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Meine Stadt Zweieinhalb Jahre Haft für „Mutter Gnadenlos“
Hannover Meine Stadt Zweieinhalb Jahre Haft für „Mutter Gnadenlos“
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13:52 02.10.2019
Andrea K. mit Verteidiger Helmut Wöhler. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Sie sperrte ihre Tochter in eine metallene Hundebox, quälte sie mit einem E-Hundehalsband, schlug ihr Kind mit Gürtel und Holzleiste. Dafür wurde die 44-jährige Andrea K. am Mittwoch zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten zuvor weit auseinander gelegen: Für eine fünfjährige Freiheitsstrafe hatte Oberstaatsanwältin Christiane Müller-König plädiert – weil K. ihre damals sechsjährige Tochter vorsätzlich über einen längeren Zeitraum misshandelt hatte. Verteidiger Helmut Wöhler hielt dagegen eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren für angebracht. Seine Mandantin habe – wenn auch spät – gestanden, ihre Taten entstanden aus Überforderung mit einem schwierigen Kind und sie habe versucht, externe Hilfe zu bekommen. Eine Gefängnisstrafe für die reuige 44-Jährige gehe fehl, weil die Gesellschaft „keinen Schutz vor ihr braucht“.

Das sah Richter Stefan Lücke etwas anders. Auch wenn K. keine sadistische Mutter sei und eine lange Haftstrafe der gequälten Tochter am wenigsten helfe, „kann die Gesellschaft solche Taten nicht einfach hinnehmen.“ Den Gefängnisaufenthalt solle die 44-Jährige zur Läuterung nutzen.

„Sie haben erstmals Versagen zugestanden“

Zugute hielt der Richter der 44-Jährigen jedoch, dass sie ein Geständnis abgelegt habe – wenn auch spät und erst unter richterlichem Druck. „Das wird honoriert, weil es auch ihrer Tochter hilft, das Erlebte therapeutisch aufzuarbeiten.“ Erst am Vortag hatte K. zugegeben, ihre Tochter mehrfach geschlagen, eingesperrt und mit dem Hundehalsband Stromstöße verabreicht zu haben. Offenbar auch, weil sich die vielfache Hundebesitzerin mit Methoden aus der Hundeerziehung helfen wollte. Bis Dienstag hatte K. die Vorwürfe bestritten. Und ohnehin sie in den vergangenen Jahren keine Kritik an sich zugelassen – aus Angst, als Versagerin dazustehen. „Sie haben erstmals eigenes Versagen zugestanden“, so Richter Lücke. „Das war stark“.

Der Richter betonte, dass er sich das Urteil nicht leicht gemacht habe – „das richtige Maß zu finden ist fast unmöglich“, sagte er in der Urteilsbegründung. Schaue man auf Tochter Emily (Name geändert) sei man fast am oberen Ende des Strafrahmens, schaue man auf Mutter Andrea K., sei man wieder ganz unten. Bereits Verteidiger Wöhler hatte die Frage gestellt, was eine lange Haftstrafe nutze – und auch der Richter nahm diese Frage wieder auf. „Die seelischen Wunden ihrer Tochter lassen sich dadurch nicht heilen.“

Neunjährige hat schwere seelische Schäden erlitten

Die inzwischen Neunjährige und ihre vierjährige Schwester befinden sich seit Bekanntwerden der Misshandlungen – einer Ergotherapeutin hatte Emily von der Hundebox erzählt – in der Obhut des Jugendamts. Beide sind in einer Einrichtung untergebracht. Nach der Trennung von der Mutter verschlechterte sich der seelische Zustand der ohnehin schon schwierigen Emily jedoch derart, dass sie in der psychiatrischen Abteilung des Kinderkrankenhauses auf der Bult stationär behandelt wurde – mit sechs Monaten länger als üblich, weil ihr „Störungsbild“ so komplex sei.

Eine nicht heilbare Bindungsstörung, Angstzustände, Tobsuchtsanfälle, Selbstbestrafung und eine posttraumatische Belastungsstörung sind unter anderem der Schaden der drakonischen Erziehungsmethoden ihrer Mutter. „Auch wenn Sie diese Folgen nicht vorhergesehen haben, so haben Sie doch die Möglichkeit für erhebliche seelische Schäden gesehen“, warf der Richter der Mutter vor. Immerhin: Die überforderte Andrea K. versuchte Hilfe zu bekommen, sprach mit Experten über das schwierige Kind, das ihr „mehr und mehr entglitt“. „Das Schicksal ihrer Tochter war Ihnen nicht egal, aber die Auswirkungen Ihrer Misshandlungen schon“, so Lücke.

„Urteil gibt Perspektive“

Was nützt also eine lange Haftstrafe für die zweifache Mutter, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert? Emily liebe ihre Mutter trotz allem, so Lücke zu Andrea K., die bei diesen Worten in Tränen ausbrach. Das von ihm gesprochene Urteil gebe beiden, Mutter und Tochter, eine Perspektive, das ganze aufzuarbeiten – und, wenn es die Therapeuten vorsehen, irgendwann wieder Kontakt zueinander aufnehmen.

Von Simon Polreich

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