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Meine Stadt Tipps für Drogenanbau: Hohe Kosten für Angeklagte
Hannover Meine Stadt Tipps für Drogenanbau: Hohe Kosten für Angeklagte
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00:21 24.09.2018
Quelle: dpa
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Hannover

Richter Stefan Joseph sprach am Freitag in seinem Urteil von einer „Grauzone“. Im Landgericht verurteilte er die sechs Angeklagten, weil sie Beihilfe zum Drogenhandel geleistet haben. Sie arbeiteten in einem sogenannten Growshop in der Südstadt und berieten ihre Kunden, wie sie am besten ihre Cannabis-Pflanzen aufziehen und versorgen.

Die 14 Taten waren zwischen 2006 und 2014 geschehen. Während der Richter das Urteil sprach, ging der Verkauf von Anbau-Equipment für Hanf-Plantagen in der Südstadt munter weiter.

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Nach einem Geständnis kamen die Angeklagten mit Bewährungsstrafen davon. Mit am härtesten traf es Bernd L. (61). Er sei zwar nur Verkäufer gewesen, habe sich aber in eine Art Chefrolle gedrängt. Er hat sich in sechs Fällen schuldig gemacht und wurde zu einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der eigentliche Chef, Mischel D. (41), kam mit vier Monaten Bewährungsstrafe davon. „Ihnen war klar, dass sie sich im Hintergrund halten mussten“, so Richter Joseph.

Mischel D. muss zudem noch 10 719 Euro an den Staat zahlen. So hoch waren seine Einnahmen aus dem Verkauf der Ausstattung für den Hanfanbau.

Überhaupt kommen hohe Kosten auf die Angeklagten zu. Jeden Einzelnen dürfte das fünfmonatige Verfahren etwa 10 000 Euro kosten. Anwalt Christian Neumann meinte: „Die Kammer hat sich sehr intensiv mit den Fällen auseinandergesetzt. Bei fast allen Angeklagten hat sie sich im unteren Bereich des vereinbarten Strafrahmens bewegt.“

Nur einer bekam keine Haftstrafe. Andre J. (39) muss 3600 Euro Geldstrafe zahlen (90 Tagessätze). Damit gilt er nicht als vorbestraft.

Das Gericht ist überzeugt, dass es die Männer nicht wiedersehen wird. Den Laden gibt es zwar immer noch. Und noch immer kann man dort Zubehör für den Hanfanbau kaufen. Das allerdings ist legal. „Nur darf keine Beratung für den Hanfanbau stattfinden“, sagt Anwalt Michael Tusch.

Das zeige die Widersprüchlichkeit hinsichtlich der Frage der Strafbarkeit. Das Geschäft wird nun von der Polizei genau beobachtet.

Von Thomas Nagel