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Meine Stadt Hannovers ältester Musiker stirbt im Alter von 104 Jahren
Hannover Meine Stadt Hannovers ältester Musiker stirbt im Alter von 104 Jahren
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15:40 17.04.2019
MUSIKER ALTER SCHULE: Jean van den Berg feierte seinen 103. Geburtstag noch in seinem Appartement im Nikolaistift an der Bödekerstraße in der Oststadt. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Ich hatte Jean van den Berg vor vielen Jahren einmal als Hannovers Johannes Heesters beschrieben. Da war er 90 und stand noch immer gelegentlich auf der Bühne. Nicht mehr so ganz fest wie in jungen Jahren, meist setzte er sich auch, aber mit noch ungebrochener Begeisterung. Die hatte den gebürtigen Holländer auch mit mehr als 100 Jahren nicht verlassen. Doch in der Nacht zu Mittwoch ist Hannovers ältester Musiker nach kurzem Aufenthalt im Krankenhaus verstorben. Er wurde 104.

Die Anteilnahme in der Musikszene der Stadt ist groß. Van den Berg stand immer noch in Kontakt mit jungen Musikern, mit denen er zu besonderen Anlässen auch gerne ein paar seiner Lieblingssongs spielte. Zuletzt trat er Weihnachten vor seinen Mitbewohnern in der Kursana-Villa, einer Seniorenresidenz im Zoo-Viertel, auf. Seinen 100. Geburtstag hatte er noch in einem kleinen Appartement einer Seniorenwohnanlage in größerer Selbstständigkeit gefeiert. Gefeiert wurde damals groß und musikalisch im „Bösen Wolf“, der Kultkneipe seines Landsmannes Jan Verhagen in Linden-Mitte, zusammen mit Musiker-Kollegen wie den Ex-Furys Rainer Schumann und Christoph Stein-Schneider. Auch Oliver Perau sang van den Berg damals ein Ständchen.

Das Alter fordert Tribut

Van den Bergs Stimme war zwar vom Alter brüchig aber immer noch hell, und wie er seine Gitarre zu bedienen hatte, das beherrschte er aus dem Effeff. Auch wenn er etwas länger brauchte, um sich warm zu spielen. Das Alter fordert auch von Musikern seinen Tribut.

Jean van den Berg begann 1938 seine Laufbahn als Profimusiker. 1965 stieg er aus, der Liebe wegen. Doch mit 83 Jahren startete er ein unerwartetes Comeback in Hannover.

Seit 1938 lebte Jean van den Berg von der Musik, und das nicht schlecht, wie er bei unserem ersten Treffen sagte. Er spielt Swing im Glenn-Miller-Stil mit einer Tanzkapelle, aber auch Schlager und was das Herz sonst so begehrte. Während eines zweimonatigen Engagements 1963 in Hannover lernte er Hilde kennen, und bald wurde geheiratet. Für seine Frau hängte er die Gitarre an den Nagel, holte sie nur gelegentlich von der Wand, etwa bei Betriebsfeiern der Firma Erdmann, in der er sich vom Lager ins Büro hochgearbeitet hatte.

Comeback mit 83

Erst als Hilde starb, suchte er Trost bei seiner ersten Geliebten, der 1938 gekauften Gibson-Gitarre. Er wollte sie beim Gitarrenbauer Thomas Stratmann aufmöbeln lassen. Stratmann hörte ihn spielen, und der Rest ist ein kleines, aber besonderes Stück hannoverscher Musikgeschichte. Jean van den Bergs Comeback mit 87 begeisterte insbesondere auch viele junge Kollegen, die mit ihm durch Klubs wie „Offenbachs Keller“ ziehen. Seinen ersten Auftritt hatte er mit Ecki Hüdepohl von It's Me in der „Irish Harp“.

Freunde erinnern sich

„Er hatte hier einen illustren Kreis um sich versammelt“, sagt Thomas Stratmann, der ihn damals in gewisser Weise wieder entdeckt hatte. Der Gitarrenbauer hat ihn noch kurz vor seinem Tod im Krankenhaus besucht. Es fällt ihm schwer, eine 20-jährige Freundschaft in nur wenigen Sätzen zu beschreiben, aber den Kern trifft er: „Jean war ein ganz großer Mensch, ein Musiker mit Herz und Seele, bis zuletzt.“ Und auch ein Schelm. Stratmann erinnert sich, wie ihn van den Berg dazu brachte, ihm seine Werkstatt für eine Geburtstagsparty zur Verfügung zu stellen. Er habe gesagt, seinen 90. feiern zu wollen, dabei sei er erst 89 geworden. „Sonst hättest Du mir ja die Werkstatt nicht gegeben“, habe der Jubilar darauf angesprochen in seinem unverkennbaren holländischem Slang entgegnet.

Auch für Christoph Stein-Schneider war Jean van den Berg ein wichtiger Wegbegleiter. „Es wären eine Menge Töne auf meiner Gitarre nicht drauf, wenn ich die nicht von ihm gelernt hätte“, sagt er. „104 ist ein gesegnetes Alter. Musik hält jung.“

Einer der Lieblingssongs Jean van den Bergs war Sinatras „It was a Very Good Year“. Das dürfte für ihn auf sein gesamtes Leben zutreffen. Nun hat er die Reise zu einem anderen seiner Wunschorte angetreten, den er eben so oft besungen hat: „Fly Me to the Moon“. Vielleicht wird er dort auch seine Hilde wiedersehen.

Von Andreas Krasselt

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