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Meine Stadt Hannover will riesiges Internet-Institut
Hannover Meine Stadt Hannover will riesiges Internet-Institut
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16:02 20.02.2017
Quelle: dpa
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Hannover

Ein mögliches Gelände für das geplante Deutsche Internet-Institut ist in Hannover bereits ausgeguckt. "Es wird in der Nähe des Zentrums liegen, nicht weit von der Universität", sagt Wolfgang Nejdl.

Der Professor ist geschäftsführender Leiter des niedersächsischen Konsortiums L3S, einer gemeinsamen Einrichtung der Metropolregion Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg. Und die sieht sich als eine Art Vorläufer des neuen Instituts, für die das Bundeswissenschaftsministerium derzeit einen Konzept-Wettbewerb ausgeschrieben hat. 

Bis zum Monatsende muss Hannovers Bewerbung vorliegen. Es wird die zweite sein, denn die Niedersachsen-Kapitale befindet sich seit einem ersten Auswahlprozess unter den Finalisten. Gemeinsam mit Konkurrenz-Projekten aus Berlin, München, Bochum und Karlsruhe bewirbt sich Hannover über das L3S-Konsortium um das bundesfinanzierte Institut, dem für die ersten fünf Jahre stattliche 50 Millionen Euro winken.

"Trotz der starken Konkurrenz ist auch in der zweiten, abschließenden Auswahlrunde ein Erfolg möglich", glaubt Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne), die sich dadurch wichtige Impulse für den Standort erhofft. Das geplante Internet-Institut soll die rechtlichen, ethischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekte des digitalen Wandels erforschen und könnte der Region bei einem bedeutenden Zukunftsthema einen wichtigen Schub geben. Erforscht werden sollen etwa Datenschutz und Urheberrecht, Wissensverbreitung oder der Missbrauch des Internets durch Extremisten und Populisten.

Ausgeschrieben wurde es von der Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU), die zuvor das gleiche Ressort auf Landesebene in Niedersachsen verantwortete. Mit einem Anfangsetat von 50 Millionen Euro für die ersten fünf Jahre ist das Institut mit einer beachtlichen Basisfinanzierung ausgestattet. Immerhin gilt es, bei der Weiterentwicklung des Internets, international Rückstände aufzuholen - auch beim Kenntnisstand der Bevölkerung.

CDU-Politiker forderten vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen schon unterhaltsam-informative Internet-Aufklärungsserien für die breite Allgemeinheit - sie sollten sich dabei an der einstigen Verkehrsaufklärungskampagne "Der 7. Sinn" orientieren.

Denn Deutschland ist im internationalen Vergleich eher spät in die gezielte Erforschung des gesellschaftlichen Wandels durch das Internet eingestiegen. "Ich denke, unsere Chancen sind gut, weil wir als Region und nicht als Stadt auftreten", meint Nejdl, der auf langjährig bestehende Strukturen verweist.

Die Niedersachsen stützen sich in der Tat auf wichtige Standortfaktoren. So will der weltgrößte Automobilbauer Volkswagen als bedeutendster Arbeitgeber des Landes Wolfsburg zu einem internationalen Digital-Mekka ausbauen. "Wolfsburg soll ein Magnet für Hightech- und IT-Experten werden; wir wollen Wolfsburg zur Modellstadt für Digitalisierung und Elektromobilität machen", sagte VW-Personalvorstand Karlheinz Blessing vor kurzem.

Fachkräfte aus aller Welt sollen im geplanten neuen IT-Zentrum am mobilen Fahren von morgen tüfteln. Und im benachbarten Braunschweig wird beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an der Zukunft der dritten Dimension geforscht - die ebenfalls stark von der Digitalisierung getrieben ist.

Die jährliche IT-Messe CeBIT in Hannover (20.- 25. März) - international eines der bedeutendsten Trend-Barometer für den Stand der Digitalisierung - kooperiert bereits mit dem L3S-Konsortium. "Wir haben mit der CeBIT eine Zusammenarbeit vereinbart, die in den kommenden Jahren noch ausgebaut werden soll", sagt Nejdl.

Erwartungen, dass auf der Messe eine Entscheidung über den Sitz des Instituts mit seinen diversen regionalen Büros fallen könnte, dämpfte das Bundeswissenschaftsministerium allerdings. "Zur CeBIT 2017 in Hannover sind noch keine Signale oder gar Entscheidungen zu erwarten", betont Referentin Nina von Sartori und erklärt: "Die Auswahlentscheidung wird im späten Frühjahr nach einer Sitzung der Jury getroffen." dpa