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Meine Stadt Hat Hannover ein Problem mit Ratten?
Hannover Meine Stadt Hat Hannover ein Problem mit Ratten?
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17:09 13.08.2019
Eine Ratte läuft, aufgeschreckt durch die Aufräumabeiten der Stadtreinigung, über den Gehweg. Quelle: dpa
Hannover

Sie erwartet man in der Tiefe der Stadt, wo man sie nicht sieht. In dunklen Kellern oder in der Kanalisation. Die Rede ist von Ratten. Immer häufiger wird der NP von Sichtungen berichtet – selbst tagsüber. Hat Hannover ein Ratten-Problem?

„Das Wort Problem ist immer relativ, aber im letzten Jahr hatten wir ein Wespen-Jahr. In diesem Jahr sprechen wir schon von einem Ratten-Jahr“, erklärt Michael Hansch-Sukale, Betriebsleiter der Schaper Schädlingsbekämpfung in Laatzen auf NP-Nachfrage. Konkrete Zahlen kann er noch nicht nennen, „aber gefühlt ist die Auftragslage zur Rattenbekämpfung 30 bis 40 Prozent höher als im Vorjahr.“

Die ganze Stadt ist betroffen

Ähnliches berichtet Cesar Aiello, Inhaber der „C. Aiello“ Schädlingsbekämpfung in Seelze: „Es ist schon merklich mehr als letztes Jahr“, sagt er. Dabei weist er auch darauf hin, dass es sich nicht um ein Problem einzelner Stadtteile handelt: „Die ganze Stadt ist betroffen.“ Das bestätigt auch Hansch-Sukale: „Wir sind derzeit viel in der List. Aber selbst im Zoo-Viertel, da wo man es am wenigsten erwartet, rücken wir immer häufiger aus.“

Ein Problem, das auch über die Grenzen von Hannover hinaus geht, erklärt Dr. Gerhard Karg, Diplom-Biologe und Sachverständiger für Schädlingsbekämpfung aus Kaiserslautern im NP-Interview (rechts): „Ich arbeite bundesweit. Was ich von Kollegen aus dem Verband der Schädlingsbekämpfer mitbekomme, deutet auf ein generell wachsendes Problem in ganz Deutschland hin.“ Gründe gibt es viele, sagt er: „Ratten werden immer resistenter gegen Gift. Getreu der natürlichen Auslese verenden die Ratten, die das Gift nicht vertragen. Die resistenten Exemplare überleben und vererben die Gift-Resistenz an die nachfolgenden Generationen weiter. Die Gift-Sensibilität wird also quasi herausgezüchtet“, erklärt Karg. Aber auch das achtlose Wegwerfen von Nahrungsmitteln sei ein Problem.

Keine Brotreste oder Kekse verstreuen

Aus diesem Grund appelliert auch Udo Möller, Pressesprecher der Stadt Hannover, an die Hannoveraner und bittet „insbesondere darum, nicht umfangreiche Brot-, Keks- oder sonstige Nahrungsreste zu verstreuen.“ Hintergrund der Aussage ist die Installation von Ratten-Ködern im Lister Bad aufgrund vermehrter Ratten-Sichtungen von Badegästen sowie Bad-Personal. Als Grund wird die Nähe zum Mittellandkanal vermutet, da dort „das Füttern von Enten“ sehr beliebt sei.

Tipps für Hausbesitzer

Tierliebe hin oder her: Experten raten dazu, Ratten und Hausmäusen kein Zuhause im eigenen Heim zu gönnen. Die Bekämpfung sei wichtig, da die Tiere gefährliche Viren, Bakterien oder Parasiten übertragen können, erklärt der Verbraucherinformationsdienst Aid in Bonn.

Ratten können etwa Salmonellen verbreiten. Die Tiere verunreinigen außerdem Nahrungsmittel, und sie nagen an Holz, Kunststoffen und Baumaterial zur Gebäudeisolierung. Da Wanderratten auch gut klettern, schwimmen und tauchen können, gelangen sie auch bis in Wohnungen. Am besten beugt man dem Einzug der Tiere daher vor – in drei Schritten:

Kein Einlass: Stellen, durch die Hausmäuse oder Ratten ins Gebäude gelangen können, müssen abgedichtet werden.

Kein Unterschlupf: Herumliegendes Gerümpel, Abfall oder Brennholz sind Möglichkeiten für die Tiere, sich ein Zuhause zu bauen.

Kein Futter: Lebens- und Futtermittel dürfen nicht in Reichweite der Tiere liegen, die sich daran satt essen können. Dazu gehört auch, den Abfall in dicht verschlossene Behälter zu werfen. Lebensmittelreste gehören nicht in die Kanalisation.

Wichtig: Sind Ratten da, sollte man sie nur mit zugelassenen Mitteln bekämpfen – oder es gleich Fachkräften überlassen.

Ebenfalls in der List haben auch die Bewohner eines Häuserkomplexes (bestehend aus 11 direkt aneinander grenzenden Mehrfamilienhäusern) mit den ungeliebten Nagetieren zu kämpfen. Im Quadrat angeordnet, sind alle Häuser durch einen großen Innenhof verbunden. „Ich habe dort im Strandkorb gesessen und da ist dann eine Ratte ganz unaufgeregt an mir vorbei gelaufen“, berichtet Silke Rothenburger. Inzwischen habe sie bereits Ratten in sämtlichen Größen gesichtet. „Wir wohnen seit 25 Jahren hier, aber das haben wir noch nie gehabt. Das ist neu.“

Hat Hannover ein richtiges Rattenproblem? Auf diese NP-Frage gab es von der Stadt weder eine Bestätigung noch ein klares Dementi.

Interview: So schwierig ist der Kampf gegen die Nager

Wie kommt es plötzlich zu schnell wachsenden Rattenpopulationen – und wie kann man sie bekämpfen? Darüber sprach die NP mit Gerhard Karg, Diplom-Biologe und Sachverständiger für Schädlingsbekämpfung aus Kaiserslautern.

Gerhard Karg Quelle: privat

Welche Ratten-Gattung ist in Deutschland verbreitet?

Die Ratten, mit denen wir es in der Regel in Deutschland zu tun haben sind die Hausratte (Rattus rattus) und die Wanderratte (Rattus norvegicus). Die Hausratte ist allerdings selten geworden und war in Deutschland schon kurz vor dem Aussterben. Die Wanderratte hingegen ist bei uns weit verbreitet.

Welchen Lebensraum bevorzugen Ratten?

Global betrachtet ist die Wanderratte auf der ganzen Welt aktiv. Dabei mögen sie besonders gerne die Kanalisationen. Dort ist es warm und Fressen gibt es auch genug. Also für eine Ratte ist die Kanalisation wie ein Sushi-Restaurant. Ständig kommt etwas fressbares vorbei geschwommen. Ansonsten mögen sie auch dunkle Kellerräume – je mehr Gerümpel, desto besser. Und in den Dörfern natürlich auch immer gerne landwirtschaftliche Betriebe. Da findet sich auch immer etwas zu fressen.

Wie kann man Ratten bekämpfen?

Das Nachhaltigste ist den Schädlingsbekämpfer zu rufen. Dieser schaut sich das Problem an und installiert dann manipulationssichere Köderstationen mit Rattengift.

Warum in Stationen?

Weil das Gift auch gerade für Kinder, und Haustiere gefährlich ist. Es sollte nicht offen verstreut werden. Vom Schlagfallen-Einsatz ist abzuraten. Ratten sind sehr schlaue und soziale Tiere die voneinander lernen. Sie leben etwa in einem Rudel von 80 bis 100 Tieren. Wenn also eine Ratte durch eine Schlagfalle stirbt, spricht sich das im Rudel herum, die Falle wird nicht mehr angesteuert.

Wird es schwieriger geworden, Ratten zu bekämpfen?

Durch eine europäische Richtlinie, ist es Privatpersonen erschwert worden, hochdosierte und wirkungsvolle Rattengifte zu kaufen. Damit soll in erster Linie der Verbraucher geschützt werden, aber natürlich auch die Umwelt. Das heißt, dass neue Rattengifte nur unter strengen Auflagen zugelassen und nur an Schädlingsbekämpfer verkauft werden. Zudem werden Ratten immer resistenter gegen die genutzten Gifte. Die Ratten, die das Gift nicht vertragen, verenden. Die resistenten Exemplare überleben und vererben die Gift-Resistenz an die nachfolgenden Generationen weiter. Die Gift-Sensibilität wird also quasi herausgezüchtet. Hinzu kommt auch noch, dass Ratten neophob sind. Das heißt, sie mögen keine großen Veränderungen. Wenn also ein Köder ausgelegt wird, kann es auch mal bis zu sechs Wochen dauern, bis sie da ran gehen.

Was kann man im Alltag tun, damit Ratten nicht angelockt werden?

Essen nicht die Toilette hinunterspülen. Lebensmittelreste gehören in den Mülleimer, nicht ins Gebüsch oder auf den Komposthaufen. Man sollte darauf achten, dass Mülltonnen geschlossen sind. Gerade bei den Roll-Containern: Da gibt es am Boden ein Entwässerungsloch, das durch einen Stöpsel abgedeckt ist. Wenn der fehlt, irgendwie schließen. Haustierfutter nicht einfach rumliegen lassen. Hausbesitzer sollten darauf achten, dass die Gebäudehülle und alle Rohre dicht sind.

Sind Ratten gefährlich?

In der Regel nicht, aber sie können Krankheiten weitergeben. Aber das können andere Wildtiere auch. Allerdings sind das nur Krankheiten, die eh in unseren Regionen vorkommen, Salmonellen zum Beispiel.

Von Jens Strube

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