppen gehen viele Menschen leidenschaftlich gerne. Doch wann wird aus Kauflust Kaufsucht?

Zu den Kernsymptomen von Kaufsucht gehören eine extreme gedankliche Beschäftigung mit Kaufen und Shopping, ein starkes Kaufverlangen sowie wiederholte Kaufattacken, bei denen unnötige Dingen oder Dinge in unnötig großen Stückzahlen konsumiert werden. Es geht dabei vorrangig um Emotionsregulation. Kaufattacken können analog auftreten, das heißt in realen Geschäften als auch via Internet. Fast immer treten in der Folge finanzielle Engpässen auf, manchmal Verschuldung und ein hoher Leidensdruck sowie familiäre Probleme. Die meisten Patienten, die eine Behandlung aufsuchen, berichten über chronische, episodenhafte Verläufe mit symptomfreien Phasen gefolgt von erneuten Kaufattacken.

Wie äußert sich diese Abhängigkeit in der Praxis, was passiert im Kopf von Betroffenen?

Wie bei anderen Süchten, die mit dem Konsum von etwa Alkohol oder anderen Substanzen verbunden sind, kommt es auch bei den Verhaltenssüchten wie der Kaufsucht zu sogenannten neuroadaptiven Veränderungen im sogenannten Belohnungssystem des Gehirns. Reize, die irgendwie auf Kaufen hinweisen – etwa Schaufenster oder in-app-Werbung – werden immer attraktiver für die Betroffenen. Ihr Belohnungssystem im Gehirn wird aktiviert, wenn sie auf diese Reize treffen.

Warum ist es so schwierig, einfach aufzuhören?

Weil eine Konditionierung stattfindet. Das bedeutet, dass die Betroffenen quasi automatisiert auf Reize reagieren, die mit Kaufen und Shopping zu tun haben, und Kaufdruck oder Kaufverlangen spüren, das Kontrollverluste auslöst. Betroffene spüren bereits beim Anblick von Werbung ein starkes Kaufverlangen, obwohl sie die Ware selbst noch gar nicht gesehen haben. Anfänglich werden Freude und positive Gefühle beim Kaufen und Shopping verspürt. Mit der Zeit lässt das nach und es geht vielmehr um die Vorstellung und Erwartung, dass Kaufen und Shopping jetzt gut tun würde.

Hat die Shoppingsucht in den letzten Jahren zugenommen? Welche Rolle spielt der Internethandel?

Man geht davon aus, dass Kaufsucht ein wachsendes Problem ist und dass Aspekte des Internets Kaufsucht begünstigen. Eine Rolle spielt die ständige Verfügbarkeit der Online-Kaufportale mit nahezu unbegrenzter Produktvielfalt sowie die prompte Bedürfnisbefriedigung im Zuge von Internetbestellungen und die Anonymität beim Shoppen und Einkaufen.

Welche Rolle spielen soziale Medien, wie Facebook, Instagram oder Youtube, die sogenannte Influencer für offizielle, wie versteckte Werbung nutzen?

Dazu gehört neben ans individuelle Browsingverhalten angepassten, personalisierten In-app-Werbungen auch die Option schneller, ungeplanter, impulsiver 1-Klick-Käufe, die von manchen Kaufportalen angeboten wird. Beim stundenlangen Internet-Shopping müssen unter Umständen wesentlich mehr Informationen verarbeitet werden, als beim analogen Einkaufen, das physischen Begrenzungen unterliegt.

Gibt es Gesellschaftsschichten, in denen Shoppingsucht häufiger auftritt, oder ist sie in allen Gesellschaftsschichten vertreten? Sind Frauen anfälliger als Männer?

Frauen scheinen häufiger betroffen zu sein als Männer. Jüngere Menschen scheinen häufiger betroffen zu sein als ältere Personen. Zum sozialen oder beruflichen Status wurden bislang keine Zusammenhänge gefunden.

Von Simon Polreich

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