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Meine Stadt Immer mehr Fahrschüler mogeln sich durch Prüfung
Hannover Meine Stadt Immer mehr Fahrschüler mogeln sich durch Prüfung
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00:19 17.02.2019
HIGH-TECH: Ein junger Mann betrachtet eine Webseite, auf der technische Ausstattung zum Betrug bei der Führerscheinprüfung angeboten wird. Quelle: Foto: dpa
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Hannover

Die Tricks werden perfider: Mit Kopfhörern oder mit Mini-Kameras in der Brille täuschen immer mehr Fahrschüler in der theoretischen Führerscheinprüfung, die heutzutage am Computer absolviert wird. Auch in Hannover mogeln sich junge Menschen zum Führerschein. Im vergangenen Jahr habe es 133 Fälle in der Region gegeben, zu der beim Tüv-Nord auch die umliegenden Landkreise wie Schaumburg, Peine oder Holzminden zählen. „Die Dunkelziffer ist aber weitaus größer. Viele Fällen können wir gar nicht entdecken“, betont Dirk Schulze vom Tüv-Nord.

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Stellvertreter übernehmen Prüfung

Das gilt insbesondere für die sogenannten Stellvertreter. Sie gehen anstelle des Führerschein-Anwärters zur theoretischen Prüfung und weisen sich als diesen aus. „Da gibt es extra Leute, die aus Stuttgart herkommen und die Prüfung machen“, erklärt Schulze. Das Problem: Die Stellvertreter sind zwar nicht der Zwilling des Prüflings, sehen aber fast genauso aus. Die Methode werde häufig von Männern mit Migrationshintergrund angewandt. Rund 90 Prozent der erwischten Betrüger kämen aus diesem Milieu, berichtet Schulze: „Sie weisen sich oftmals mit einem Reisepass oder einem Dokument der Ausländerbehörde aus. Da ist dann auf den Fotos nicht eindeutig zu erkennen, ob es sich um den Menschen handelt.“

Eine Führerscheinprüfung beim Tüv Nord. Quelle: www.fotowilde.de

Dann gebe es noch jene Kandidaten, die es mit High-Tech versuchen. Mit einem Knopf im Ohr und einer Mini-Videokamera in der Brille oder im Knopfloch mogeln sie sich in die Prüfung. „Einige hundert Meter entfernt sitzt dann jemand in seinem Auto und diktiert dem Prüfling die Antworten ins Ohr“, erklärt Schulze.

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Fahrlehrerverband fordert härtere Strafen

Klaus Napierski, zweiter Vorsitzender beim Fahrlehrerverband in Niedersachsen, bereitet das Sorgen. „Ich wünsche mir schon, dass derjenige, der mir entgegenkommt, auch die Regeln kennt“, betont er. Wenn sich aber jemand durch die Prüfung mogelt, könnte dies erhebliche Folgen haben. „Deswegen muss das als Betrug geahndet werden“, fordert Napierski. Bislang gilt Schummelei in der theoretische Führerscheinprüfung als Täuschung. Manipulierende Fahrschüler können maximal sechs Monate bis zur nächsten Prüfung gesperrt werden.

„Das muss härter sanktioniert werden, denn das ist keine Schummelei bei der Klassenarbeit“, betont Napierski. Wer den Führerschein erwirbt, müsse auch die charakterliche Eignung vorweisen. Und die liege bei Betrügern nun mal nicht vor, macht er deutlich. Der Verband sensibilisiere deshalb seine Fahrlehrer für das Thema, aber das helfe nicht alleine. Schulze wünscht sich indes bessere Methoden, um die Fahrschüler genauer identifizieren zu können. Denn anders ist den Stellvertretern schwer auf die Schliche zu kommen.

Von Sascha Priesemann

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