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Meine Stadt Hauptbahnhof Hannover: Polizei probt für den Ernstfall
Hannover Meine Stadt Hauptbahnhof Hannover: Polizei probt für den Ernstfall
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14:37 27.06.2018
700 Menschen sind bei der Anti-Terror-Übung im Hauptbahnhof Hannover in der Nacht zu Mittwoch im Einsatz.
700 Menschen sind bei der Anti-Terror-Übung im Hauptbahnhof Hannover in der Nacht zu Mittwoch im Einsatz. Quelle: Wallmüller
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Hannover

Um 22.50 Uhr ertönt ein Knall. Im Hauptbahnhof Hannover bricht Panik aus. Reisende laufen schreiend ins Bahnhofsinnere. Sie fliehen vor vier bewaffneten Terroristen, die auf alles schießen, was sich bewegt. Ignoriert man die immense Medienschar am Rande des Geschehens, wirkt das Szenario bedrückend real. Doch das ist es nicht. Zum Glück.

Foto: Wallmüller

700 Menschen trainieren den Ernstfall

In der Realität wäre es womöglich nicht kurz vor elf, oder nachts um drei. Denn auch dann noch ertönen immer wieder Explosions- und Schussgeräusche im Bahnhof. Fünfmal wird der Ernstfall geprobt.


Jede der fünf Dienstgruppen der Bundespolizei am Hauptbahnhof ist einmal dran, jeweils mit acht Beamten. Dazu kommen weitere acht Polizisten der Landespolizei, die per Streifenwagen vorfahren. 300 angehende Polizisten dienen als Schauspieler. Von Feuerwehr und Rettungsdienst sind 140 Leute beteiligt.

„Wir üben hier unter sehr realistischen Bedingungen eine Lage, von der wir hoffen, dass sie nie eintritt“, so der Präsident der Bundespolizei Hannover, Martin Kuhlmann. „Es geht darum, dass verschiedene Polizeieinheiten zusammenwirken.“

Reiseverkehr läuft reibungslos weiter

Der linke Bereich des Hauptbahnhofs ist bis zu Gleis vier abgesperrt. Hier und auf den entsprechenden Gleisen wird geübt. Der Rest des Bahnhofs ist frei. 

Reisende gehen ganz normal zu ihren Zügen oder holen sich noch etwas zu essen. Die Geschäfte haben auch regulär geöffnet. Offenbar hat die Kommunikation vor der geplanten Übung gut geklappt. Bei Unbeteiligten bricht zu keinem Zeitpunkt Panik aus.

Lautsprecherdurchsagen und Hinweise auf Anzeigetafeln informieren über die Übung. Die 25-jährige Anna wusste vorher nichts davon, sagt aber: „Diese Leute geben ihr Leben für unsere Sicherheit“. Sie hat volles Verständnis für die Übung.

"In der Realität gäbe es hunderte Tote"

Bis die ersten Polizisten eintreffen, sind schon etliche Menschen "erschossen" worden. „In der Realität wäre es noch schlimmer“, sagt auch Bundespolizei-Sprecher Martin Ackert. „Mitten am Tag und im kompletten Bereich des Bahnhofs würde es hunderte Tote geben, würden wirklich vier schwer bewaffnete Terroristen hier so reinstürmen“, sagt Ackert.

Obwohl alle hier wissen, dass es sich um eine Übung handelt, merkt man dennoch eine bedrückte Stimmung. Der Hauptbahnhof wäre ein einfaches Ziel - dieser Eindruck entsteht.

Verletzte werden sortiert

Während die Übungen in der Regel rund 20 Minuten dauern, wird auch einmal länger geprobt. Hier rückt eine wahrte Armada an Rettungsfahrzeugen auf dem Ernst-August-Platz an. Feuerwehrsprecher Michael Hintz erklärt: „Am schwierigsten ist die Kommunikation zwischen uns und der Einsatzleitung der Polizei. Bis geklärt ist, wo die Verletzten sicher behandelt werden können, dauert es eine gewisse Zeit.“

Ist das geklärt, legen die Retter gelbe und rote Planen auf den Boden. Je nach Schwere der Verletzung werden die Opfer hier sortiert. Alle, die noch laufen können, sammeln sich. Hier den Durchblick zu behalten, ist auch bei so einer Übung schon schwer.

Schiedsrichter filmen und werten aus

Wie gut oder schlecht eine Einheit in der Übung gehandelt hat, wird genauestens beobachtet. Diverse Schiedsrichter schauen den Polizisten mit Pistole ebenso über die Schulter, wie den Beamten in der Einsatzzentrale.

„Alles steht auf dem Prüfstand und danach wird besprochen, was hätte besser laufen können oder müssen“, so Martin Eckert. Auch bei der Feuerwehr wird genauestens geschaut, wie der Einsatz verläuft.


Übung bleibt Übung

Hin und wieder wird jedoch deutlich, dass man eine reale „Lage“ - so bezeichnen die Beamten solch einen Einsatz - einfach nicht nachspielen kann. Schaut man den Helfern in die Augen, sieht man teils gelassene Blicke - in einer realen Bedrohungslage wohl unvorstellbar. Ebenso wie Überlebende, die nach Verlassen des sichtgeschützten Bereichs lachen, anstatt panisch zu schreien.

Bleibt zu hoffen, dass es niemals wirklich zu einem solchen Einsatz kommen wird.

 

Info: Die Bundespolizeiakademie hat bundesweit Übungen dieser Art vorbereitet. Vergleichbare Übungen gab es bereits in Berlin, Leipzig, Lübeck oder München.