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Meine Stadt Darum bekommen diese Fußball-Vereine in Hannover keinen Kunstrasen
Hannover Meine Stadt Darum bekommen diese Fußball-Vereine in Hannover keinen Kunstrasen
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00:19 15.02.2019
Weil die Fläche von Hochwasser bedroht ist, soll sein Club keinen Kunstrasenplatz bekommen: Reinhard Schwitzer, Vorsitzender der SG von 1874. Quelle: Dröse
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Hannover

Allein 27 Fußballmannschaften habe sein Verein in Betrieb. Ein Kunstrasenplatz? Werde „dringend gebraucht“, versichert Reinhard Schwitzer, Vorsitzender der SG von 1874 Hannover, die ihren Sitz am Großen Garten hat.

Doch weil das Clubgelände im Überschwemmungsgebiet liegt, wird sein Verein keinen Kunstrasenplatz bekommen. Ein „K.o.-Kriterium“ nennt das die Stadt und verweist auf das „HQ 100“, ein Hochwasser, wie es statistisch alle 100 Jahre vorkommt.

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Für die betroffenen Vereine, neben der SG sind das Hannover 78, der DHC Hannover, die TuS Marathon und die Spielvereinigung Niederachsen Döhren, ist das jedoch Statistik, die mit der Realität wenig zu tun hat. „Wir hatten hier schon lange keine Seenplatte mehr“, versichert Schwitzer. Ähnlich in Döhren. „Wir sind nie überschwemmt“, berichtet Trainer Till Uhlig.

Hochschulsport betreibt Kunstrasenplatz im Hochwassergebiet

Er hält es auch für „imageschädigend“, dass die Stadt die Hochwassergefahr als K.-o.-Kriterium festgelegt hat, ohne mit den Vereinen andere Lösungen zu finden. Es sei „sehr wohl möglich“ Kunstrasenplätze in Überschwemmungsgebieten zu betreiben, so Uhlig.

Der Hochschulsport macht es vor. Zur Einweihung des neuen Kunstrasenplatzes 2017 kam auch Oberbürgermeister Stefan Schostok. Man verwende einen „unverfüllten Kunstrasenplatz“, also ohne Stoffe wie Granulat, Sand oder Kork, die ausgeschwemmt werden könnten, berichtet Hochschulsport-Leiter Sebastian Knust. Diese Variante sei zwar „in der Anschaffung etwas teurer, dafür in der Pflege günstiger“.

Die Stadt nimmt dennoch davon Abstand, weil Reparaturen nach einer möglichen Überschwemmung „erhebliche Kosten“ verursachen und der Platz sogar „irreparabel beschädigt werden“ könne. Das solle „von vornherein ausgeschlossen sein“, erklärt Sprecher Udo Möller.

  Quelle: Herbers

Das Hochwasser-K.-o. ist jedoch nicht der einzige Punkt im Bewertungsverfahren, der auf Kritik stößt. Frank Willig, Vorsitzender vom SV Arminia, wundert sich, dass sein Club bei der Auslastung, die doppelt zählte, null Punkte holte und deshalb fast auf dem letzten Platz im Ranking landete. „Unsere Plätze sind komplett überspielt. Wir machen unsere Vorbereitungsspiele deshalb schon komplett auswärts“, berichtet er.

Und SG-Vorstand Schwitzer ärgert sich, dass überhaupt nicht berücksichtigt wurde, dass in der Nähe seines Clubs die Wasserstadt Limmer gebaut wird. Sein Verein bekam bei der „prognostizierten Bevölkerungsentwicklung im Einzugsgebiet“ null Punkte.

Schwitzer kritisiert auch, dass mit dem Hannoverschen Sport-Club nun ein Verein als erstes einen Kunstrasenplatz finanziert bekommt, der schon einen hat. Die Stadt begründet das damit, dass der HSC diesen selbst finanziert habe. „Das konnte daher kein Ausschlusskriterium sein“, so Sprecher Möller.

Von C. Bohnenkamp

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