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Meine Stadt Von-Fritsch-Kaserne: Jetzt wird abgerissen
Hannover Meine Stadt Von-Fritsch-Kaserne: Jetzt wird abgerissen
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19:20 09.07.2019
Kommen als erstes weg: Diese Gebäude, die direkt an der General-Wever-Straße liegen. Auf dem Gelände der früheren Freiherr-von-Fritsch-Kaserne entsteht ein Wohngebiet. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

1000 Bäume auf dem 27.000 Quadratmeter großem Gelände sind schon gefallen. Bereits in wenigen Wochen rücken die Bagger auch den historischen Gebäuden an der General-Wever-Straße zu Leibe. Die frühere Freiherr-von-Fritsch-Kaserne wird ab August abgerissen. Eines der größten Wohnbauprojekte Hannovers nimmt damit nun auch sichtbar Fahrt auf. Zugleich verschwindet endgültig ein Stück Militärgeschichte der Stadt.

Von 1937 bis 1939 war die Kaserne als Artilleriekaserne gebaut worden. Flakkanonen-Einheiten waren darin untergebracht. Später übernahm die Bundeswehr das Gelände. Bis 2001 waren dort Soldaten stationiert. Seitdem verfallen die Gebäude. Frühere Pläne sahen noch den Erhalt einiger der Bauten vor. Mittlerweile sind sie so kaputt, dass sie „nicht mehr zu retten sind, weil überall Feuchtigkeit eingedrungen ist. Das haben Gutachten bestätigt“, erklärt Andrea Gremmer, Projektleiterin bei der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG).

Kriegsschutt und Munition im Boden

Das private Unternehmen, das mehrheitlich dem Land gehört, hat 2016 nach dem Scheitern anderer Investoren die Entwicklung der Fläche übernommen, die als „Gartenstadt Hannover-Nord“ vermarktet wird. Zunächst muss dafür das Gelände gründlich geräumt werden. Dazu gehört nicht nur der Abriss der Gebäude, der vorne an der General-Wever-Straße beginnen wird.

Artilleriekaserne der Wehrmacht, Standort der Bundeswehr, Wohnplatz linker Bauwägler: Die Geschichte der Freiherr-von-Fritsch-Kaserne hat viele Facetten.

Der Boden ist an vielen Stellen belastet und muss größtenteils bis 1,70 Meter Tiefe ausgetauscht werden. Auch muss der Kampfmittelbeseitigungsdienst mit viel Arbeit rechnen, weil das Areal bombardiert, Kriegsschutt abgeladen wurde und auch mit größeren Mengen Munitionsresten zu rechnen ist.

Zahl der Wohnungen auf 775 aufgestockt

Die NLG kalkuliert allein die Räumung der Fläche mit rund 18 Millionen Euro. Sie macht das frühere Kasernen-Gelände sozusagen baureif. Danach sollen verschiedene Bauträger zum Zuge kommen. Die NLG selbst wird nicht in den Hochbau einsteigen. Das Interesse sowohl regionaler als auch überregionaler Unternehmen sei groß, sagt Projektleiterin Gremmer.

Ursprünglich sollten auf dem Areal 575 Wohnungen entstehen. Mittlerweile wurde diese Zahl um weitere 200 aufgestockt. Die Nachfrage am Markt ist da. „Und es war auch der Wunsch der Stadt“, sagt Gremmer. Größtenteils wird es Mehrfamilienhäuser mit drei bis vier Geschossen geben, aber auch Doppelhaushälften und ein paar freistehende Einfamilienhäuser.

Nach der neuen Vorgabe des hannoverschen Rates müssen 30 Prozent der Wohnungen Menschen mit geringeren Einkommen zur Verfügung stehen. Um diese Quote erfüllen zu können, werden viele von ihnen jedoch etwas kleiner ausfallen. Außerdem wird es an der General-Wever-Straße zwei Bürogebäude geben, die auch als Lärmschutz für die Wohnbereiche dienen. Geplant sind außerdem ein Supermarkt sowie zwei Kitas. Mehr als 1500 Menschen sollen in dem Wohngebiet leben. Geht alles glatt, soll Mitte 2020 ein gültiger Bebauungsplan vorliegen. Der Hochbau könnte dann in der zweiten Jahreshälfte beginnen, die ersten Wohnungen 2022 fertiggestellt werden.

Illegaler Abenteuerspielplatz und Übungsgelände der Polizei

Spätestens dann wird das Gelände wohl nicht mehr als illegaler Abenteuerspielplatz missbraucht werden können. Dass dort reger Betrieb herrscht, machte unter anderem ein Einsatz der Feuerwehr deutlich, die Mitte Juni einen brennenden Dachstuhl löschen musste. „Da wollte wohl jemand Würstchen grillen“, berichtet Matthias Mueller, der für die NLG die Tiefbauarbeiten auf dem Gelände leitet. Dieses ziehe „die Leute magisch an“. Zwar sei ein Wachdienst auf dem Gelände im Einsatz. Drei Kilometer Zaun ließen sich jedoch nur schwierig überwachen, so Mueller.

Gut möglich, dass illegale Besucher jedoch auch gleich der Polizei in die Arme laufen. Die übt auf dem Gelände Einsätze mit SEK-Einheiten und Wasserwerfern sowie Verfolgungsjagden. Die Feuerwehr probt mit ihren Drehleitern, das Technische Hilfswerk trainiert für Katastrophenfälle. Auch das wird Geschichte sein, wenn die alten Gebäude abgerissen sind und neue Wohnungen in den Himmel wachsen.

Von Christian Bohnenkamp

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