Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Hauptbahnhof Hannover: Drogensumpf gefährdet Eisenbahner-Verein
Hannover Meine Stadt Hauptbahnhof Hannover: Drogensumpf gefährdet Eisenbahner-Verein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:15 19.07.2019
Drogensumpf: Das Clubhaus des Modelleisen- bahnvereins hinter den Gittern wird regelrecht von den Junkies belagert. Vorsitzender Michael Kahler (kleines Bild) hat die Drogenspritzen in einem Eimer gesammelt, die dem Verein vor die Tür geworfen wurden. Quelle: Fotos: Dröse, Mahrholz, privat
Hannover

Auf der Drogenmeile vor dem Rauschgift-Konsumraum „Stellwerk“ hinter dem hannoverschen Hauptbahnhof herrschen immer schlimmere Zustände. „Hier wird in aller Öffentlichkeit Crack geraucht“, berichten Michael Kahler (49) und Matthias Fey (53). Der Vorsitzende und der Kassierer des Modelleisenbahnvereins Hannover sehen auch häufig Junkies, die sich unverhohlen Betäubungsmittel spritzen – direkt vor ihrem Clubheim.

Der Drogensumpf zwischen „Stellwerk“ und Fernroder Straße befindet sich genau vor den Vereinsräumen. Das Domizil der Hobby-Eisenbahner wird regelrecht belagert von Süchtigen sowie den Trinkern und Obdachlosen, die sich dort ebenfalls zuhauf niedergelassen haben. Inzwischen müssen Kahler und Fey deshalb sogar um die Existenz ihres Vereins bangen: Ein Viertel der Mitglieder ist schon ausgetreten, die Jugendgruppe wurde eingestellt.

Schlafende Drogenabhängige vor dem Vereinsheim der Hobby-Eisenbahner. Quelle: privat

Bis vor zwei Jahren war die Welt für den Modelleisenbahnverein noch in Ordnung. Wo heute das „Stellwerk“ ist, war früher das Café Connection. „Mit den Drogenabhängigen dort gab es nie Probleme. Die hat man gar nicht bemerkt“, erinnert sich Kahler. Doch mit der Zusammenlegung mit dem Fixpunkt und schließlich der Eröffnung des „Stellwerks“ begannen die Probleme: „Es ist richtig eskaliert“, sagt Kahler.

Inzwischen ist es so, dass sich auf der Drogenmeile vor dem „Stellwerk“ bis zu 200 Junkies, Trinker und Obdachlose aufhalten, berichtet Fey. Er erinnert sich an einen Tag Anfang Juni: „Da war hier die ganze Straße voll. Das war Wahnsinn.“

Junkies missachten konsequent die Grenze

Direkt vor dem Haupteingang des Vereinsheims campieren die Abhängigen, Trinker und Obdachlosen. Eine Grenzverletzung in doppelter Hinsicht: Eine grüne Linie markiert eine Fläche vor dem „Stellwerk“, bis wo sie sich aufhalten dürfen. Doch der Trennstrich wird konsequent ignoriert.

Fotos, die über Wochen und Monate entstanden, dokumentieren, dass sich vor dem Clubheim Müllberge aus Matratzen, Klamotten, Koffern, Kartons, Plastiktüten und Essensreste türmen. Letzteres hat inzwischen dazu geführt, dass sich auf der Meile auch zahlreiche Ratten tummeln. Jede Menge Kot der Nager liegt direkt vor der Tür der Hobby-Eisenbahner. Auch menschliche Exkremente sind auf der Meile zu finden.

Dealer fährt mit dem Taxi vor

Drogen werden offen konsumiert – und der Nachschub reißt nie ab. Dealer versorgen direkt die Abnehmer. Dreister geht es nicht: Erst diese Woche fuhr ein Rauschgifthändler mit dem Taxi vor, wickelte seine Geschäfte ab, stieg wieder ein, fuhr weg.

Das Treiben hat inzwischen erhebliche Konsequenzen für den Verein, der seit dem Jahr 2000 in den Räumen des Bahnsozialwerks ist. „Wir haben unsere Jugendgruppe eingestellt“, sagt Kahler. Er kann nicht mehr die Verantwortung für die 14- bis 15-Jährigen übernehmen, die sich durch den Drogensumpf ihren Weg ins Clubheim bahnen müssen. Ein Viertel aller Mitglieder ist inzwischen ausgetreten. Auch sie hatten den Spießrutenlauf zu den Vereinsabenden satt. „Wir können auch keine Ausstellung mehr machen – wer will denn bei diesem Umfeld noch zu uns kommen?“, fragt Fey.

Die Zustände auf der Drogenmeile zwischen dem Konsumraum „Stellwerk“ und der Fernroder Straße werden immer schlimmer. Der Modelleisenbahnverein Hannover schlägt nun Alarm

Sie selbst seien von den Drogenabhängigen und ihren Mitstreitern zwar nie angegriffen worden. „Aber man merkt, wie aggressiv die untereinander sind“, erklärt Kahler. Und das wirkt sich auch auf das eigene Sicherheitsgefühl aus, so Fey: „Man weiß nie, ob man hier nicht zwischen die Fronten gerät.“

Auf der Drogenmeile liefern sich die Junkies, Trinker und Obdachlosen immer wieder gewalttätige Auseinandersetzungen. Auch Angriffe mit Messern gab es schon. Der Vorsitzende: „Ich weiß nicht, wie oft wir schon die Polizei gerufen haben.“ Die sei auch immer sofort da. Kahler und sein Vereinskollege bestätigen zudem, dass es oft Drogen-Kontrollen gibt. Ganz offenkundig lässt sich aber das Problem mit polizeilichen Mitteln allein nicht lösen, wie der derzeitige Zustand beweist.

Städtischer Ordnungsdienst selten da

Wer selten bis gar nicht zu sehen sei, ist der städtische Ordnungsdienst. Müllberge und lagernde Drogenabhängige, Alkoholiker und Obdachlose fallen ausschließlich in den Zuständigkeitsbereich der Stadt. Dabei hatte die Verwaltung vergangene Woche noch mitgeteilt, dass das Lagern im dortigen Bereich verboten ist. Für Kahler ist das Maß jedenfalls voll: „So funktioniert das hier einfach nicht mehr.“

Über rund zwei Wochen hat er in einem Plastikeimer Drogenspritzen gesammelt, die dem Verein vor die Tür geworfen wurden. Weshalb Rauschgift überhaupt auf der Meile konsumiert wird, obwohl im „Stellwerk“ eigens dafür ein Druckraum eingerichtet wurde, ist dem 49-Jährigen klar: „Im ,Stellwerk‘ gibt es Regeln. Hier auf der Meile hält sich niemand an Regeln.“

Von Britta Mahrholz

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland wächst kontinuierlich. Damit steigt auch die Zahl der Erkrankungen und Gefährdungen älterer Menschen – insbesondere das Sturzrisiko. Die NP hat eine Sturzpatientin auf ihrem Weg zu neuer Mobilität begleitet.

19.07.2019

Die juristische Aufarbeitung der Rathausaffäre lässt auf sich warten. Das Landgericht wird vorerst keinen Prozess gegen OB Stefan Schostok, seinen Ex-Büroleiter Frank Herbert und den vom Dienst suspendierten Kulturdezernenten Harald Härke eröffnen.

19.07.2019

Seit einer Woche suchen wir mit den NP-Lesern nach einem Namen für eins der Tigerbabys im Zoo Hannover. Das haben wir als Anlass genommen, die Kleinen mal zu besuchen und zu beobachten.

19.07.2019