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Meine Stadt Hühner-Vermietung: „Hanno Huhn“ bringt Glück in den Garten
Hannover Meine Stadt Hühner-Vermietung: „Hanno Huhn“ bringt Glück in den Garten
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11:06 13.06.2019
ER LIEBT SEIN GEFIEDER: Thomas Weiss vermietet mit seiner Firma „Hanno Huhn“ die Tiere. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Gemütlich wuseln sie auf dem Rasen, picken hier, picken dort. Dann bemerken die Hühner den schlaksigen, grauhaarigen Mann, es wird wuseliger, die Aufregung steigt. Die Tiere wissen was jetzt kommt – ihr Herrchen, und zwar mit Futter! „Kommt meinen kleinen Hühner“, ruft Thomas Weiss (59), im Arm hält er eine Kiste mit Weintrauben, Reis und Salat. Und sie kommen, besser gesagt, sie rennen. Und ertragen es tapfer, wenn sie in der Hektik Flügelschläge oder Rempeleien einstecken müssen.

Trend: Es gibt immer mehr Hühner-Vermieter

Thomas Weiss verteilt das Futter – „und schon sind sie ruhig“, sagt der Mann und lacht. Seine Hühner bestimmen mittlerweile das Leben des Mannes, der immer noch als Handelsvertreter arbeitet: Er hegt und pflegt sie, lernt alles über sie. Und er verleiht sie, weil er mit ihnen auch Geld verdient. Vor anderthalb Jahren hat der 59-Jährigen einen Zeitungsartikel über Hühnervermieter in Südhessen gelesen, war sofort begeistert von der Idee. Weiss informierte sich bei dem Mann, der seine Tiere seit 2013 verleiht, befragte einen weiteren Unternehmer aus Achim bei Bremen.

Nach dem Gang zum Veterinäramt der Region befasst sich die Stadt drei Monate lang ausgiebig mit Weiss’ Vorhaben, Hühner auf dem gepachteten Gelände in Isernhagen-Süd zu halten und diese an Kindergärten, Schulen und Privatpersonen zu vermieten: „So etwas gab es nämlich noch nicht, ich bin der Erste, der das hier macht.“

(FAST) JEDEN TAG EIN EI: Die gelegten Eier dürfen „Hanno Huhn“-Kunden natürlich behalten. Quelle: Michael Wallmüller

Nach der Genehmigung des Projektes verteilt Weiss Flyer bei Kaufleuten und bei Tierärzten, eine Instagramseite ist in Planung, zum Jahreswechsel hat er eine Homepage erstellt. Seitdem ist das Interesse an den Miethühner nicht mehr zu stoppen: 60 Hühner – allesamt braune Rhodeländer und schwarze Sussex mit weißen Federn – sind in Weiss’ Besitz, bis zum nächsten Sommer sollen es noch mehr werden.

Kinder lernen, „sich um Lebewesen zu kümmern“

Als die NP ihn besucht, bereitet er gerade den Transport von fünf Tieren in eine Behinderteneinrichtung vor. Das Knowhow seines Jobs als Handelsvertreter kann er für sein Hühner-Geschäft zwar gut gebrauchen, „aber es hat mir einfach keinen Spaß mehr gemacht, mit der Industrie zu dealen. Da herrscht einfach ein anderes Klima als in den Kitas. “

Weiss hat Spaß daran zu sehen, wie Kinder in Kontakt mit seinen Hühnern kommen, 80 Prozent seiner Kunden sind Kindertagesstätten: „Die Mädchen und Jungen lernen, sich um Lebewesen zu kümmern. Die Kinder wachsen daran, und das gibt mir ein gutes Gefühl“, so der „Hanno Huhn“-Betreiber. Jede Kita-Gruppe bekommt unterschiedliche Aufgaben, übernimmt für verschiedene Tätigkeiten Verantwortung. Einige Kinder seien zunächst sehr schüchtern, „doch wenn ich meine Tiere nach zwei Wochen wieder abhole, hocken sie da und lassen die Hühner Regenwürmer aus ihrer Hand fressen.“

Aber nicht nur die Menschen lernen. Auch die Tiere durchlaufen quasi eine Ausbildung, wenn sie vom Züchter zu Thomas Weiss kommen. „Hühnerschule“ nennt der Experte das, „und zwar für die frischen Hühner, die noch doof sind“, sagt er mit einem Augenzwinkern und lacht. Er meint die Tiere, die bis dato nur Kunstlicht und Sandboden gewohnt waren, „keinen Himmel, kein Gras und gar nichts kennen.“

Diese Hühner separiert er zwei bis vier Wochen, schaut fünf- bis zehnmal am Tag nach ihnen. Die Rassen orientieren sich an Menschen, „aber ich vertiefe das noch. Dann fressen sie lieber aus der Hand als aus dem Gras.“ Die zweite Lektion erhalten die Neulinge dann bei den Alteingesessenen, ehe sie schließlich für 89 Euro die Woche ausgeliehen werden – die Eier, die sie legen inklusive, im Jahr sind es um die 180 pro Huhn. Übrigens: Alle Hühner sterben natürlichen Todes, Weiss schlachtet keines.

Der 59-Jährige mag die  zwei Eier am Tag, die er am liebsten morgens als Omelett verputzt. Er mag auch sein Hühnerimperium: „Ich tue nicht nur das gern, was mir Freude  macht“, betont er, „ich freue mich auch, wenn andere Freude daran haben.“ Und das glauben wir auch – ganz ohne Gegacker! 

Thomas Weiss kann man unter Telefon 0176/50568340 oder über seine Homepage kontaktieren.

Von Mirjana Cvjetkovic

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