Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hannovers Unterwelten: Die Burg Calenberg
Hannover Meine Stadt Hannovers Unterwelten: Die Burg Calenberg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:21 10.07.2019
Verlassen: Die Burg Calenberg wurde schon im 17. Jahrhundert aufgegeben. Hier zu sehen ist der Zugang zum noch erhaltenen Kellergewölbe. Darin befindet sich ein tiefer Brunnen und im Winter schlafen hier Fledermäuse. Quelle: Wilde
Pattensen

Mitte Oktober 1625, Calenberger Land während des Dreißigjährigen Krieges: Vor den Toren der Burg Calenberg steht der katholische Feldherr Tilly, belagert die Stadt bereits seit Tagen. Bei stürmischem Herbstwetter stehen die protestantischen Verteidiger mit ihren Musketen oben auf den Mauern und versuchen die Angreifer abzuwehren. Noch halten die für das welfische Fürstentum Calenberg kämpfenden Männer die Stellung. Doch ihre Munition wird knapp – können sie Tilly und seinen Truppen noch standhalten?

Geht man heute über das Gelände der ehemaligen Burg Calenberg, ahnt man nichts von den Kriegen die hier in den vergangenen Jahrhunderten ausgefochten wurden, nichts von dem Leid, das Männer, Frauen und Kinder hier erlebt haben müssen. Heute ist die Burganlage in der Nähe von Pattensen eine Ruine. Übrig geblieben von der einst etwa 3500 Quadratmeter großen Festung sind lediglich einzelne Überreste von Gebäuden. Der Rest ist verwildert. Es riecht nach Wald, die Vögel zwitschern und am Boden flitzt eine Maus raschelnd durchs Gestrüpp – es ist jetzt ein friedlicher Ort.

Ruinen sind noch im Besitz der Welfen

„Hier war früher das Tor“, sagt Martin Riechert und zeigt auf einen plattgetrampelten Pfad neben dem noch erhaltenen Batterieturm. Riechert arbeitet für die Marienburg, die von hier nur etwa vier Kilometer Luftlinie entfernt ist. Dort ist er zuständig für Gebäude und Technik und damit auch für die Ruinen der Burg Calenberg – denn die sind noch heute im Besitz der Welfen.

Hielt lange Stand und steht noch heute: Der Batterieturm ist neben dem Wall das letzte Überbleibsel der Verteidigungsanlage. Quelle: Wilde

Neben dem Pfad, den früher das Burgtor bewachte, geht es einen Hügel hinauf, Teil der ehemaligen Wallanlage. Riechert erklärt: „Gut die Hälfte des Walls ist heute noch erhalten.“ In den Achtziger Jahren wurden hier mal Bäume drauf gepflanzt. Seitdem wird die Anlage der Natur überlassen.

Im 13. Jahrhundert fing man an zu bauen

Jahrhunderte früher war hier mehr los: Der Welfen-Herzog Otto der Strenge baute die Anlage gegen Ende des 13. Jahrhunderts zur Burg aus. Zwischen zwei Armen der Leine gelegen, sollte die Festung dann den Einflussbereich der Welfen gegenüber dem benachbarten Bistum Hildesheim sichern. Dazu modernisierte man sie immer wieder: Um 1510 wird ein Wassergraben angelegt und ein mächtiger Erdwall um die Anlage gezogen. Auch der Batterieturm stammt aus dieser Zeit. Nur wenige Jahre später, 1519, wurde die Burg einem Belastungstest ausgesetzt: Vier Wochen lang belagerten Hildesheimer Soldaten die Festung – doch Calenberg hielt stand.

Mitten im Grünen liegen die Ruinen der Festung Calenberg. Wir haben uns auf dem Gelände mal genau umgeschaut.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Burg veraltet

Das ändert sich dann erstmals im Herbst 1625: Nach mehrwöchiger Belagerung erobert Feldherr Tilly schließlich die mittlerweile schon wieder veraltete Burg. Die welfischen Soldaten mussten sie aufgeben, ihnen war die Munition ausgegangen – einige sollen auch gemeutert haben.

Aufgeschüttet: Mit der Zeit türmte sich Erde im Turm auf. Die Schießscharten sind noch erkennbar. Oben in der Decke ist ein kleines Loch, damit der Ruß vom Gewehrfeuer abziehen konnte. Quelle: Wilde

Sieben Jahre danach schon wurde die Festung geschleift. Zu gering war ihr militärischer Nutzen geworden. Auf die moderne Kriegsführung mit Feuerwaffen war die Anlage nicht ausgerichtet. Einzelne Gebäude auf dem Gelände blieben jedoch erhalten, wurden zeitweise als Gefängnis oder Verwaltungsgebäude genutzt. Erst in den 1980er Jahren wurden die restlichen Gebäude abgerissen und die Ruinen bepflanzt.

Anwohner sprechen von mysteriösen Gestalten

Seitdem verirren sich kaum noch Menschen an diesen Ort, den eine gewisse Mystik umgibt. In den alten Gewölben hängen Spinnweben von der Decke, ein leicht modriger Geruch liegt in der Luft. Das Geheimnisvolle zieht offenbar auch „merkwürdig aussehende Menschen“ an, wie die Anwohner im benachbarten Lauenstadt berichten. Auf seinen Kontrolltouren hat Martin Riechert schon alles mögliche in den Ruinen gefunden: „Da waren Kerzenständer, Feuerstellen und jemand hat Steinkreise gelegt.“ Offenbar lockt die Burg Calenberg Okkultisten an. Kein Wunder, ranken sich doch auch Legenden um diesen Ort. So soll es hier mal einen Tunnel nach Hildesheim gegeben haben, „durch den man aufrecht auf einem Pferd sitzend reiten konnte“, sagt Riechert. Doch daran glaubt er nicht: „Die Burg liegt im Überschwemmungsgebiet der Leine.“

Trotz der spannenden und für die Region bedeutenden Geschichte wissen heute nur noch wenige Menschen von der Burg Calenberg. Lediglich auf einer Informationstafel hat man die wesentlichen Eckdaten der Welfen-Festung festgehalten. Sollte man da nicht mehr tun – oder mit einer gepflegten Anlage Besucher anlocken? „In den nächsten Jahren werden wir hier den Bewuchs entfernen“, sagt Martin Riechert. Aber eines ist jedenfalls sicher: Nach 800 Jahren ist die Geschichte der Burg Calenberg noch nicht vorbei.

Der Corvinus-Keller

Geht man auf dem heutigen Gelände der Burg Calenberg am zur rechten Hand liegenden Batterieturm vorbei und wendet sich nach einigen Metern nach links steht man vor dem Eingang zu einem alten, noch erhaltenen Gewölbekeller. Mündlichen Überlieferungen zufolge wurde hier der protestantische Theologe Anton Corvinus drei Jahre lang vom welfischen Herzog Erich II. festgehalten, von 1549 bis 1552.

Eigentlich waren die Welfen auf der Seite der Protestanten. Noch Erichs Mutter, Elisabeth von Brandenburg, hatte die Reformation aktiv unterstützt. Doch Sohn Erich hatte andere Pläne, fühlte sich zum Katholizismus hingezogen und sah es daher als notwendig an, Reformatoren wie Anton Corvinus und den Pattenser Prediger Walter Hoiker wegzusperren. Allerdings wird auch berichtet, dass es die Gefangenen recht gut hatten hinter Gittern: Sie bekamen ausreichend zu essen und durften auch soziale Kontakte pflegen.

Nach drei Jahren dann wurde Corvinus entlassen. Er ging als 51-Jähriger nach Hannover und wurde dort Pastor der Aegidienkirche. Nur ein Jahr später starb der Reformator dann bereits. Begraben worden sein, soll er unter der Marktkirche. Noch heute sind zahlreiche Kirchengemeinden in der Region nach ihm benannt, unter anderem in Stöcken.

Mehr zu Hannovers Unterwelten finden Sie hier:

Der Klosterstollen Barsinghausen

Der Atomschutzbunker in Oberricklingen

So sieht es in der Kanalisation aus

Die Gruft unter der Kreuzkirche

Die Geisterstation unter dem Hauptbahnhof

Der Hanebuth-Gang

Von Janik Marx

Der 22-jährige BMW-Fahrer, der Ende vergangenen Jahres auf das Rollfeld des Flughafens Hannover gefahren war, muss möglicherweise nicht vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat noch nicht entschieden, ob sie ihn anklagen wird. Es könnte sein, dass der Mann schuldunfähig war.

10.07.2019

Wer war nochmal der Bajazzo? Und warum muss Turiddu sterben? Wenn Sie gerade nicht parat haben, um was es in den beiden Stücken des großen Opern-Open-Airs geht, hier eine kurze Zusammenfassung

10.07.2019

Mehr als 36.000 Unfälle gab es alleine im Jahr 2018 in der Region Hannover. Sehen Sie hier, wie gefährlich es in Ihrer Nachbarschaft ist.

10.07.2019