Hannovers Weihnachtsmarkt: Kritik am Hygienekonzept - keine Regel für Wege
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Meine Stadt Kritik am Hygienekonzept des Weihnachtsmarktes: Für die Wege gibt es keine Regel
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Hannovers Weihnachtsmarkt: Kritik am Hygienekonzept - keine Regel für Wege

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06:40 17.11.2021
Vorfreude: Der Aufbau läuft, doch es gibt Kritik am Hygienekonzept des Weihnachtsmarktes.
Vorfreude: Der Aufbau läuft, doch es gibt Kritik am Hygienekonzept des Weihnachtsmarktes. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Auf dem Weihnachtsmarkt in Hannover, der am kommenden Montag beginnen soll, gilt die 2G-Regelung – aber nur an Ständen und Fahrgeschäften. „Das reine Schlendern über den Markt ist von der Allgemeinverfügung aktuell noch nicht erfasst“, bestätigte Regionssprecher Christoph Borschel. Im Klartext: Während sich nur Geimpfte und Genesene an den Ständen und Fahrgeschäften aufhalten dürfen, und auch nur sie dort Speisen und Getränke kaufen und verzehren dürfen, kann auf den Wegen dazwischen jeder herumlaufen. Dort gilt nicht einmal 3G, es ist also nicht einmal ein Test erforderlich, um auf dem Weihnachtsmarkt zumindest passiv seinen Spaß zu haben.

Eine Lücke in der Verordnung? Zumindest die Formulierung „aktuell“ in der Antwort des Regionssprechers könnte darauf hindeuten, dass in dieser Frage noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Maßnahmen wie etwa eine von der Ärztekammer geforderte Besucherbegrenzung ließen sich in Hannover kaum umsetzen, es sei denn, man wollte den Weihnachtsmarkt räumlich einengen und umzäunen. Doch das Konzept der Stadt sieht ja im Gegenteil sogar eine Ausweitung etwa auf Bereiche der Schmiedestraße vor, also eine Entzerrung der Besucherströme. Doch gibt es Zweifel, dass dies tatsächlich ausreichen kann.

CDU will Gesamtkonzept auf den Prüfstand heben

„Angesichts der steigenden Infektionszahlen gehört das Gesamtkonzept noch einmal auf den Prüfstand“, fordert der Fraktionsvorsitzende der CDU im Rat der Stadt, Felix Semper. Auf mögliche Einzelmaßnahmen wolle er sich nicht versteifen, zumal eine Zugangsbeschränkung nicht ganz einfach umzusetzen wäre. „Aber die Situation erfüllt uns mit großer Sorge“, betont er. „Vielleicht sollte man auch den Alkoholausschank einschränken und Sperrzeiten erwägen.“ Probleme sehe er auch beim Reinigen der Glühweinbecher. Absagen sollte die Stadt den Weihnachtsmarkt nicht, „aber die Maßnahmen verschärfen.“

Grüne: Niedersachsen ist nicht Bayern

Das sieht Daniel Gardemin, Teil der Doppelspitze der Ratsfraktion der Grünen, anders. „Die Corona-Situation bei uns ist ja nicht so schlimm, wie die in Bayern“, sagt er. „Und der bisherige Verlauf zeigt, das Ereignisse, die draußen stattfinden, dazu wenig beigetragen haben.“ Man könne ja niemanden verbieten, durch die Gegend zu gehen, das wäre nicht mehr verhältnismäßig. „Wir müssen auch auf Selbstverantwortung setzen.“ Alles abzusperren ginge gar nicht, da es dort auch Einwohner und Geschäfte gebe.

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SPD will Lösung für alle

Das Problem sei die Kontrolle, sagt Jens Menge, Fraktionsvize der SPD im hannoverschen Rat. „Das geht an den Ständen einfacher. Sonst müsste man das gesamte Areal umzäunen.“ Und das sei eindeutig nicht praktikabel. Man müsse aber die Maßnahmen an die jeweilige Infektionslage anpassen. Klar sei: „Wir alle wollen einen Weihnachtsmarkt. Wir alle wollen aber auch kein erhöhtes Infektionsgeschehen.“ Eine 2G-Regelung mit Stichprobenkontrollen wäre vielleicht eine Möglichkeit, räumt er ein. „Es finden ja weiter Gespräche statt. Wir müssen Lösungen finden, die für alle Seiten tragbar sind, auch für die Schausteller.“

FDP fordert generelle 2G-Lösung

Wilfried Engelke von der FDP-Ratsfraktion zeigte sich ziemlich erschrocken von der Erkenntnis, dass es zwischen den Buden keine Regeln gibt. „Wenn da jeder langlaufen kann, werde ich da nicht hingehen“, sagt er. „Das ist hochproblematisch.“ Den Weihnachtsmarkt zu umzäunen sei schwierig, räumt er ein. „Es sollte aber generell 2G gelten. Die Region sollte dort einen Impfbus hinstellen. Wir brauchen ein klare Regelung. Und die muss man dann auch kontrollieren.“ Sein Vorschlag: „Man sollte überlegen, dort vielleicht nur mit FFP-2-Masken rumzulaufen.“

Weil steht hinter Weihnachtsmärkten – noch

Grundsätzlich stehen die Weihnachtsmärkte in Niedersachsen laut Ministerpräsident Stephan Weil nicht auf der Kippe. Und auch Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) sagt: „Wir gehen nicht davon aus, dass wir die Weihnachtsmärkte nicht durchführen können.“ Und verwies dabei auf die strikten Regelungen in der Corona-Verordnung. Allerdings stellte Weil auch die Frage danach, ob solche Veranstaltungen bei höheren Eskalationsstufen der Pandemie noch vertretbar seien. Steigen die Inzidenzzahlen also noch drastisch an, könnte auch hier die Reißleine gezogen werden.

Für die Schausteller wäre das eine Katastrophe. „Wir sind höchst alarmiert, wir haben Existenzangst“, sagte Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbunds. Doch: „Das Virus macht keinen Bogen um die Weihnachtsmärkte“, so der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages, Hubert Meyer. „Wenn diese stattfinden sollen, müssen dort 2G-Regelungen gelten und muss eine stringente Kontrolle gewährleistet sein.“ Das müsse „klar in der neuen Corona-Verordnung verankert werden“, forderte er. Ob allerdings nur an den Ständen oder auch dazwischen, sagte er nicht.

Eine Maskenpflicht sei in der Corona-Verordnung aber derzeit nicht vorgesehen, so Stadtsprecher Dennis Dix. Auch er appellierte an die Eigenverantwortlichkeit der Besucher und die Beachtung der Abstandsgebote, und wo dies nicht gehe, „selbstständig eine Maske zu tragen“. Die Stadt habe das Hygienekonzept eng mit der Region abgestimmt. Eine generelle 3G-Pflicht sei wie eine Umzäunung wegen der Anwohner und den ansässigen Geschäften sowie mit Blick auf die Verordnungslage nicht möglich. „Gemeinsam mit der Region behalten wir die Situation im Blick und bewerten, welche weiteren Maßnahmen sinnvoll sind.“ Dazu könnte gegebenenfalls auch eine frühere Schließzeit am Abend gehören.

Von Andreas Krasselt