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Meine Stadt Mehr Digitalisierung, weniger Angst
Hannover Meine Stadt Mehr Digitalisierung, weniger Angst
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20:35 07.01.2019
Im Gespräch: Ministerpräsident Stephan Weil (rechts) mit Robotik-Experte Sami Haddadin.
Im Gespräch: Ministerpräsident Stephan Weil (rechts) mit Robotik-Experte Sami Haddadin.
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HANNOVER

Christian Hinsch redet nicht drumherum beim Empfang der Industrie- und Handelskammer (IHK) zum Jahresauftakt 2019. Auf zwei wesentliche Themen wolle er sich in seiner Rede konzentrieren, sagt der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover vor rund 1000 Gästen im Kuppelsaal des HCC: Digitalisierung und Fachkräftemangel. Perfekte Ergänzung: der hannoversche Robotik-Experte Sami Haddadin referierte als Gastredner über Robotik und Künstliche Intelligenz.

Neben Ministerpräsident Stephan Weil sowie seinen Ministern Olaf Lies und Grant Hendrik Tonne (alle SPD), gehören auch Oberbürgermeister Stefan Schostok, Regionspräsident Hauke Jagau und hochrangige Wirtschaftsvertreter zu den Zuhörern – etwa Nord-LB-Chef Thomas Bürkle und Conti-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Duensing,

Hinsch wünscht sich von der Politik einen zügigen Ausbau der Breitband-Infrastruktur und eine flächendeckende Einführung des Mobilfunkstandards 5G – Grundvoraussetzungen für die Digitalisierung aller Unternehmen in Niedersachsen. „Der Fachkräftemangel, vor dem wir seit Jahren warnen, ist tägliche Realität“, sagt er. Jedes zweite IHK-Mitgliedsunternehmen habe Probleme, offene Stellen zeitnah zu besetzen. Man begrüße deswegen das neue Fachkräftezuwanderungsgesetz, erwarte allerdings nur „in begrenztem Umfang Linderung“: „Den Großteil unseres Fachkräftebedarfs werden wir auch in Zukunft selbst ausbilden müssen“, so Hinsch. „Mangelhaft“ sei zudem die Unterrichtsversorgung an Berufsschulen von 90 Prozent. „Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Lehrkräfte – gerne auch Quereinsteiger“, fordert Hinsch, im normalen Berufsleben Vorstandschef des Versicherers HDI.

Ministerpräsident Weil spricht über die Stärke der IHK und Niedersachsens (bundesweit drittgrößtes Wirtschaftswachstum im Zehnjahresvergleich der Bundesländer). Die Wirtschaft des Landes präsentiere sich derzeit stark. „Das ist aber auch nötig“, erklärt Weil und verweist auf die Herausforderungen, neben Digitalisierung und Fachkräftemangel auch Außenhandel und Klimawandel.

Weil: „Ich stehe dazu, dass die ökologische Modernisierung unserer Industriegesellschaft notwendig ist. Eine Politik, die sich nur darauf beschränkt, immer niedrigere Grenzwerte zu setzen, ohne selbst einen Plan zu haben und ohne selbst Beiträge zu leisten – eine solche Politik greift zu kurz“, geißelt er die aktuellen EU-Grenzwertbeschlüsse.

Robotik-Experte Haddadin versuchte in seinem Vortrag Ängste zu nehmen: „Die Robotik ist keine Gefahr für die Menschen, sondern ein Werkzeug.“ Die Roboter, die heute in der Industrie schweißen und lackieren, seien „keine komplexen, intelligenten, sondern eher relativ einfache Maschinen“, die nicht mit Menschen interagieren könnten, betont der Professor. „Diesen Maschinen fehlt die Feinfühligkeit und Feinmechanik des Menschen.“ Auch dafür gibt es eine Lösung, Haddadin selbst hat den feinfühligen und kooperativen Roboterarm entwickelt. Dennoch sei die künstliche Intelligenz abhängig vom Menschen: „Der Roboter ist der Stift, der Mensch ist der Meister.“

Von INKEN HÄGERMANN