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Meine Stadt Ich kann wieder Fußball spielen
Hannover Meine Stadt Ich kann wieder Fußball spielen
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22:07 12.09.2012
Von Thomas Nagel
MIT SIEGERPOSE: 
Schalke-Fan Marius kann
nach der OP wieder lachen.
MIT SIEGERPOSE: Schalke-Fan Marius kannnach der OP wieder lachen. Quelle: Emily Wabitsch
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Hannover

VON THOMAS NAGEL

HANNOVER. Marius trägt ein Schalke-04-Trikot. Auf seinem Mundschutz prangen die Embleme von Schalke und Hannover 96. Der Fußballgott ist vielleicht kein Schalker, aber der Junge hatte am 26. April Gott auf seiner Seite. In der MHH erhielt der Zwölfjährige die erste Lebendlungenspende in Deutschland. Seine Eltern Anja und Lars S. haben ihm jeweils einen Lungenlappen gespendet. Marius war an Mukoviszidose erkrankt (siehe Info). Im Frühjahr wurde sein Zustand so schlecht, dass ihm nur noch eine Lebendspende helfen konnte. Professor Axel Haverich, MHH-Direktor für Thoraxchirurgie: „Es gab kein Spenderorgan. Deshalb blieb uns keine Wahl.“

Die Eltern von Marius hatten im Oktober 2011 erstmals von der Möglichkeit einer Lebendspende erfahren. „Wir fanden es toll, dass wir unserem Jungen helfen konnten“, erzählt Anja S. Was folgte, war eine logistische Meisterleistung: 15 Chirurgen operierten parallel Marius und seine Eltern. Heute ist die Familie glücklich, diesen Weg gegangen zu sein. „Ich kann wieder 20 Kilometer Rad fahren und Fußball spielen“, sagt Marius. „Wir haben einfach gedacht, dass es gutgehen wird“, so die Mutter. Die Eltern schwärmten von der erstklassigen Behandlung in der MHH. Bei der Untersuchung der Mutter war ein Herzfehler entdeckt worden, der bei der Lungen-OP korrigiert wurde.

Nach dem Eingriff sind die sportlichen Eltern wieder topfit. „Anfangs merkte ich, dass ich nicht so tief durchatmen konnte. Aber jetzt ist wieder alles in Ordnung“, sagt Lars S, Die Eltern haben etwa 20 Prozent ihres Lungenvolumens eingebüßt. Für Marius bedeutet die Transplantation auch, dass er auf drei Stunden Therapie täglich verzichten kann. Mit dem Schulbesuch wird er noch bis zum Frühjahr warten müssen, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Wird es nun häufiger Lebend-lungenspenden geben? Die MHH-Ärzte warnen vor zu großer Euphorie. „Die Wahrscheinlichkeit, dass das Organ abgestoßen wird, ist zwar wegen der Verwandtschaft zwischen Spendern und Empfänger geringer, aber wenn es genug Organspender gebe, müssten wir diesen Weg nicht gehen“, sagt MHH-Transplantationschirurg Gregor Warnecke.

Damit eine Lebendspende funktioniert, müssen Größe der Lungenlappen und Blutgruppe bei Spender und Empfänger stimmen. „Wegen der Größe können wir eine Lungenlebendspende nur bei Kindern machen“, sagt Warnecke. Außerdem dürfe man bei Lebendspenden auch das Risiko für die Spender nicht außer Acht lassen. Marius hat zwar jetzt eine gesunde Lunge, aber Leber und Darm sind nach wie vor von der Mukoviszidose betroffen. Auch deshalb muss der Junge zurzeit noch 30 Ta-bletten am Tag nehmen.

Seine kleine Schwester Nele (8) ist froh, dass sie jetzt wieder richtig spielen kann mir ihrem Bruder. Als Entschädigung für ihre Strapazen überreichte Professor Haverich eine Familienjahreskarte für den Zoo. Denn die Familie aus dem Sauerland wird noch häufiger nach Hannover kommen, wenn sich Marius zur Nachsorge in der MHH einfindet. 96-Fan will Marius trotzdem nicht werden.