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Meine Stadt MHH-Professor Hinderk Meiners Emrich ist tot
Hannover Meine Stadt MHH-Professor Hinderk Meiners Emrich ist tot
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20:31 24.09.2018
Verstorben: Professor Hinderk Meiners Emrich.
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Hannover

Man rief ihn bei der MHH an, wenn man etwas über die Tiefen, auch und gerade die Untiefen der menschlichen Psyche wissen wollte. Es war nicht peinlich, ihn auch nach Dingen zu befragen, die schambesetzt waren: Was geht in einem überlebenden Gewaltopfer nach der Tat vor? Warum lässt man sich die Brüste vor laufender Kamera vergrößern? Ist Sadismus normal in der Bundeswehr? Diesem Mann, von 1992 bis 2008 Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, schien nichts fremd zu sein. Mit interessierter Ernsthaftigkeit und auch mit feinem Humor ging er auf die Journalistenfragen ein, antwortete klug und nachdenklich. Und niemals beliebig.

Im Ruhestand hörte er nicht auf, auch selbst Fragen zu stellen und zu erörtern, immer mehr erfahren zu wollen über das Leben. Ein „Nimmersatt im positiven Sinne“, sagt seine Witwe Christiane Buhre (54). Ein brillanter Psychiater und Philosoph, ein Denker, ein Autor, ein aus echtem Interesse Fragender und – vielleicht noch wichtiger – ein unglaublich warmherziger Mensch ist Professor Hinderk Meiners Emrich gewesen.

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Eine, die es wissen muss, ist Cornelia Gerbothe (60), bis zu seiner Emeritierung seine wissenschaftliche Sekretärin. Die bis vor kurzem mit ihm arbeitete, wenn er wieder ein Buch schrieb, wieder einen Vortrag vorbereitete, sich wieder aufmachte, Fragen zu stellen und möglichst zu beantworten. „Er war ein außergewöhnlicher Mensch, ich habe 25 Jahre mit ihm arbeiten dürfen, das war ein Geschenk“, sagt sie. „Ich habe von niemanden so viel gelernt wie von ihm.“ Nach langen Gesprächen – auch noch bis zum Schluss im Krankenhaus – sagte sie ihm: „Es war wieder ein schönes Gespräch, auch wenn ich kaum etwas verstehe. Er sagte dann: Sie verstehen mehr, als Sie denken.“ Diese Wertschätzung ihrer Person, ihrer Arbeit, „immer im richtigen Moment, das bleibt“.

Auch in der Familie. Es sei ihm wichtig gewesen, „auch uns, die wir zurückbleiben, etwas zu hinterlassen, das uns wärmt“, sagt Christiane Buhre. „Einerseits macht es die Trauer größer, andererseits hat man etwas, an dem man sich aufbauen kann.“

Der Mediziner Emrich wusste, was auf ihn zukommen würde. Zwei Stammzellentransplantationen habe er durchgemacht. „Er ist mit großer Würde da durchgegangen, wenn man bedenkt, wie schlecht es ihm physisch ging.“ Mit nur 75 Jahren ist Professor Hinderk Meiners Emrich am 16. September an Leukämie gestorben. Er hinterlässt vier Kinder aus drei Ehen und sechs Enkelkinder. Und die Gewissheit, dass ein großer Denker auch Platz für ein riesengroßes Herz haben kann.

Von Petra Rückerl