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Meine Stadt „Neue Dimension“: Entsetzen nach antisemitischem Anschlag in Hemmingen
Hannover Meine Stadt „Neue Dimension“: Entsetzen nach antisemitischem Anschlag in Hemmingen
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17:48 20.05.2019
Antisemitischer Anschlag: An einem Wohnhaus in Hemmingen wurde eine Fußmatte angezündet und das Wort „Jude“ an die Wand geschmiert. Quelle: dpa
Hannover

Die Fußmatte vor der Haustür angezündet, den Eingangsbereich und das Gartentor mit dem Wort „Jude“ beschmiert – auf das Wohnhaus eines jüdischen Ehepaares in Hemmingen haben Unbekannte am Wochenende einen offensichtlich antisemitisch motivierten Anschlag verübt. Der Staatsschutz ermittelt. Rebecca Seiler aus der liberalen jüdischen Gemeinde spricht im Vergleich zu anderen antisemitischen Taten von einer „neuen Dimension“.

Staatsschutz befragte Anwohner.

Am Samstagmorgen entdeckte die Ehefrau gegen 6.30 Uhr zunächst die Überreste der angezündeten Fußmatte. Die Flammen waren glücklicherweise von selbst erloschen, hatten aber die Haustür beschädigt. Unter anderem waren Glasscheiben zersprungen. Neben der Tür stand in roter Sprühfarbe das Wort „Jude“ geschrieben. Die gleiche Schmiererei entdeckten die Eheleute an einem Tor zu ihrem Schrebergarten in der Nähe des Hauses. Dieser liegt rund vier Gehminuten entfernt und hat kein Namensschild. Der Verdacht liegt also nahe, dass die Täter sich auskannten und genau wussten, dass es sich um den Garten des Paares handelt.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Der materielle Schaden liegt bei 2000 Euro. Deutlich schwerer wiegt aber die politische Facette der Tat. „Offensichtlich liegt hier ein antisemitisch geprägter Hintergrund vor. Wir nehmen den Fall sehr ernst“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Deshalb hat in der Sache auch der Staatsschutz die Ermittlungen aufgenommen und bereits am Samstag rund 60 Anwohner befragt.

Parallel verteilte die Polizei in der Nachbarschaft Handzettel. „Augenscheinlich aus antisemitischen Gründen wurde versucht, das Wohngebäude eines Nachbarn in Brand zu setzen“, heißt es darin. Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei unter Telefon 0511/1095555 zu melden.

„Fall hat eine neue Dimension

Bei den Opfern handelt es sich um ein älteres Ehepaar, beide sind über 80 Jahre alt. Seit der Tat stehen sie in Kontakt mit Rebecca Seidler von der liberalen jüdischen Gemeinde. Am Montag besuchte sie die beiden in Hemmingen. „Sie waren natürlich sehr erschrocken, können sich die Tat gar nicht erklären“, sagte Seidler auf NP-Anfrage. Sie würden in einer guten Nachbarschaft leben. In der jüdischen Gemeinde wären sie aufgrund ihres Alters schon seit einigen Jahren in nicht mehr aktiv. Seidler hat mittlerweile den Zentralrat der Juden und den Antisemitismus-Beauftragten im Bundestag informiert. „Dieser Fall hat eine neue Dimension“, betont sie. Bislang standen beim Thema Sicherheit eher jüdische Funktionäre oder Einrichtungen im Fokus. „Dass nun Privatleute Opfer einer antisemitischen Tat geworden sind, damit haben wir nicht gerechnet“, so Seidler.

Auch Hemmingens Bürgermeister Claus Schacht lässt die Tat betroffen und ratlos zurück. „Wir Hemminger sind ein extrem tolerantes und weltoffenen Völkchen. Umso mehr schockt uns das“, stellte er klar und sprach von einer „verabscheuungswürdigen Tat“, für die die Täter in Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten bestraft werden müssten. Das Zusammenleben in Hemmingen sei geprägt von ehrenamtlichem Engagement über religiöse Grenzen hinweg. Schacht selbst hatte bis Montag noch keine Möglichkeit, Kontakt zu den Opfern aufzunehmen. „Aber ich bin zutiefst geschockt. Antisemitismus – egal ab von rechts oder islamistisch geprägt – darf nirgendwo einen Platz haben, weder in Hemmingen noch anderswo.“

Von api

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