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Meine Stadt Hannoveraner finden Dino-Fußabdrücke in Antarktis
Hannover Meine Stadt Hannoveraner finden Dino-Fußabdrücke in Antarktis
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11:54 22.05.2019
Hannover

Ein neunköpfiges Expeditionsteam der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover schlägt sich durch die rauen Helliwell Hills in der Antarktis. Es ist Winter in Deutschland und Hochsommer im Eiskontinent, etwa null Grad misst das Thermometer. Der geschmolzene Schnee hat Geröll im Nord-Viktoria-Land freigegeben. Das Team des hannoverschen Expeditionsleiter Andreas Läufer (55) hat sich um sieben Uhr morgens auf den Weg gemacht, um in diesem Geröll Spuren zu finden. Irgendwelche Anhaltspunkte, dass hier im Eis mal Leben geherrscht hat.

Andreas Läufer in der Antarktis. Quelle: BGR

Sensationsfund in der Antarktis

„Im gesamten Nord-Victoria-Land sind noch nie Überreste von Wirbeltieren gefunden worden – nicht mal ein Knochen. Es war zum Verzweifeln.“ Dann plötzlich ein spitzer Aufschrei, der durch die antarktischen Stille schallt: „Was ist das denn?“, ruft Geologin Laura Crispini (53). Läufer eilt zu ihr und betrachtet den Stein, den seine Kollegin in der Hand hält. „Das ist ein Saurier-Fußabdruck!“, da ist er sich sicher.

Die zwei Paläontologen des Teams kommen dazu, sie sind skeptisch. Noch nie hat man hier irgendwelche Wirbeltierespuren gefunden, nicht mal Zähne. Und auf einmal stolpert man über einen Stein mit einem Saurier-Fußabdruck? Das klingt zu schön, um wahr zu sein.

„Wir diskutierten bis tief in die Nacht“, erinnert sich Läufer, zurück bei der BGR in Hannover. Als die Expedition nach drei Monaten aus dem Eis zurückkehrte, wurden Spezialisten aus der ganzen Welt zu Rate gezogen, der Stein ging drei Jahre lang für Analysen auf Reisen in verschiedene Institute.

Bestätigt: Die Hannoveraner haben einen Saurier-Fußabdruck gefunden

Die gefundenen Fußspuren stammen von einem Archosaurier, ein Urahn des heutigen Krokodils

Jetzt ist der Fußabdruck in Hannover angekommen. Er liegt in Läufers Büro in der Groß-Buchholzer BGR, mitten zwischen anderen Funden aus der Antarktis. Mit dem besonderen Fossil wurde die Erkenntnis geliefert: Es handelt sich tatsächlich um einen 200 Millionen alten Saurier-Fußabdruck, den die Expedition in der Antarktis gefunden hat. Das Tier stammte aus der Gruppe der Archosaurier, deren Spuren in Deutschland als Chirotherium bekannt sind. Groß war das Tier nicht: Es war ein Vorfahre des heutigen Krokodils.

Andreas Läufer in seinem Büro in der BGR. Quelle: Rainer Dröse

Der Beweis für Wirbeltiere im Nord-Viktoria-Land

Das beweist: Es hat Leben im Nord-Viktoria-Land gegeben. Auch Fossilien von alten Baumstämmen brachte Läufer aus von der südlichen Antarktis-Küste mit. „Die Antarktis war früher nicht der vereiste Kontinent, wie wir ihn heute kennen“, so der 55-Jährige. Stattdessen gab es Wälder, durch die Saurier streiften.

Das Erforschen von Gondwana

Herauszufinden, wie der Großkontinent Gondwana entstanden und vor 180 Millionen Jahren auseinander gebrochen ist, ist der Foschungs-Schwerpunkt der BGR. Seit 40 Jahren schickt sie dafür Expeditionen in die eigene Antarktisstation Gondwana. Läufer war zum neunten Mal dabei. Von der Ganovex XII (13. German Antarctic North Victoria Land Expedition), so hieß die Expedition im vergangenen Winter, brachten die Forscher sieben Tonnen Probenmaterial mit.

Sieben Tonnen Probenmaterial hat die Expedition aus der Antarktis mitgebracht. Quelle: Rainer Dröse

Die nächste Expedition findet in ungefähr drei Jahren statt. „So lange brauchen wir, um das Material zu untersuchen. Und dazwischen geht es auch noch in die Arktis“, so Läufer. Da reist er allerdings nicht mit hin, sein Herz schlägt für die Antarktis. Und das, obwohl der Strukturgeologe früher nie in die Kälte wollte – geschweige denn drei Monate in einem Zelt im Eis zu schlafen. „Doch jetzt faszinieren mich die atemberaubende Landschaft und die spannenden Funde dort.“

Die nächste Expedition

Doch nach drei Monaten freut er sich dann doch wieder auf sein 17 000 Kilometer entferntes Zuhause, auf ein Bier, ein Steak – und auf dunkle Nächte. Denn in der Antarktis geht im Sommer die Sonne nicht unter. Daran hat sich nichts geändert. Das war auch schon damals so, als da, wo heute Eis ist, Wälder waren, in denen Dinos umher gestreift sind.

Auch Hannover war mal Dinoland

Man muss nicht in die Antarktis reisen, um auf Dinosaurier-Spuren zu stoßen. Auch in Niedersachsen haben die Urzeit-Echsen gelebt – und in Hannover findet man noch ihre Fossilien.

In der Sophienstraße, gegenüber dem Künstlerhaus, fand Saurier-Expertin Annette Richter im Jahr 2004 einen Saurier-Fußabdruck an einer Hausfassade. Er ist etwa 137 Millionen Jahre alt und stammt vermutlich von einem Pflanzen fressenden Iguandon. Oder von einem räuberischen Allosaurus, einer Vorform des Tyrannosaurus Rex. Doch durch Hannover gestapft ist keiner von beiden – zumindest nicht jener, der sich an der Hausrückwand in der Sophienstraße verewigt hat.

Denn der Sandstein, auf dem Richter den Abdruck gefunden hat, stammt aus dem niedersächsischen Ort Obernkirchen im Landkreis Schaumburg. Der dortige Steinbruch gilt in der Paläontologie als ergiebige Fundgrube, Wissenschaftler sprechen vom niedersächsischen Gold.

Auch die Saurierspuren aus Münchehagen bei Rehburg-Loccum sind weltbekannt. Feuerwehrleute haben dort im 1980 eine fossile Fährte aus 250 Fußabdrücken entdeckt. Sie sind 140 Millionen Jahre alt. Rund um die Saurierfährten ist ein Dinopark entstanden – der größte in Deutschland. Hier präparieren Forscher unter anderem den Europasaurus, der am südlichen Rand des Niedersächsischen Beckens im Oberjura Norddeutschlands lebte. Forscher sprechen von einem Jahrhundertfund.

In der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover kann man riesige Fußabdrücke des Raubsauriers Megalosaurus und eines Sauropoden sehen – auch als Langhals bekannt. Diese Spuren stammen auch aus Niedersachsen: aus Barkhausen bei Osnabrück. Dort stapften die zwei Saurier durch das gleiche Sumpfgebiet, deshalb finden sich beide Fußabdrücke auf demselben Fossil.

Im Landesmuseum Hannover gibt es Überreste eines 130 Millionen Jahre alten Schwimmsauriers. Auch diese Spuren haben Fossiliensammler 1964 in der Nähe von Hannover gefunden: in der Tongrube Moorberg bei Sarstedt.Direkt in Hannover hat man Saurierzähne Am Lindener Berg, in Ahlem und am Tönniesberg gefunden.

Forscher sind sich sicher: Hannover und Niedersachsen, damals eine tropische Seenlandschaft, war Dinoland.

Von Josina Kelz

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