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Meine Stadt Hilfe für Comfort: Sozialdienst bietet Ausbildungsplatz an
Hannover Meine Stadt Hilfe für Comfort: Sozialdienst bietet Ausbildungsplatz an
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19:25 10.09.2019
Bekommt viel Unterstützung: Comfort Z. kommt aus Ghana, seit drei Jahren lebt sie in Deutschland. Nun soll sie das Land verlassen. Viele Menschen wollen der 18-Jährigen helfen. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Kann Comfort Z. (18) doch noch in Deutschland bleiben? Die junge Frau aus Ghana reiste vor drei Jahren – als nach ihrer Mutter auch ihr Vater verstarb – nach Deutschland. Seitdem lebt die 18-Jährige bei ihrer Schwester in Hannover, spielt beim 1. Frauenfußball-Club Hannover in der 2. Damenmannschaft. Bislang wurde Comfort in Deutschland nur geduldet, nun soll sie das Land verlassen (NP berichtete).

Nach der Berichterstattung in dieser Zeitung gab es erste Reaktionen. Jasmin Arbabian-Vogel ist Gründerin und Geschäftsführerin des Interkulturellen Sozialdienstes und bot der jungen Frau umgehend einen Ausbildungsplatz in der Altenpflege an. „Mir war klar, dass ich helfen muss. Da ist ein junger Mensch, der sich eine Perspektive aufbauen möchte und der integriert ist.“ Es sei absurd, dass jemand aufgrund der Gesetzeslage das Land verlassen müsse, aber Fachkräfte aus anderen Ländern geholt werden.

Ausbildungsplatz auch ohne Schulabschluss

Der Sozialdienst hat einen Schwerpunkt im Bereich der Zuwanderung – sowohl bei den Patienten als auch bei den 160 Mitarbeitern. Letztere kommen aus 20 Nationen. Ein multinationales Team also, so Arbabian-Vogel, die den Ausbildungsplatz für Comfort zusätzlich schaffen würde. „Bei so vielen Mitarbeitern kommt es nicht auf einen mehr oder weniger an.“ Je nachdem, wie es für Comfort am besten sei, würde Arbabian-Vogel diesen Platz bereits jetzt – und somit ohne Schulabschluss – oder im kommenden Jahr nach Beenden des Berufsvorbereitungsjahres anbieten. „Da sind wir vollkommen offen und müssen mit allen Beteiligten sprechen.“ Nun soll es erstmal ein erstes Kennenlernen geben. Im nächsten Schritt würde mit der Anna-Siemsen-Schule – der Berufsbildenden Schule im Bereich Pflege, mit der Arbabian-Vogel bereits kooperiert – Kontakt aufgenommen werden. „Ich hoffe, dass die junge Frau die Möglichkeit hat, in Deutschland zu bleiben“, so die Geschäftsführerin. Schließlich werde dadurch eine junge, motivierte Frau gewonnen, die in der Altenpflege tätig sein möchte.

Jasmin Arbabian-Vogel, Gründerin und Geschäftsführerin des Interkulturellen Sozialdienstes. Quelle: Christian Behrens

Auch ein Brief ging bei dem Fußballverein ein. „Eine ältere Dame hat uns geschrieben und spricht sich darin sehr für Comfort aus“, erzählt Mannschaftskollegin Laura Müller, die sich um die 18-Jährige kümmert. Comfort habe sich sehr über die Worte gefreut. Außerdem habe die Frau eine Geldspende gemacht, da die Hilfe des Vereins Kosten verursache.

Der gesamte Verein sei überwältigt und dankbar für die zahlreichen Rückmeldungen und Unterschriften, sagt auch Comforts ehemalige Trainerin Claudia Bohnsack. „Täglich bekomme ich im Schnitt vier Anrufe, und auch der Facebook-Account bebt nur so vor positiven Kommentaren.“ Besonders beeindruckend seien die Rückmeldungen andere Mannschaften – obwohl im Spielbetrieb Konkurrenz herrsche. „Wir haben es noch gar nicht geschafft, alles zu beantworten, werden das aber nachholen“, so Bohnsack.

Stadt will sich mit Comfort zusammensetzen

Die Stadt wollte zum aktuellen Stand des Verfahrens keine Angaben machen, betont jedoch, dass sie sich mit der jungen Frau in Verbindung setzen werde, „um mit ihr die Möglichkeiten eines weiteren Aufenthaltes (Ausbildung) zu besprechen“.

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Jochen Berentzen, Vorstandsmitglied der Pflegekammer Niedersachsen, hingegen sagt: ,„Am Fall der jungen Comfort Z. aus Ghana wird deutlich, dass dringend legale Einwanderungsmöglichkeiten nach Deutschland geschaffen werden müssen.“ Es würden zehntausende Fachkräfte fehlen, insbesondere in der Pflege. „Auch Menschen, die hier eine Ausbildung in einem Mangelberuf absolvieren möchten, müssen dafür die Möglichkeit erhalten, wenn sie die formalen Voraussetzungen erfüllen. Der Gesetzgeber muss hier zwingend und schnell handeln, um solche persönlichen Schicksale zu beenden. Wir würden es begrüßen, dass Menschen wie Comfort Z. die Möglichkeit zur Ausbildung erhalten würden“, heißt es weiter.

Asylantrag bewusst nicht gestellt

Einen Asylantrag hat Comfort bislang nicht gestellt. „Uns wurde sowohl vom Flüchtlingsrat als auch von der Ausländerbehörde davon abgeraten, da in diesem Status die Chancen auf eine Arbeitserlaubnis verloren gehen würden“, erklärt Müller. Nun habe Comfort mit Hilfe des Vereins einen Härtefallantrag gestellt.

Von Cecelia Spohn

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